Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 22 (15.3.1900)
- Date
- 1900-03-15
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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WWWWWWMW 449 fei, von ihm zu sagen, daß er ehrwürdige Rabbiner verklagt habe. Indessen kvurden schon einige Tage später beide Oberrabbiner von den Gerichten ihres Wohnortes verhört und der Plan auf Einschüchterung ist kläglich mißlungen. Beide ehrlvürdigen Nabbonim bekannten sich zum Inhalte der von ihnen verfaßten Kundgebungen, bestätigten vor Gericht die Richtigkeit derselben und erklärten, die Publizirung dieser Schriftstücke aus purer Pflichttreue veranlaßt zu haben. Das Gegentheil wäre ein unverzeihliches Pflichtversäumniß gewesen, weil die vaterländische gesetzestreue Judenheit von ihren leitenden Männern erfahren muß, daß die Schürung persönlicher Gehässigkeiten, Preßfeldzüge ctc. gegen berufene und anerkannte Führer nichts anderes als Attentate auf die Sache der Gesetzestreuen bedeuten. Möge es bald besser werden! .‘tPTp -7! bvww* IST* xch Frankreich. Paris, 8. März. Die Republik hat einen ihrer besten und treuesten Söhne verloren. Ernest H e n d l e, der Präsect des unteren Seine-Kreises, ist im 60. Lebensjahre nach schweren Leiden gestorben. Seit 1870 im Amte, hat er es verstanden, in klerikalen wie in nationalistischen Kreisen trotz seiner aufrichtig republikanischen Gesinnung sich warme Sympathien zu eriverben. Hendle >var aber auch ein guter Jude, der an allen Angelegenheiten des Judenthums lebhaften Antheil nahm. Sein Schwiegersohn ist der bekannte frühere Präfect und jetzige Generalschatzmeister Leon Kohn, ein Sohn des unvergeßlichen Dr. Albert Kohn. Mit Hendle ist der letzte jüdische Präfect in Frankreich gestorben. Das Leichenbegängnis; legte vollgiltiges Zengniß ab für das große Ansehen, dessen sich der Heimgegangene in weiten Kreisen zu erfreuen hatte. Die Stadt Rouen hat mit dem ganzen Departement der Unterseine seinem früheren Präfecten eine würdige Trauerfeier gewidmet. Zadoc Kahn hat die Leichenfeier abgehalten durch Vortrag der rituellen Gebete und eine ergreifende Rede, in der er den Verstorbenen kurz aber eindrucksvoll gefeiert hat. Dann wurde die Leiche nach dem Bahnhofe zur Ueberführung nach Paris geführt. Die Feier hat auf der Präfectur stattgefunden. Dort sprachen noch der Senator Waddington, die Abgeordneten Brindean, Veverini, der Präsident des Generalraths, der Maire von Rouen und Andere. Zadoc Kahn hielt bei der Beerdigung abermals eine Rede, dann sprach der frühere Generalresident Laroche von Madagaskar im Namen der Freunde des Verblichenen. Die Beteiligung war eine außerordentliche. Bei Eröffnung der hinterlastenen Papiere Hendle's fand sich nur ein kurzer Brief vor, mit einer Summe von 200 Frcs. Der äußerst charakteristische Brief lautet: „Ich bitte meine Kinder um Verzeihung, wenn ich ihnen kein Vermögen hinterlassen kann. Ich habe immer geglaubt, verpflichtet zu sein, das Geld, welches mir der Staat für meine Dienste zahlt, im Interesse der Republik wieder zu verausgaben." So hat ein Mitglied jenes Stammes gedacht und gehandelt, dem man immer besondere Geldgier vorwirft. Rußland. Petersburg. Einem Befehle vom 21. Juli 1898 zufolge haben die Juden, die die Gouvernements von Curland und Livonien vor 1880 bewohnt haben, das Aufenthaltsrecht in diesen Gegenden, obgleich das Gesetz diese Länder zu den den Juden untersagten rechnet. Trotz dieses präcisen Erlasses ist die Verwaltung von Riga zu zahlreichen Austreibungen von Kaufleuten und jüdischen Handwerkern, die vor 1880 in dieser Stadt wohnten, geschritten. Der Senat hat jüngst einige dieser Erlasse cassirt und mehrere Ausgewiesene in ihrem Recht retablieri. Petersburg. Während die Regierung den Bauern in Bessarabien alle mögliche Hilfe angedeihen läßt, um sie vor den schlimmsten Folgen der Mißernte zu belvahren, kümmert sie sich um die jüdischen Kolonisten, fast 300 Familien, nicht im geringsten. Sogar der Gouverneur von Bessarabien empfindet die Härte dieser Politik und hat sich bei der Regierung für die jüdischen Bauern verwendet, ihnen zugleich aus der Fleischsteuer zunächst 4000 Rubel bewilligt. -- Die jüdischen Kolonisten in Krasno-Sch., Gouvernement Rschernigoff, sind durch Ba-ron Günzburg und Herrn Posener aus einer großen Gefahr errettet worden. Der Besitzer des Landes, auf dem die Kolonie sich befindet, wollte den jetzt ablaufenden Pachtvertrag nicku wieder erneuern, aber auf Andringen der beiden Herren ließ er sich bewegen, das Land zu verkaufen. Eine noch von der Baronin Hirsch gesandte Summe Geldes war noch zur Verfügung und konnte hierfür verwendet werden. So ist der Bestand der schon 60 Jabre alten Kolonie wieder gesichert worden. P a l ä st i n a. Jerusalem. Der Vorstand der Talmud-Thorafchule und Jeschibath-Etz-Haim in Jerusalem theilt uns mit, daß sich ein Mann Namens Jizchak Chalfon aus Safed herumtreibt, der sich als Enkel des Herrn Oberrabbiners Salant ausgibt, und Angaben macht, daß er zum Sendboten für diese Talmudhochschule ernannt worden sei. Alle diese Angaben sind falch, ebenso ist das Siegel des Herrn Oberrabbiners Salant, das er mit sich führt, gefälscht. Es wird darum gebeten, demselben das Siegel abzunehmen, wie auch das Buch und die Zeugnisse, welche er vorzeigt. Genannte Talmud-Thoraschule, die schon seit 50 Jahren besteht, zählt 600 Schüler und 45 Lehrer. Ihre Leistungen sind allgemein anerkannt, aber ihre finanzielle Lage ist eine sehr schwierige, weßhalb wir nicht verfehlen, alle Freunde des Thorastudiums auf sie aufnierksam zu machen mit dem Ersuchen, dieselbe recht thatkräftig unterstützen zu wollen.