Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 23 (19.3.1900)
- Date
- 1900-03-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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4t* Jahrgang. eüage >u -es „Israelit Leitender Artikel. Briefe aus Rußland. W n r [ ch a u , im März. Das mobcntc ^cbcn ist auch aus das Leben der russischen Juden nicht ohne Einfluß geblieben, sowohl nach seiner guten Seite, aber noch mehr nach seiner schlechten Seite hin. Welche Verheerungen die Reform in Deutschland im religiösen Leben angerichtet bat, das weiß inan bei Ihnen besser als bei uns. Weniger bekannt aber dürste Ihnen sein, welche Schäden die Berührung mit der modernen Kultur unter den Inden Rußlands verursacht hat. Eine der traurigsten Erscheinungen im Leben dieser Juden ist der Zustand der modernen Jargon-Litteratur. Während früher diese Litteratur von tiefem, sittlichen, religiösen Ernst getragen war, und während sie früher den Juden das Leben frommer und heiliger Männer unseres Volkes schilderte und so der reiferen Jugend und den Kindern leuchtende Vorbilder jüdischer Glaubenstreue vorführte, sehen wir heute die Jargontitteratur von Schundwerken überslnthet, ivelche noch schliminer sind, als die Räubergeschichten und Hintertreppen-Romane, die in Deutschland in den Küchen und Gesindesiuben ihr Dasein fristen. Denn lväbrend diese Machwerke, abgesehen von der die Phantasie aufreizenden Schilderung, im übrigen harniloser Natur sind, sind jene jüdischen Jargon-Erzählungen voll von Verspottungen und Verhöhnungen der heiligsten religiösen Wahrheiten und Gesetze, und der iiidiscke Witz ist eben noch viel schärfer und spitziger, als in jeder anderen Svraebe. Und diese Schundwerke liest der größte Tbeil der Jugend unter der jüdischen Bevölkerung, nainentlich der weibliche Tbeil, Dienstboten u. s. w. Es ist leicht zu erweisen, welche vergiftenden Folgen eine solche Litteratur auf die jugendlichen Gemüther ausübt. Und warum werden diese Bücher mit einer solchen Gier gelesen? Weil es andere nicht gibt. Es wäre ein Verbrechen an unserem heiligen Glauben, wenn man dieser traurigen Tbatsaebe gegenüber gleichgültig bleiben sollte. E§ haben deßhalb mehrere fromme Männer, die sich für diese Angelegenheit interessiren. wie die Herren Rastali S i l b e r b e r g , Elia W e i d e n s e l d und Gerson Blut in Warschau, darüber berathen, und sie sind schließlich darauf gekommen, daß die vortrefflichen Werke des Begründers Ihres Blattes fiir eine Verbreitung sehr geeignet wären. Natürlich müßten die Bücher in den Jargon übertragen und zu einem sehr billigen Preise in kleinen Lieferungen abaesetzt werden, wenn sie wirklich im Stande sein sollen, jene verderbliche Litteratur zu verdrängen. Selbstverständlich wollen und dürfen sie nichts daran verdienen, wenn sie die Bücher zu einem niedrigen Preise herstellen sollen. --- - - - - - ■— — --S.- Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. WKsel. Der aus der Elite der hiesigen Bevölkerung bestehende „Allgemeine Gesangverein" beging am 11. d. M. das Fest seines 60jährigen Bestehens. Mit der Abfassung der Festschrift (Geschichte des Vereins) und der Dichtung des Prologs war der Journalist Herr S. Frankfurter Hierselbst beehrt worden. Derselbe erntete für seine als vorzüglich anerkannte Arbeit den allseiiigen Dank. ^reiberg, 14. März. Der „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" hatte gegen den verantwortlichen politischen Redacteur der „Deutschen Wacht" in Dresden bei der kgl. Staatsanwaltschaft Klage erhoben wegen Beleidigung der jüdischen Religion im Sinne des Paragraphen 166 des Reichsstrafgesetzbuches, begangen in einem Artikel: „Etwas vom jüdischen Mädchenhandel." In dem inkrimirten Artikel war auch das „Kol Nidre"-Gebet besprochen worden und zwar in sehr scharfen Redewendungen. Der Strafantrag wurde sowohl von der kgl. Staatsanwaltschaft, als von der kgl. Dberstaatsanwaltschaft zurückgewiesen. Das Verfahren ist somit eingestellt. Sckirimm. Wie alljährlich, wurde auch diesmal der '• in unserer Gemeinde festlich begangen. Rach dem Minchagebet trug Herr Kantor W e i b l o >v s k i den Psalm “trcS nben vor, worauf Herr Rabbiner Dr. B a in b e r g e r die Kanzel bestieg, um in einer der Bedeutung des Tages angemessenen Predigt die in diesem Jahre Heimgegangenen Gelehrten Israels tcdö zu sein. Leider war ja die Anzahl derL'bii:, die in der jüngsten Zeit uns entrisien wurden, keine geringe, und erwähnte unser Herr Rabbiner in erschöpfender Weise die folgenden vier hervorragenden Rabbiner: Hildesheimer s. A. in Berlin, Bamberger s. A. in Kissingen, Ehaim s. A. in Znin und Koref s. A. in Hanau. -: * b v i: ’ - n * r r. In seinen glanzvollen Ausführungen gedachte der Redner auch der letzthin Verschiedenen unserer Gemeinde. Die nach Form und Inhalt gleich gediegene Rede machte auf die zahlreichen Anwesenden sichtbar tiefen Eindruck.