Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 21 (12.3.1900)
- Date
- 1900-03-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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41. Jahrgang. M 21 Der Israelit. Ein GenLrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begriindet von »r. Lehmanrr in Montag, den 12. März 5660 (1900). Leitender Artikel. -SM- Die Megilla. >E5>- Eine Purimbetrachtung. Von R'abbuwr Dr. Beermann—Insterburg. Wir können es begreifen, loenn ein alter Gefetzeslebrer in Israel seinen Vortrag über das Estherbuch mit dem Psalmworte einleitete rw rjr ncnc i;b h sse;;m‘2i„2)er Ewige ist uns Zuflucht und Mach:, Beistand in Nöthen, gar sehr bewährt." Denn die Purimgeschichte ist eine farbenreiche Illustration zu diesem Texte. Und weil die Leidensgeschichte Israels es nöihig machte, daß die Hoffnung auf Gottes hülfreiche Waltung, auf seine wundersame Errettung, durch die Betrachtung dieser Bilder aus der jüdischen Vorzeit im Volte stets von neuem geweckt wurde, darum legte die Satzung auf die Lesung der Megilla ein solches Gewicht, daß in eventuellen Collissionsfällen andere religiöse Pflichten vor dieser Mizwa zurückzuireten haben srpa rwu br und die Megilla wurde ganz nach den sorgsamen Bestimmungen abgeschrieben, die von der Schreibung einer Thorarolle galten. Denn wenn es auch ausfiel, daß dieses biblische Buch den Gottesnamen gefliffentlich umschrieb und ihn nicht deutlich erwähnte, so fühlte man doch, wie es ganz erfüllt ist von Gotteswaltung und Gottesfügung und eben auch in den natürlichen Begebnissen und Geschehnissen des Lebens die leitende und gestaltende Hand des Ewigen zu erkennen lehrt. Es sollte ewiges Zeugniß ablegen von der liebenden Fürsorge Gottes, der auch im Rahmen der gewohnten Lebensverhältnisse ohne Durchbrechung der Naturgesetze als Hüter und Retter Israels sich bewährt. So hat die agadische Schriftdeutung Recht, die den Vibelvers "si 'ib nm „es wird dem Ewigen zum Ruhme, zu einem ewigen Zeichen, das nicht zu Grunde geht" auf die Purimrolle bezieht. Darum wird ja auch die unwandelbare Bedeutung des Purimfestes für alle Zeiten betont: : cjnn:?;c' ab n*C77 emrvn "prs vor xb r6xn amen ov „Diese Purimstage werden nicht schwinden aus der Mitte der Juden und ihr Andenken bei ihren Kindern nicht erlöschen." Denn der Dank für die Liebe Gottes soll nie aus unseren Herzen weichen, norpn bz m:no Doch nicht nur Gottes Gnade will das Buch künden und unsere Dankbarkeit immer von neuem anregen, nicht nur Ermuthigung und Hoffnung in Noth und Gefahr aussäen, es will uns auch treffliche Lehren geben und zwar Lehren von solcher Dringlichkeit und Wichtigkeit, daß von ihrer Erfüllung und Uebertretung Israels Glück und Israels Fall abhängt. Es zeichnet uns das Golus-Jsrael im treuen Bilde, es weist uns in naturgetreuer Schilderung auf den Gegner hin, der überall gegen das zerstreute Judenvolk sich erhebt, es malt in lebendiger Anschaulichkeit seine Ränke und Schliche, seine Beweggründe und Absichten, es läßt uns deutlich die Quelle erkennen, aus denen Israels Kraft und Macht stammt und die Gründe, die seine Niederlage erklären, es zeigt uns die Waffen und Wege, die der Feind wählt und welches die Mittel sind, die zu seiner Bewältigung führen. Auch unsere Zeit, in der der Judenhaß zu erneutem Angriffe sich erhoben hat, thut gut, bei den Schattenrissen der Vergangenheit zu verweilen. Die Juden hatten in Persien sich durch ihren Fleiß und ihre Betriebsamkeit Ansehen und Geltung verschafft. Keine Ausnahmegesetze beschränkten sie, sie lebten in Eintracht mit der persischen Bevölkerung und fühlten sich in ihrer günstigen Lage so ganz als Perser, daß sie sich persische Namen gaben, persische Sitten nachahmten, mit einer gewissen Absichtlichkeit alles ausgesprochen Jüdische mieden und sich höchlichst geehrt fühlten, wenn man sie für Vollblut-Arier hielt. Die heiligen Religionssatzungen, die ihnen auf Schritt und Tritt hemmende Schranken aufstellten.