Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 21 (12.3.1900)
- Date
- 1900-03-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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415 seine jüdischen Ideale nicht peeisgibk nur das Linsengericht freinder Anerlennung und seine Heiligthiimcr nicht um irdische Bortheile mattherzig verläugnet! n'nri sr Möchte doch and) der Humanismus unterer Tage, der die Giftwaffen des Agagisten und dessen Lügendialeltil geerbt hat und unter der Maske vaterländischer Gesinnung "pc.“ “T:- n:£J’ P* skin schmutziges Gewerbe treibt, eine solche Wandlung in unseren Reihen belvirken, damit auch loir aus dem Kummer zur Freude, aus der Trauer zum Festtag gelangen und die Erfüllung des Wortes erleben x1? *3 3n:n idb> n:y2 tbj? n« ^' „Der Ewige verläßt nicht sein Volk wegen seines großen Namens!" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 4. März. (Repräsentantens i tz u n g.) Aus der heutigen Sitzung, welche überaus reichhaltig war, will ich nur das Wesentliche mittheilen, da ein ausführlicher Bericht die Spalten des „Israelit" überschreiten müßte. Zunächst lag die Petition der Jüdischen Lesehalle um Gewährung einer Subvention vor, welche nach längerer Debatte im Betrage von 300 Mk dem Vorstand zur Berücksichtigung überwiesen wird. Die Schenkung der Weißbach'schen Erben im Betrage von 5000 Mk. wird angenommen, gegen die Einrichtung eines Centralbüreaus für die Verwaltungs-Commisiion wird kein Widerspruch erhoben, es erfolgt die Abrechnung über die im Jahre 1899 ausgeführten Gemeindebauten, für den Neubau einer Mädchenschule wird eine gemischte Commission eingesetzt. Wo der Vau aufgeführt werden soll, ist zweifelhaft. Man hat sogar in Erwägung gezogen, dem Veth Hamidrasch, das seit 150 Jahren sich in der Heidereitergasse Nr. 4 befindet, zu kündigen, man müßte jedoch dann den 221(.fachen Miethsbetrag diesem Institut auszahlen. Aus Pietätsgründen wünscht man das zu vermeiden. Eine zwecklose Debatte entsteht bei der noch einmal angeschnittenen Frage des Sonntagsgottesdienstes, aus welcher wir deutlich entnahmen, daß der Gemeindevorstand sich seiner Verantwortlichkeit in dieser Angelegenheit vollkommen bewußt ist. Er fürchtet eine Spaltung in der Gemeinde, die dann auch sicher eintreten wird. In der geheimen Sitzung wurde Herr Dr. F r o m e r zum Bibliothekar der Gemeindebibliothek gewählt. E. R. Berlin, 7. März. Der jetzt erschienene Jahresbericht des „Jüdischen Mädchenstifts" bietet einen befriedigenden Rückblick über das erste Jahrzehnt dieser der hauswirthschaftlichen Ausbildung unbemittelter jüdischer Mädchen und ihrer Vorbereitung für den Dienstbotenberuf dienenden Anstalt. Das schwierige Werk hat einen gedeihlichen Fortgang genommen und gegen anfänglich 0 Zöglinge Weeden jetzt deren 10 in dem von der Hausmutter'Frau Baer geleiteten Stift erzogen. Wieder "tonnten Mädchen für mehrjährigen treuen Dienst ausgezeichnet lverden, und im ganzen sind bisher 4t Zöglinge in den Dienst getreten. Die Vorsitzende des Stifts, das durch den Tod des Fräuleins Franziska Lüpschütz einen schweren Verlust erlitten hat, sind Waisenhaus-Direktor Dr. S t r e l i tz und Frau Julie N e u m a n n. Hamburg, 8. März. Die Bestattung des ältesten Mitgliedes der deutsch-israelitischen Gemeinde des Herrn M. Bauer, der bekanntlich ein Alter von 101 Jahren erreichte, fand dieser Tage unter überaus großer Betheiligung vom Sterbehause in der Grindelallee aus statt. Außer den zahlreichen Verwandten und Freunden hatten sich Vorsteher der Gemeinde, sowie Herr Prediger Dr. Leimdörfer eingefunden. Auf besonderen Wunsch des Verblichenen wurde von jeder Trauerfeier abgesehen, auch durfte kein Nachruf gehalten werden. Der einfache Sarg war auch ohne jeglichen Blumenschmlick. Der imposante Leichenzug, der aus vielen Fußgängern und zahlreichen Equipagen bestand, belvegte sich nach dein israelitischen Friedhof in Ohlsdorf, woselbst die Beisetzung nach streng jüdischem Ritus stattfand. Breslau, 6. März. Die erste Strafkammer hatte Vieser Tage unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Büchner gegen den bekannten „Naturprediger" und Schriftsteller Johann Guttzeit aus Loschwitz bei Dresden zu verhandeln. Derselbe wird beschuldigt, am 30. Oktober v. I. Hierselbst öffentlich in beschimpfenden Ausdrücken Gott gelästert und die jüdische als eine mit Korporationsrechten ausgestattete Religionsgesellschaft und ihre Einrichtungen beschimpft zu haben. Der Anklage lag ein Vortrag zu Grunde, den Guttzeit in der „Erbauungshalle" der Freireligiösen Gemeinde auf der Grünstraße über „das Alte Testament in Beziehung auf Bildung und Sittlichkeit" gehalten hatte. Der Angeklagte, früher Offizier, ist 1853 in Königsberg geboren, von Beruf Schriftsteller und verheirathet. Seine Religion bezeichnete er als „christlich, aber außerhalb der Kirche." Wegen Religionsvergehens ist er bereits vorbestraft mit 2 Wochen und 1 Monat Gefängniß. Nach der Verlesung des Anklagebeschluffes beantragte der Staatsanwalt den Ausschluß der Oeffentlichkeit für die Dauer der Verhandlung und zwar aus Gründen der öffentlichen Ordnung, der durch öffentliche Erörterung Gefahr drohe, und der Sittlichkeit, die wegen des zur Sprache kommenden delikaten Materials gefährdet sei. Der Angeklagte widersprach; ihm liege daran, der Oeffentlichkeit einen kontrolirenden Einblick in die Verhandlung zu geben. Der Gerichtshof entsprach jedoch dem Anträge des Staatsanwaltes. Obwohl nur ein Zeuge und ein Sachverständiger — als letzterer fungirte Dr. Rosenthal — vernommen wurden, dauerte die Verhandlung von 12sJ bis gegen 4% Uhr. Dann erfolgte das Urtheil, durch welches Guttzeit von der Anklage der Gotteslästerung freigesprochen, dagegen wegen Beschim