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Der Israelit · 1900-03-19 · Heft 23 (19.3.1900) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 23 (19.3.1900)
Date
1900-03-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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461 Schwierigkeiten in den Weg gelegt und die Erreichung des ersehnten Zieles wird ihnen oft unmöglich gemacht, nur aus dem Grunde, weil sie Juden sind. Und zu diesem stillen gesetzlichen Druck kommt noch jene unheilvolle stürmische Bewegung hinzu, die sich immer steigert und gar nicht zu Ende gehen will. Schamröthe bedeckt unser Angesicht und tiefer Schmerz beschleicht unsere Brust, wenn wir in den Tagesblättern lesen, wie oft unser Name geschändet und unsere Heiligthümer in den Staub gezerrt werden. Und wenn wir auf diese traurigen Zeichen der Zeit Hinblicken, so werden wir noch fiente die Klage gerechtfertigt finden: „Vertrocknet ist unser Gebein, geschwunden ist unsere Hoffnung, wir sind dahin!" — Und zum dritten Male lautet die Antwort nir uns: ütt: zzz vn -nnr „Ich lege meinen Geist in Euch und Ihr werdet leben." Die hohen Ideale des Geistes, für die unsere Väter gekämpft und gestritten, sie müssen uns noch heute heilig und theuer bleiben. In erster Reihe müssen wir uns als treue, gläubige Israeliten bewähren und unsere heilige Lehre beivahren. Sodann sollen wir an allen Bestrebungen der modernen Kultur und Wissenschaft freudigen Antheil nehmen und das Gute fördern, wo wir es finden. Der materielle Kampf, das Streben nach den zeitlichen, irdischen Gütern, darf nicht vollends unsere Zeit in Anspruch nehmen und unsere Kraft aufreiben; wir müssen das bleiben, was wir so lange in den vergangenen Jahrhunderten waren, ein Volk des Geistes, ein Volk, welches von einem höheren Gedanken getragen und von dem Bewußtsein seiner großen, moralischen Aufgabe erfüllt ist. Dann werden wir zur wahren Freiheit gelangen, zu einem neuen, gottinigen Leben erwachen und den Herrn preisen und loben, wie einst unsere Väter in ihrer Jugend, am Tage ihres Auszuges aus Egypten. Z-iturrgsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M. (Nach Jerusalem.) Man schreibt uns unter diesem Titel von geschätzter Seite: Das Interesse für das heilige Land unserer Vergangenheit und Zukunft hat in unseren Tagen eine Höhe erreicht, wie vielleicht nie zuvor. Mächtiger als je regt sich die Sehnsucht in tausenden jüdischen Herzen, die Trümmer unseres Gottesheiligthums in Zijon und Jerusalem zu sehen, die heiligen Stätten in Zefath, Liberia und in zahlreichen anderen Orten zu besuchen, sich an den Gräbern unserer Ahnen in Hebron niederzuwerfen, den geweihten Boden zu küssen und sich so die herrlichen Verheißungen zu sichern, die unsere Ueberlieferung demjenigen zuspricht, der das Glück hat, auch nur vier Ellen weit über das Land unserer Bestimmung zu schreiten. Es hat auch nie eine Zeit gegeben, in der dieses Ziel sich so leicht, billig, rasch und bequem erreichen ließ, als in unseren Tagen der Dampfschiffe und Eisenbahnen. In wenigen Tagen kann man heute per Eisenbahn das heilige Land erreichen, sich einige Tage dort aushalten, um wenigstens die hervorragendsten Oertlichkeiten dort aufzusuchen und dann wieder zurück in die Heimath reisen. Es ist bei alledem auffallend, daß von dieser leichten Gelegenheit, nach Palästina zu kommen, doch so verhältnißmäßig so wenig von uns Juden Gebrauch gemacht wird. In einer Zeit, in der Alles reist, sollte der Entschluß dazu doch nicht allzu schwer sein. Wie viele Leute verlassen heute Wochen lang Haus und Hof, nicht nur aus Gesundheitsrücksichten, sondern auch zur bloßen Zerstreuung und zum Vergnügen. Warum sollte man sein Vergnügen und seine Zerstreuung nicht auch in einer solchen Reise suchen und finden, wenn es sich doch nur um eine einzige Reise während des ganzen Lebens handelt? Von reichen Leuten, bei welchen der Kostenpunkt nicht mitspricht, sprechen wir nicht. Von einzelnen hervorragenden, die Regel bestätigenden Ausnahmen abgesehen, machen wir auch hier die alte Erfahrung auf's neue wieder, daß die Initiative zu allem Braven und Wackeren nicht von ihnen, sondern von unserem Mittelstände zu erwarten ist. — Bei den zu unserem Mittelstände Zählenden, scheint es auch nicht genügend bekannt zu sein, daß man heute die ganze Reise in's heilige Land für 200 Gulden (340 Mark) machen kann. Für diejenigen, welchen es schwer fällt, diese Summe auf einmal zu erlegen, finden wir in der jüngsten Nummer der jüdisch-wissenschaftlichen Halbmonatsschrift Tal Talpiot,*) eine beachtenswerte Anregung, die wir auch den Lesern des „Israelit" mittheilen wollen. Die Anregung, welche von Herrn H i r s ch f e l d ausgeht, der selbst mehrere Jahre in Jerusalem gewohnt hat, weist darauf hin, daß in unserer Zeit der Vereine, Ringe und Verbindungen aller Art, die durch Vereinigung Gleichgesinnter leicht zu Wege bringt, was der Einzelne niemals erreicht hätte, daß in einer solchen Zeit es nahe liege, auch die Reise in's heilige Land auf diese Weise zu ermöglichen. Wem es schwer fällt, zweihundert Gulden (340 Mark) auf einmal hinzulegen, ist jedoch leichter in der Lage, 20 Gulden (34 Mark) jährlich für diesen Zweck zu bestimmen. Wenn sich nun zehn Gleichgesinnte zu diesem Zwecke verbinden, von welchen jeder jährlich auf die Dauer von zehn Jahren 20 Gulden (34 Mark) zahlt, so sind die so Vereinigten alljährlich im Besitze der Mittel, die für eine Palästinareise erforderlich ist. Dieselben entscheiden alljährlich durch Loos, wer von ihnen in dem lausenden Jahre die Reise unternehmen kann. Dieser hat dann die erforderlichen schriftlichen Garantien zu gewähren, daß er auch für die noch *) Wir machen bei dieker Geleaenheit auf diese schon im 9. Jabraange in hebräischer Sprache erscheinende, treffliche -Zeitschrift unsere Leser besonders aufmerksam. Dieselbe erscheint in Waitzen <Ungarn> und wird von den dortigen Rabbinern Herrn Silberstein und Herrn David Katzburg redigirt.

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