Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 23 (19.3.1900)
- Date
- 1900-03-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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463 Landgerichtspräsident Bcrnays, Geheimer Rath Dr. C l e m m , Bürgermeister Weber, Vertreter der verschiedenen Behörden, des Stadtrathes u. s. w. Vor dem Eingänge der Synagoge überreichte die Trägerin des Schlüssels letztern dem Oberrabbiner llcn, welcher ihn dem Vorstande der hiesigen israelitischen Kultusaemeinde, Herrn L e v y , übergab. Dieser üverreichte ihn mit der Bitte, das neue Gotteshaus zu einer Stätte der wahren Gotteserkenntniß und des Friedens zu gestalten, dem Stadtrabbiner Dr. Staripolskv, der mit einer kurzen Ansprache den Herrn Bezirkspräsidenten Halm als den Vertreter Sr. Majestät des Kaisers bat, die Eröffnung des Hauses, das unter dein Schutze Gottes und dem Beistände der Regierung entstanden, vorzunehmen. Beim Betreten der Synagoge stimmte der Eantvr Wolf mit dem Synagogenchor unter Orchesterbegleitung das Matobu-Gebet an, während sich der Zug dem Aron-Hatodesch zu bewegte. Dann nahm der Gottesdienst seinen Anfang. Rach dem Umzug mit den Gesetzesrollen und nachdem dieselben in dem heiligen Schrein untergebracht waren, bestieg Oberrabbiner Urh die Kanzel, in einer formvollendeten Ansprache besonders die Verdienste des men schenfreundlichen, hier allgemein beliebten Rabbiners Drepfust und des ietzigen Stadtrabbiners zu feiern. Rach dem Absingen des 24. Psalms sprach Dr. Staripolsky das Weihegebet und hielt die Weihepredigt. Der Gcdantengang derselben war ungefähr folgender: „In einer Zeit, in welcher gleichsam dem erstarrenden Lufthauche des Winters eine Eisrinde um das warme und fiiblende Menschenherz lag, in welcher Religionshast und Unduldsamkeit als gottgefällige Werke gefeiert, .Härte und Lieblosigkeit mit dem Gottesworte verquickt wurden, um gegen die Bekenner eines anderen Glaubens, einer andern Gottesidee den warmen Strom der Menschenliebe zu dämmen, ist das alte Gotteshaus entstanden. Es war die Winterzeit im menschlichen Denken, auf die ein Frühling folgen musste, zum Theile gefolgt ist. Vor uns liegt, tagte der Redner, der lachende Lenz: das Frühlingswehen im menschlichen Geiste hat nicht nur Grosses auf allen Gebieren der Wissenschaften iiud Kräfte geleistet, sondern auch Unermessliches für das lvarme fühlen des Menschthums gethan. Dank der Weisheit der frommen, edlen Fürsten Deutschlands, Dank des aufgeklärten, gebildeten Sinnes unserer lieben Mitbürger, sind die Schatten der Lieblosigkeit vom Lebenshorizonte geschwunden und die Schranken, die ein finsterer Fanatismus errichtet, gefallen und die verschiedenen Religionsformeu glänzen neben einander, gleich dein verschiedenfarbigen Regenbogen am Firmamente. Wie bei jedem Wechsel der Natur, beim denkenden Menschen die Frage nach Ursache und Wirkung laut lverden muss, ebenso svornt uns unser Frühlingsgang ^1111! Nachdenken an, welche Bestimmung ein Gotteshaus habe, und warum nicht die Natur, die eine reiche Fundgrube von Momenten besitzt, die den Menschen drängen utüssen, den Schöpfer m lobpreisen, nicht die richtige Andachtsstätte wäre." Diese Fragen suchte der Redner in klassischer Sprache und in philosophischer Ausführung durch folgende Sätze zu beantworten: „Gott ist unser Hirte und bietet uns in seinem Heiligthum die Pflege und Nahrung des Geistes. Gott ist unser Wächter und bietet uns in seinem Heiligthume den Schutz des Lebens und den Frieden des Herzens. Gott ist unser Vater und »vir sind seine Kinder, und Er will durch sein Heiligthum in uns die Liebe zu ihm und zu der gesammten Menschheit befestigen." Diese Rede, welche inhaltlich wie sprachlich als ein Meisterwerk zu bezeichnen ist, wird jedenfalls dem Druck übergeben werden, was wir mit Freuden begrüßen. Mit dem großen Marsch aus „Prometheus" von Beethoven schloß der Gottesdienst, dessen Feierlichkeit durch die Mitwirkung der Regimentskapelle unter persönlicher Leitung des Herrn Kapellmeisters Krietsch sehr gehoben ivurde. Abends sechs Uhr fand im Hotel Bloch ein Festessen siir die geladenen Ehrengäste statt, dem Tags darauf ein zweites im Central-Hotel folgte. Die neue Synagoge wurde zum großen Theile aus eigenen Mitteln der israelitischen Gemeinde gebaut. Der Staat spendete einen Beitrag von 16,000 Mk., die Stadt einen solchen von 6000 Mk. An der Ausführung sind mehrere Zaberner Firmen betheiligt. Es lieferten Gebrüder Kuhn die Decke, Zimmermeister Eitel die Bänke, Schlossermeister Hämmerlin das Gitter, Malermeister Hirschler die Malereien, Tapezierer Misbach die Dekorationen und die Einrichtung des Allerheiligsten. Ein Besuch der Synagoge wird Jedermann überzeugen, dass diese Firmen ihr Möglichstes gethan und mit ihren Leifttlngcn Ehre einlegen. An der übrigen Einrichtung find zumeist Straßburger Häuser betheiligt. Schliesslich ist noch des Eommunalbaumeisters Hrn. Hannig zu gedenken, der die Pläne zum Haus entwor fen, und dem die israelitische Gemeinde nicht nur ihr schmuckes Gotteshaus, sondern die Stadt Zabern auch ein neues, stilvolles öffentliches Gebäude verdankt. E n g l a n d. London. Die Verlustlisten der letzten Woche wcifen »nieder eine grosse Anzahl von jüdischen Soldaten auf, die so dem Moloch deS südafrikanischen Krieges zum Opfer fielen. Die Listen der jüdischen Soldaten, tvelche die englisch jüdischen Zeitungen veröffentlichen, steigen fortwährend und weisen schon mehrere Hundert Rainen auf. Aber auch auf der Seite der Buren kämpfen viele jüdische Soldaten und wenn die erwähnten Zeitungen auch hierüber nicht so genau unterrichtet sind, so haben sie doch in den letzten Wochen speziell Uber die jüdischen Aerzte und Krankenpfleger bei den Buren viel Interessantes gebracht. So ist der Direktor des Burenhospitals bei Ladnsmith ein Jude Dr. Albert T r e n und die „Jetvish Helping Hand Society" in Johannisburg Hai eine ganze Mannschaft von ca. 30 Riann zum Krankenträgerdienst ausgebidet und an die Front gesandt.