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Der Israelit · 1900-03-12 · Heft 21 (12.3.1900) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 21 (12.3.1900)
Date
1900-03-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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414 WWW^WWWWW wurden immer rücksichtsloser übertreten; bei den großen Hoffesten, zu denen auch die reichen Juden Susas hinzugezogen wurden, aß man nach Herzenslust verbotene Speisen und Mordechai, der nach der talmudischen Ueberlieferung am Eingang der Festhalle die jüdischen Brüder auf das Ungehörige ihres Betragens aufmerksam machte, wurde mitleidig als ein unmoderner Finsterling belächelt, den man zu belehren suchte, wie fein politisch man daran thäte, die jüdischen Reminiszenzen über Bord zu werfen. Da hätte Mordechai ein klug ausgesonnenes System hören können, das durch Beseitigung der jüdischen Sitten und Gewohnheiten aus dem Leben Israels die letzte Spur von Rischus tilgen zu können vermeinte. Daß inan ihnen die Theilnahme an solchen Festen als Vordringlichkeit auslegte, daß viele Perser die lächerliche Nachahmungssucht, die sie bei den Juden wahrnahmen, als Gesinnungsschwäche und Charaeterlosigteit brandmarkten, daß die Prunksucht und das Protzenthum, welches die Juden-Perser kultivierten, den Geschmack der feingebildeten Perser beleidigte oder bei den ungebildeten den Neid herausforderte. das übersahen sie in sträflicher Verblendung, und sie erkannten nicht, daß in dem im Midrasch uns aufbewahrten Scherzwort Hamans die traurigste Ironie ihrer Fehler ausgesprochen war: auf den Hofbällen und in den Opern, im Theater und im Cirkus, überall überwiegen die Juden, nur nicht in den Synagogen und Lehrhäusern, hier sind eher bildungsempsängliche Perser, als glaubenseifrige Juden zu finden. Ihre Kinder ließen sie alle siebenzig Sprachen der Weltvölker lernen, nur nicht hebräisch! Als sie nachher Haman in öffentlicher Rathsversammlung die Bevölkerung gegen die Juden hetzen hörten, rn^atpx „die die Religionsschulen hätten eingehen lassen" und darum reif zur Vertilgung seien, da empfanden wohl die Einsichtigeren, daß man einen falschen Weg eingeschlagen hatte. Eine solche Gottentfremdung, eine solche Thoraentfernung, mußte nach einem ehernen Naturgesetz einen Haman wachrufen, mußte die Zuchtruthe herbeiführen, die Israel zur Rückkehr und Umkehr trieb. Wie Amalek die Väter in der Wüste angriff in „Refidim," „wo sie schwach und matt lvaren," crrr is-tr r’Jten;a weil Thorageist und Mizwotsinn sie nicht belebte, so kam damals Haman und bewahrheitete die Erkenntniß: nr-y: xar- *'>* x^x bxrrych xa xyp px „Der Hasser kommt nur wegen Israels Sünde und Vergehungen." Wie aber Gott erst das Heilmittel schafft und dann die Wunde schlägt, so war auch schon ln Israel der Kern vorhanden, aus dem eine bessere Saat hervorgehen sollte, z:vr ixs> Der fromme Ueberrest, die gesetzestreue Minorität, die sich nicht den Götzen der Zeit und Mode beugten, sie hatten ihren Führer in Mordechai. Auch Mordechai hatte eine angesehene Stelle im Staate, auch er >var seinem persischen Vaterlande ergeben, hatte er doch seine Königstreue durch die Thal bekundet — aber nach Orden und Titeln sehnte er sich nicht. Im Gegensatz zu den kriecherischen und feigen Brüdern, die vor dem Götzenbilde niederknieten, um dadurch ihre persische Ergebenheit und Loyalität zu bezeugen, bleibt er ein irx ein fester Mann, rc xb rtnritr xH der nicht niederkniet und niederfällt, ein nr der selbst rrran \wwz im Königspalaste unra -^an sich stolz als Jude bekennt. Sein Ansehen und sein Vertrauen leidet darunter nicht. Im Gegentheil, die Befferen preisen seinen edlen Charakter und erkennen seine geistigen und sittlichen Vorzüge gern an. Der Talmud wirft die merkwürdige Frage auf;a ■o-na p:e mnn „Wo steht Mordechai in der Thora?" und antwortet nnn ra „ein Myrrhenbündel"? Er will damit sagen, die vielen guten Eigenschaften, die Mordechai auszeichnen, „das Myrrhenbündel" von Tugenden verdankte er der Thora, dem jüdischen Geiste, von dem er beseelt war. Wie stark und mächtig seine jüdische Gesinnung gewesen sein muß, erkennen wir am besten an dem guten Erfolg, mit dem er Hadassa-Esther erzog. Auch bei Esther fragte der Talmud 'Tnn;a nncx vex “tch rax:a\ „Wo steht Esther in der Thora?" Es heißt: „Ich will verbergen!" Den demüthigen Sinn, die herzgewinnende Bescheidenheit, sie verdankte Esther der religiösen Erziehung des Mordechai, er war der fa:x der Hadassa, er erfüllte ihr Herz mit der rechter! nrax, daß ein n^ix “pt?c ncn bv Ein daß Liebe und Treue sie verklärte, daß sie sich alle Gemüther gewann durch ihr stilles, anmuthiges Wesen. Sie drängte sich nirgends vor rnax np^m „Esther ward genommen," sie verschmähte den Ausputz und den Linus, sie war anspruchslos *cn nirpa x^ „sie verlangte nichts" rrxr bz a^a ,n rxtir: rnax \“in: und „fand doch Beifall bei allen, die sie sahen" und rvard eines Königs Gattin. Und auch jetzt, als Königin, bleibt sie bescheiden wx >n:axa nrrn rtrxa rw'w rncx *a-na naxa nx Mordechais Worten war sie auch jetzt noch so gehorsam, lvie in der früheren Zeit, da sie sein Pflegekind war. Und mit ivelcher Liebe ist sie ihrem Volke ergeben, mit ivelcher Klugheit und Besonnenheit geht sie an's Werk der Rettung. Und wie klar sieht sie die Schäden am zeitgenössischen Judenthum, und wie bestimmt zeigt sie den Weg zrrr Besserung ML: arm bz aua ~b „Gehe, sammle alle Juden und haltet Einkehr!" Und das Wort fand Beherzigung. Die schweren Leiden, die nun über Israel hereinbrachen, wiesen ihm den Pfad zur Umkehr -ama btt rr m rv bbrtn xna: an narr; nra xra;a\ „Ein neugeschaffenes Volk preist den Herrn." „Dieses Psalmwort bewahrheitete sich an den Zeitgenossen Mordechais." Was achtundvierzig Propheten mit ihren begeisterten Mahnworten nicht erreichen tonnten, es gelang dem Feinde: Israel zur Selbstbesinnung zurückzurufen. Nun war den Juden die schützende Liebe Gottes wieder nahe, Hamans Tücke gereicht ihm selbst zum Verderben, Israel aber zum Heile, denn sie hatten wieder gewonnen -:x Lichtn n-x •rn den Strahlenglanz des Glaubenslebens ’naa>: ptra» die Wonne und Freudigkeit, dem Gottesvolke anzugehören und als Jude dem Ewigen dienen zu können und mp" die Würde, das jüdische Selbstbewußtsein, das ... 11rfnm—IffiiTu ' ' 11 nfMMi

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