Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 23 (19.3.1900)
- Date
- 1900-03-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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46Ä lUiü dem Vorträge dev 2'am xi.*j '&] uttD des i'p 1*212 endete die ernste Feier des Tages. ' M. H. Pforzheim, 13. März. Der so rasch berühmt ge wordene Leopold Landau fährt ungestört fort, die Redactionen und Andere mit seinen Zuschriften zu erfreuen. An die „Oester. Israelit. Union," Wien, richtete er folgendes Schreiben: Meine sehr verehrten Herren! In Nr. 75 der „Franks. Ztg." werfen Sie mir den Fehdehandschuh hin. — Gut, ich hebe ihn auf — entweder Sie zerschmettern mich, oder ich zerschmettere eine gräßliche, jüdische Verbrecherbande, welche unter dem Schutze eines intern, jüd. Bundes und einer mächtigen Presse Alles wagen kann. Hochachtend Leopold L a n d a u. (Copie an vier jüd. und zwei antis. Blätter.) Wir erhielten von Herrn Landau folgende Zeilen: Sehr verehrter Herr Lehmann! In Folge gewisser Vorgänge halte ich mich an das de-m hiesigen Vorstände gegebene Wort nicht mehr gebunden. Ties zur gütigen Kenntnißnahme. Freundl. Gruß Leopold Landau. Wir können uns nur wiederholt Uber die Unthätigkeit der maßgebenden jüdischen Kreise in Baden auf das Höchste erstaunen. Meh, 13. März. (Israelitischer K u l - t u s.) Nachdem von den fünf Kandidaten, welche sich für die hiesige Oberrabbinerstelle gemeldet haben, Herr Dr. Koch aus Weißenburg am Freitag und Samstag vor acht Tagen je eine Probepredigt in deutscher und in französischer Sprache gehalten, stellte sich vorgestern Abend und heute Morgen Herr Dr. Netter aus Saargemünd in gleicher Weise der Gemeinde vor. Uffenheim (Elsaß). Am 2. d. M. wurde unsere neue Synagoge eingeweiht. Die Feier gestaltete sich für unser Dorf und die weite Umgegend zu einem großen und erhebenden Felle. Die Gesänge des Vorsängers und die Einweihungsrede des Oberrabbiners wurden von der zahlreichen Versammlung mit großem Beifalle und großer Begeisterung ausgenommen. Bemerken will ich noch, daß die Regierung eine ansehnliche Summe zum Bau beigefteuert hat. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Wien, 15. März. (Gegen die Bedrückung jüdischer Lehrer.) Ein aus Delegirten mehrerer Vereine zusammengesetztes Comitee veranstaltete im Saale der Restauration „Zum Widder" eine Protestkundgebung gegen die systematische Präterirung der jüdischen Lehrkräfte. Der Referent Dr. R a p p 0 - Port schilderte die tristen Verhältnisse in jüdischen Lehrerkreisen und kennzeichnete die Bedrückung der provisorischen Unterlehrer und Unterlehrerinnen, die seit dem christlich-sozialen Regime von jedem Vorrücken, von der definitiven Anstellung ausgeschlossen werden, als eine schmachvolle, empörende Ungerechtigkeit. Bei dem letzten Lehrer-Avancement seien ganz vorzüglich qnalificirte Lehrkräfte, die mehr als zehn Jahre zur vollen Zufriedenheit der Vorgesetzten thätig sind, wieder übergangen worden. Einer Deputation gegenüber habe der Statthalter bemerkt, daß wohl dem Statthalter das Aufsichtsrecht über die Gemeinde zustehe, daß jedoch die Frage, >vie dieses Aufsichtsrecht auszuüben wäre, nicht zu lösen sei. Der Unterrichtsminister habe erklärt, daß ihm eine Jngerenz nicht zustehe. Der Referent beantragte eine Resolution, in der den christlich-sozialen Machthabern das Mißtrauen und die Entrüstung ausgesprochen und das Vorgehen der Christlich-Sozialen in scharfen Worten gebrandmarkt wird. Unterlehrer Aufwerber führte aus, die Christlich-Sozialen maßregeln deßhalb die jüdischen Lehrer, weil sie freisinnig seien. Alle diese Bedrückungen würden jedoch eine Knebelung der Lehrer nicht herbeiführen, diese würden im Kampfe gegen die Christlich- Sozialen nicht ruhen, und wenn die freisinnigen Elemente ihre Aufgabe erfüllen, dann werde der Kampf von Erfolg begleitet sein. Hofrath K a r e i s forderte zu reger Agitation auf und sagte den Bestrebungen des Comitees seine Unterstützung zu; es sei zu bedauern, daß es Mandatsträger gibt, die daS Staatsgrundgesetz beschwören und das Recht mit Füßen treten. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Budapest, 7. März. Nach dem Tode des Philanthropen Baron Hirsch hat dessen seither ebenfalls verstorbene Wittwe, Frau Baronin Klara Hirsch, einen Wohlthätigkeitsfonds im Betrage von zwei Millionen Kronen gestiftet, dessen Zinsenerträgniß zur Unterstützung ungarischer Armen bestimmt ist. Die Verwaltung und Manipulirung dieses Hilfsfonds ist den staatlichen Organen anvertraut worden. Die Stiftungscommission ist schon seit Monaten thätig, die Stiftungsstatuten haben aber erst dieser Tage die Genehmigungsklausel der ungarischen Regierung erhalten. Die Stiftung erstreckt sich auf sämmtliche Länder der ungarischen Krone und hat den Zweck, hülfsbedürftigen Juden (in Ausnahmsfällen auch Angehörigen anderer Konfessionen) zu verhelfen, ihre Existenz durch Gründung oder Fortsetzung eines Handwerkes oder sonstigen Gewerbszweiges aufrecht zu erhalten. In erster Reihe sind solche Leute zu berücksichtigen, die durch die gebotene Hülfe vor dem materiellen Ruin bewahrt werden können. Weiter sind auch Prämien und Stiftungen zu Schulzwecken zu verabreichen. Die Hilfeleistung für Gewerbetreibende geschieht durch Gewährung zinsenloser Darlehen bis zu 600, in Ausnahmefällen bis zu 1000 Kronen. Nur in Fällen, die besondere Berücksichtigung verdienen, werden auch directe Spenden verabreicht. Das jährliche Ausgabenetat darf vorderhand die Summe von 140.000 Kronen nicht übersteigen. Ein Komitee aus Herren und Damen der hiesigen isr. Cultusgemeinde wird unter staatlicher Aufsicht den Fond verwalten und ist auch für die Ergänzung dieses Komitees