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Der Israelit · 1900-03-15 · Heft 22 (15.3.1900) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 22 (15.3.1900)
Date
1900-03-15
Page
– (sequence 18)
Language
German
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443 Zeltrrrrgsnachrichierr und Korrespondenzen. Deutschland. Metz, 9. März. (O b e r r a b b i n a t Me tz.) Die Neubesetzung des durch Berufung des Qberrabbiners Ury nach Straßburg dahier erledigten Amtes ist nach Vorschrift und Herkommen derart in die Wege geleitet, daß dem zum Vorschlag berechtigten israelitischen Konsistorium zwischen den sich meldenden Bewerbern die Wahl anheimgestellt ist. Solche Bewerber find es zur Zeit fünf, welche der Reihe nach persönlich und als Prediger sich in der Synagoge der versammelten Gemeinde vorzustellen haben, jeden Freitag Abend in deutscher, beim Vormittagsgottesdienste am Samstag in französischer Sprache. Die Reihe der Bewerber eröffnet nächsten Freitag-Samstag Rabbiner Koch aus Weißenburg im Unterelsaß. O e st e r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. Wien, im März. (Das Circular eines Irrsinnigen.) Unter der Spitzmarke: „Ein Jude über den Mord in Polna" bringt das „Deutsche Volksblatt" ein sensationelles „Circular an die Juden in Deutschland." Dasselbe rührt, wie das Blatt mittheilt, von einem gewissen Leopold Landau in Pforzheim, datirt vom 18. Februar 1900 her, und gipfelt in der Behauptung, „daß die Mordthat in Polna den Schächtschnitt und die Blutleere aufweist, ebenso war der Kops der Leiche nach altjüdischem Gebrauch verhüllt." Landau behauptet ferner, daß es Secten gäbe, welche der „Kabbala", d. i. Mythologie, Engel- und Götterlehre huldigen, und wenn es Secten gibt, welche derselben huldigen, so haben wir mit denselben Nichts gemein und wenn eine jüdische Verbrecherbande existirt, welche sich der Kabbalisten und ihrer abergläubischen Wunderthätigkeit bedient, so ist es selbstverständlich, daß wir eine solche Bande nicht vertheidigen, sondern aufts Schärfste bekämpfen." Zum Schlüsse dankt die Redaction des „Deutschen Aoltsblatt" Herrn Landau „für seine Aufklärung, die uns vollständig befriedigt, da sie die erste Enunciation eines Juden ist, welche bestätigt, was wir wissen wollten." Nun liegt ein Telegramm des Synagogenrathes Pforzheim, datirt vom 3. März vor, das folgendermaßen lautet: „Meldung des Synagogenrathes Pforzheim: Leopold Landau befindet sich seit 2. Januar in der Irrenanstalt Jllenau." Man bedenke: Ein Mann, der seit dem 2. Januar in einer Irrenanstalt internirt ist, vermag unterm 18. Februar ein Circular „an die Juden Deutschlands" zu richten, in dem er — nicht etwa um seine Befreiung bittet, sondern nachweist, „daß die in den letzten zehn Jahren in Fragen kommenden Blutmorde von jüdischer Seite nicht so ohne Weiteres von der Hand gewiesen lverden können." Commentar überflüssig. Sollte die Redaction des „Deutschen Volksblatt" die Richtigkeit des Telegramms anzweifeln, so steht solches zu ihrer Verfügung. (Anmerkung der Red. Wenn es noch eines Beiveises für uns bedurft hätte, wie wenig eine jüdische Centralbehörde ihren Glaubensgenossen zu nützen im Stande ist, so wäre er hier gegeben. Seit einer Reihe von Jahren überschwemmt diefer Landau jüdische und antisemitische Blätter mit seinen Drucksachen. Der „Israelit" hat schon vor fünf Jahren auf diesen Um stand aufmerksam gemacht, aber dein badischen Qberrath ist es nicht eingefallen, hier hindernd einzuschreiten.) Aus Ungar», 7. März. Am 10. August v. I. hat der Großwardeiner Oberrabbiner an die Redaction des „Jüd. Tageblatt" aus Marienbad folgendes Schreiben gerichtet: „Jndignirt darüber, daß mich der Re dacteur der „AUgem. jüd. Zeitung" im Zusammenhänge mit seinen nnqualifizirbaren, von jedem anstän digen Jehudi verurtheilten persönlichen Angriffen auf den von mir hochgeschätzten Präses der Durchführungskommission, Herrn Oberrabbiner Libschitz, in empörender Weise zu erwähnen beliebt, erkläre ich hiermit, daß seine diesbezüglichen Angaben theils entschieden verdreht, theils entschieden erlogen sind. Meine Person liche und Standesehre verbietet es mir, mich in eine weitere Polemik einzulassen." Der Preßburger Oberrabbiner hat einige Tage später aus Ischl unter anderem Folgendes geschrieben: „Der Zeitungsherausgeber Großberg war vor etwa zivei Wochen bei mir, damit ich veranlasse, dass man die Herausgabe des „Jüd. Tagebl." noch verschiebe. Ich sagte ihm entrüstet, daß ich mit ihm nicht sprechen will und auch nicht hören, was er schreibt. Er sagte aber: „um mich zu retten, werde ich gezwungen sein, noch mehr aufzutreten," worauf ich ihm erwiederte, daß er auch bisher schon genug angerichtet habe. Ich wußte es ja im Voraus, daß er seine Frechheit und Unverschämtheit noch steigern werde; aber wer Herz und Vernunft hat und versteht, warum er dies thut, und warum er das Heilige tadelt, der wird seine Worte ganz und gar nicht beachten." Wegen dieser Kundgebung hat der Redacteur der „Allg. Jüd. Ztg." gegen die genannten Oberrabbinen, die als Zierden des gesetzestreuen Judenthums in der ganzen Diaspora verehrt werden, die Preßklage eingereicht. Er gab sich nicht damit zufrieden, daß man Jahre hindurch seine vublizistischen Anwürfe ignorirte, obwohl er genug Gelegenheit geboten, vom Strafgerichte gezüchtigt zu werden. Es war ihm darum zu thun, seine ehemaligen Lehrer einzuschüchtern, damit er seine Preßcampagne ungehindert sortsetzen kann. Er sah das Schreckliche seines Vorhabens, er wußte, daß alle Anständigen in ihm jedenfalls den Verurtheilten erblicken werden und um eine Täuschung mehr zu verüben, erklärte er noch am 8. Januar, daß es eine Lüge

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