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Der Israelit · 1900-03-15 · Heft 22 (15.3.1900) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 22 (15.3.1900)
Date
1900-03-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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441 Zeiittngsrrachrichlctr und Correspondenzen. Deutschland. Leipzig, 13. März. Die Bestattung des Rabbi Schimon H u r w i tz b'Lt, am 8. ds. M., gestaltete sich zu einer allgemeinen und erschütternden Trauerkundgebung, zu einer wahren und aufrichtigen b:r> -ivvv -ixe ~2r\ Am Eingänge der Leichenhalle des Friedhofes sprach an der Bahre Herr Rabbiner Dr. P o r g e s und gab den Gefühlen der Trauer und des Schmerzes um den Verlust dieses großen Gelehrten, des cr>n ~szbn, der eine Zierde der hiesigen Gemeinde, ja des gesammten Iudenthums gewesen, einen ergreifenden Ausdruck. Bescheiden wie trn nsra und friedlich wie pn pnx habe er sein Leben dem Thorastudium geweiht. Die tiefe Gelehrsamkeit auf talmudischem und litterarischem Geriete habe dem Entschlafenen einen weit über Deutschlands Grenzen hinaus reichenden Ruf verschafft. Auf seine Entscheidungen schwieriger Fälle habe man mit Achtung gelauscht, weil man wohl wußte, daß ein gründlicher Kenner der nsbrt und rrex sie abgegeben. Redner selbst habe mit aufrichtiger Verehrung zu ihm binaufgeschaut und sein umfassendes Wissen oft zu beivundern Gelegenheit gehabt. Mit der Herausgabe der xnach einer alten Handschrift und der Reuedierung des “w‘“ Titre (durch den Verein ^-pe) habe er sich für alle Zeiten ein schönes Denkmal selber errichtet. Wohl habe der Tod diesen kraftvollen Baum gefällt, ihn seiner Zweige und Früchte beraubt, den Stamm mit seinen Wurzeln hat er jedoch unberührt im Boden zurückgelaffen. (S. Daniel C. 4. 11, 12.). Das gewahre Trost und Erhebung den Tiefgebeugten und Trauernden. Dem Heimgegangenen rief der Redner nach.- v'r. nrr,z *e Nach der Recitation von pti p-tx wurde der prx oon den Mitgliedern der xtrnp t-zzur Gruft getragen und eingesenkt. Hier hielt einen weiteren test Herr Rabbinats- Affeffor Dr. Nobel aus .Halberstadt. Mit dem klagenden Aufruf "rx pyesp nannte er, im Anschluß an die Worte des Ortsrabbiners Herrn Dr. Porgers, der den Verstorbenen mit dem tPTp“ prx verglich, ihn das sr^e selbst, deffen Teppiche mit Schleifen zu einer Einheit verbunden waren. Des Verstorbenen Streben war stets darauf gerichtet gewesen, Gotteslehre mit wissenschaftlichem Geiste zu vereinigen. Davon könnten die vielen Jünger, die aus dem Borne seiner Weisheit und Gelehrsamkeit geschöpft und sich erquickt haben, Kunde geben. Rabbi Schimon war ein b und hat dem Hohenprister gleich B'e'ijr d*tx auf seinem Herzen getragen. Licht und Wahrheit zu verbreiten war die hohe Aufgabe, welcher sich der Verstorbene sein ganzes Leben lang geividmet hat. Er hat Wiffenschätze angehäuft, die überall, wo jüdische Gelehrsamkeit noch in rechter Weise gewürdigt wird, mit hoher Achtung und Verehrung anerkannt wurden. Von seinen persönlichen Eigenschaften und Tugenden ist besonders sein warmes Mitgefühl mit Armen und Bedrückten, die sich stets an ihn wandten, zu nennen. Konnte er auch nicht mit materiellen Gütern helfen, so stand er doch diesen mit Trost und Rath jeder Zeit bei. Der Gemeinde Leipzig gebührt das Verdienst, dem großen Gelehrten schwere Nahrungssorgen erspart zu haben. Geradezu erschütternd waren die tiefempfundenen Abschiedsworte des Redners. Ein Wimmern, Schluchzen und Wehklagen konnte man unter der großen Schaar der Leidtragenden wahrnehmen. Bald füllte sich die Gruft mit den Erdspenden derselben. Man schied von dannen mit dem traurigen Bewußtsein, daß, wie Rabbiner Nobel in seiner Rede auch sagte, ein iv m cvn Pe; .rrexv; München, 12. März. Der Gassen-Antisemitismus Wenng's und Genossen hat wieder einmal Gelegenheit gehabt, in einer Galavorstellung, mit deren Verlauf Wenng sehr zufrieden ist, zu brilliren. Der Triumpf ist ja auch billig genug, denn an Achtung und Ansehen, welche dieser Tugendheld bei allen anständigen und gesitteten Leuten genießt, hat er schon längst nichts mehr zu verlieren; selbst dann nicht, wenn er nebst seinen Gesellen in unglaublichen Rohheitsausbrüchen und in ödester Sittenverwilderung sich selbst übertrifft, wie dies in folgendem Falle geschehen. Wie in Ihrem geschätzten Blatte schon kurz gemeldet wurde. hatte die deutsche Volkspartei auf den 6. c., Abends 8 Uhr, nach dem Kreuzbräu eine Volksversammlung einberufen. Bereits geraume Zeit vor Beginn der Versammlung war der Saal so besetzt, daß fast kein Platz mehr zu bekommen war. Kurz nach 8 Uhr eröffnete Herr Professor Dr. Quidde die Versammlung und stellte den Referenten des Abends, Herrn Geuwinderath Lucian Brunner aus Wien vor, der über das Thema „Die Lage der Deutschen in Oesterreich" sprechen sollte. Kaum hatte Herr Dr. Quidde das Podium betreten, als ein wüthendes Gejohle und Gepfeife anging, unterbrochen von den Rufen: „Bureauwahl!" „Raus mit den Juden!" „Hoch Lueger!" Hoch Leo XIII." Vergeblich bat Herr Dr. Quidde, den Referenten reden zu lassen und unter Garantie voller Redefreiheit ihm dann zu entgegnen. Der Lärm der Menge übertönte jedes gesprochene Wort und der überwachende Beamte. Polizei - Bezirkscommissär Pfretzschner, mutzte die Versammlung schließen lassen. Der Referent, der vor dem Rednerpulte stand, wurde mit Bierfilzen, Eiern und Brod beworfen. Als einige Herren der deutschen Volkspartei ihn in Schutz zu nehmen suchten, kam es von Seiten des gegen das Podium anstürmenden Gesindels zu Thätlichkeiten, wobei auch mit Maßkrllgen zugeschlagen wurde. Von drohenden Gestalten umringt, mußte der Referent eilig den Saal verlassen. Einige Herren, die mit ihm vorher zusammen saßen, wurden von dem schamlosen Pöbel aus dem Saale befördert. Der Antisemit Wenng, der mit seinem Troß gekommen war und von den Angehörigen

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