Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 22 (15.3.1900)
- Date
- 1900-03-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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434 Lehrlingen gebe, daß aber die Gemeinde selbst keinerlei Geschäft mit Fleischwaaren betreibe und es noch nicht so weit gebracht habe, in's Firmenregister eingetragen zu werden. Der Schochet, den sie besolde, sei weder Geselle, noch Gehilfe, sondern ein Gemeindebeamter, der noch nebenbei einige andere Obliegenheiten in der Gemeinde habe und dafür insgesammt ein Gehalt bezieht, das mit dem der Fleischergesellen in gar keinem Verhältniß steht. Es half nichts, der Schochet mußte gegen Unfälle versichert werden, und da der Vorstand weder Zeit noch Lust hatte, die Sache weiter zu verfolgen, fügte er sich in die Forderung, füllte das Formular aus und — bezahlte. Jetzt ist die neue Einrichtung schon glücklich in ihr zweites Jahr eingetreten und wir wären eigentlich neugierig. ob wir allein uns der gütigen Fürsorge der Fleischerei-Berufsgenossenschaft erfreuen, weil wir das Glück haben, am Sitze des Vorstandes zu wohnen und deßhalb seiner besonderen Aufmerksamkeit theilhaft zu werden, oder ob auch andere Gemeinden unserem Beispiele folgen mußten. Auch dürfte es fraglich sein, ob die Schochtim wirklich diesem Versicherungszwange unterliegen, und wenn die Frage nicht unbedingt zu bejahen ist, dann wäre es wohl Sache der größten Gemeinde Deutschlands, ich meine der Gemeinde in Berlin, die Frage gerichtlich zum Austrag zu bringen. Dr. C a r l e b a ch , Rabbiner. Posen. Dem Bericht über die am II. Februar 1900 zu Posen stattgehabte dritte ordentliche Generalversammlung des „Verband der Synagogengemeinden des Regierungsbezirks Posen" pro 1899 entnehmen wir: Dem Verbände sind seit der letzten Generalversammlung neun Gemeinden beigetreten, zwei Gemeinden sind in Folge unterbliebener Beitragszahlung ausgeschieden. Es gehören zur Zeit dem Verbände sechsundzwanzig Gemeinden an. Die von Herrn Gemeinderabbiner Dr. W. Feilcbenfeld hier eingerichtete und unter seiner Leitung erfolgende Ausbildung von Kultusbeamten wurde auch im Berichtsjahre seitens des Verbandes etatgemäß mit 750 Mark subventionirt. Die Kandidaten, welche die Reichsangehöriakeit besitzen müffen. erhalten zumeist Stivendien und Freitische bei hiesigen Gemeindemitgliedern und unentgeltlichen Unterricht. Es sind bereits fünf Gemeinden unserer Provinz mit hier ausgebildeten Kultusbeamten versehen worden, welche ihre Obliegenheiten in zufriedenstellender Weise erfüllen. Zum Herbst werden wiederum zwei Kandidaten ihre Ausbildung beendet haben, für welche schon Stellen in Aussicht sind. Zur Zeit werden drei Kandidaten ausgebildet. Hierbei kann ich nicht unterlassen, dem Herrn Gemeinde-Rabbiner für die erhebliche Mühewaltung bei Ausbildung der Kandidaten den Dank des Verbandes auszusprechen. Mit diesem Werke wird einem dringenden Bedürfnisse in so zweckmäßiger Weise entsprochen, daß es rege Unterstützung verdient. Auf Antrag des Herrn Gemeinde-Rabbiners sind hierfür in den Etat pro 1900 wiederum 750 Mark eingestellt worden. Bezüglich des Religionsunterrichtes ist zu erwähnen, daß Herr Rabbiner Dr. Silberberg in Graetz in sehr dankenswerther Weise dem Religionsunterricht in Wielichowo, welcher vom Verbände subventionirt wird, auch im Berichtsjahre seine Aufmerksamkeit zugewendet und über denselben recht befriedigend berichtet hat. Es wird Aufgabe des Verbandes bleiben, die Förderung des Religionsunterrichts in unseren Verbands- Gemeinden sowie die Inspektion desselben sich angelegen sein zu lassen. Auf Veranlassung des Verbandes ist seitens der hiesigen Amicitia-Loge 13 Rr. 358 U. O. B. B. und unter Subvention der hiesigen Synagogen-Gemeinde ein Arbeitsnachweis für jüdische Personen eingerichtet worden, dessen Wirksamkeit zu guten Hoffnungen berechtigt. Ferner ist auf Anregung des Verbandes seitens der hiesigen zuständigen Vereine und Stiftungen im Bureau der Synagogen-Gemeinde eine gemeinschaftliche Auszahlungsstelle für Unterstützungen an durchreisende Arme eingerichtet und am 1. Dezember v. I. in Betrieb gesetzt worden. Glciwitz. Dem Jahresberichte des „Frauen-Aer eins der Synagogengemeinde Gleiwitz" für das Jahr 1899 entnehmen wir: Der Verein zählt 350 Mitglieder und hatte eine Ausgabe von Mk. 4791, denen nur regelmäßige Beiträge in der Höhe von Mk. 1878 gegenüberstehen. Das Deficit kann durch außerordentliche Gaben der Mitglieder gedeckt werden. Hanau, 12. März. Von Seiten der Gemeindeältesten werden wir ersucht, nochmals daraus hinzuweisen, daß Rabbiner F e l s e n st e i n unserer Richtung angehörte und daß im ganzen Bezirke seines Rabbinats die religiösen Einrichtungen sich in b e st e r Ordnung befanden und daß er durch sein kluges Auftreten den Frieden in den Gemeinden stets zu erhalten wußte. Taargemünd. In Elsaß-Lothringen wird eine Schule für Vorsänger gegründet. Die drei Consistorien haben Cirkulare an sämmtliche Gemeinden Elsaß- Lothringens gesandt und die Mitglieder um jährliche, freiwillige Beiträge aufgefordert. Die Sache ist gesichert. — Auf den 18. d. ist ein Concours ausgeschrieben für Lothringer, die Stipendium erhalten und vorerst nach Deutschland in eine Vorschule geschickt werden sollen — ich glaube nach Burgpreppach. Asfaltrach. Ein großes „Kiddusch haschem" war die am 16. Januar d. I. erfolgte Trauung der einzigen Tochter des Staatsschatzmeisters Leopold L e v i von Indiana. Der Trauung im Tempel zu Indianapolis wohnten der Gouverneur des Staates und die höchsten Beamten bei.