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Der Israelit · 1900-03-15 · Heft 22 (15.3.1900) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 22 (15.3.1900)
Date
1900-03-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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„veralteten" Gesetze fern bleibe. Wie mögen sie verächtlich und grimmig den ernsten Mahnungen eines Mordechai entgegen getreten sein, der sich nach der Ueberlieferung am Eingang des königlichen Palais postirt hatte, um seine Brüder vor dem Genuß der verbotenen Speisen p warnen! Die gebildeten, aufgeklärten Trefah-Effer waren die Majorität, und Mordechai war trotz seiner siebenzig Sprachen, die er beherrschte, trotz seiner wahren Bildung des Geistes und Herzens, der starrköpfige Orthodoxe, der sich angeblich nicht aus seine Zeit verstand. Die Treulosen mögen auch damals sich selbstbewußt auf die Brust geklopft haben, aus der die Treue gegen Gott gewichen und die dafür mit persisch-medischen Orden und Ehrenzeichen dekorirt war, und sich und der ganzen Welt erklärt haben: n 122' 'bb> svvb, daß ihr Treubruch eigentlich die vollendetste Verherrlichung des Judenthums bedeute, daß ihre Hoffähigkeit Gott und dem Judenthum zur Ehre gereiche und daß die querköpfige Halsstarrigkeit eines Mordochai die ganze Judenheit in Gefahr bringe. Und in Wahrheit war doch das Gegentheil der Fall. So lange man die Juden wegen ihrer Religion verachtete, verspottete und selbst verfolgte, war die Religion der Schild und Panzer, der ihre treuen Träger schützte. Aber ein Jude, der keiner ist, weil er sein heiligstes Erbgut preisgegeben, hat damit eben diesen Schild verloren, und wird daher unmittelbar von allen Angriffen direkt betroffen. Deßhalb sind so viele gegen die Ausgeburten des Rischus viel empfindlicher geworden, trotz aller Bildung und Gesittung. Juden dieses Schlages sind nicht aus dem Holze geschnitzt, aus dem man Märtyrer macht. Leute, die für ein königliches Hofbankett die heiligsten Satzungen des Judenthums preisgeben, taugen nichts für eine Verfolgung ihrer Religion, denn an ihnen bleibt nichts zu verfolgen, als sie selber. Haman kannte seine Juden und behandelte sie danach. Das dürfte auch der tiefere Sinn des Dialogs zwischen Rabbi Schimon ben Jochai und seinen Schülern sein, den uns der Talmud (Magilla Fol. 13) aufbewahrt hat. Wenn dort der Genuß der verbotenen Speisen an der Königstafel als der Grund der Vernichtung aller Juden in Schuschan angegeben wird, so wird dagegen die Schwierigkeit geltend gemacht, daß, so schwer die Verletzung der Speisegesetze auch beurtheilt werden möge, dieselbe aber trotzdem nirgends mit dem Tode bestraft wird. Vielleicht handelt es sich jedoch bei der Frage: ’jdö N'^2 -inn Tran bnip' bv jiricnp wnn: nv warum die Israeliten jener Zeit dem Untergang bestimmt waren, ganz um dieselbe Frage, die uns hier beschäftigt, und will sagen: warum wurde die damalige Generation nicht wie sonst so oft zunächst mit einer Relegionsverfolgung, sondern sofort mit der völligen Vernichtung bedroht? Utib die Antwort, weil sie an der königlichen Tafel die Speisegesetze verletzt haben, wäre dieselbe Constatirung der Thatsache, daß sie durch Verletzung der Speisegesetze gezeigt haben, ihre Religion könne man nicht verfolgen, und deßhalb wären sie selber als einziger Gegenstand der Verfolgung geblieben! Die Nutzanwendung dieser Abstraktionen aus der Purimrolle für unsere Zeit und ihre eigenartigen Verhältnisse zu ziehen, bleibe dem denkenden Leser überlassen. Wer den Gedanken weiter fortspinnt, wird überall auf so ungemein zahlreiche Berührungspunkte zwischen jener Zeit und unseren Tagen stoßen, daß er vielleicht den Wein neu und nur die Flaschen alt finden wird. Aber die Etiquette ist ja bereits von vornhinein preisgegeben worden. Nur das Eine soll konstatirt werden: „Die Armseligkeit, welche sich öffentlich mit ihrem Trefah-Essen spreizt und damit ihre Bildung constatiren und den Beifall der nichtjüdischen Welt ergattern will, ist nicht neu. Das war schon zu Mordechai's und Esthers Zeiten so. Aber es hat auch nie an Haman's gefehlt, welche mit ihrem Judenhaß die Verirrten wieder zu ihrer Pflicht zurückführten. Möge es dieser strengen Zuchtmittel nicht mehr bedürfen, indem alle aus der Geschichte Mordechai's, Esther's und Haman's lernen, daß die Treue des Einen doch füglich die verdiente Anerkennung findet und daß die Schlechtigkeit des Andern mit dem Galgen endet! Aettrrng»uachrtchterr und kLorrejponveirze«. Deutschland. Mainz, 13. März. Heute sind uns Blätter des „Israelit", die wir im October und im Dezember vorigen Jahres an einen unserer Abonnenten nach Bryheid, der neuen Republik Zululand in Südafrika, gesandt hatten, mit der Bemerkung zurückgesandt worden, daß sie nach Kriegsrecht geöffnet und durch den englischen Censor von der Weiterbeförderung an den Adressaten ausgeschlossen wurden. Wir haben die Blätter daraufhin einer Durchsicht unterzogen, konnten aber in dem Inhalte derselben mit dem besten Willen nichts entdecken, was dem britischen Reiche hätte gefährlich werden können. Lübeck, 12. März. Die neue Gesetzgebung treibt gar wunderliche Blüthen. Kommt da im vorigen Jahre an die Gemeinde von der Fleischerei-Berufsgenossenschaft, Sitz des Vorstandes in Lübeck, ein Schreibebrief mit gar vielen gedruckten Beilagen und der Aufforderung, ihre „in ihrem Geschäfte" thätigen Arbeiter gegen Unfälle im Hause und auf dem Schlachthause zu versichern. Auch solle in dem Formular die „Firma des Geschäftes," Zahl und Namen der Gesellen und Lehrlinge und dgl. angegeben werden. Der Vorstand entgegnete zunächst, daß es in der Gemeinde zwar jüdische Fleischhändler mit Gesellen und

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