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Der Israelit · 1900-03-08 · Heft 20 (8.3.1900) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 20 (8.3.1900)
Date
1900-03-08
Page
– (sequence 26)
Language
German
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410 Als Sarah diese Worte hörte, war sie sehr erstaunt und bat um die Erklärung derselben. „Wisse mein Kind, wir haben große Feinde, trotz meiner unausgesetzten Arbeit und meiner Rechtschaffenheit, werde ich beim König verleumdet. Wenn auch der König mir sehr geneigt ist, könnten meine Gegner eines Tages das Mittel finden, seine Freundschaft in Haß zu verwandeln. Nicht um mich allein bin ich besorgt, sondern auch um meine Glaubensgenossen." Die Thüre öffnete sich, die Magd trat herein, meldend, daß eine arme Frau Don Joseph zu sprechen wünsche. „Sie möge eintreten," erklärte der Minister. Weinend erschien eine Frau mit drei kleinen Kindern. Sie beschwerte sich, daß Martin Ganzala, der Gouverneur des Ortes, ihr alles Mobiliar nahm für die Steuer, die sie nicht bezahlen konnte, und sie überdies aus ihrem Hause verjagte. Der Minister, darüber sehr aufgeregt, setzte sich sofort zu Tische und schrieb einige Zeilen, dieselben der Frau übergebend mit dem Bemerken, wenn die Beauftragten des Ganzala kommen sollten, soll sie dieses kleine Papierstüet vorweisen. Dann würde sie von denselben nicht behelligt werden. Der Gouverneur erbielt Befehl, vor Don Joseph zu erscheinen. Gegen Abend kam Ganzala. Don Joseph machte ihm Vorwürfe, iveil er die Armen bedrücke ohne jeden Auftrag. Der Minister entließ ihn mit der Drohung der Amtsentlassung. Sarah hörte die Worte, die ihr Vater an Ganzala richtete, auch die Drohungen, und sie nahm sich's sehr zu Herzen, denn sie fürchtete diesen Mann, weil sie wußte, westen er fähig war. Don Joseph begab sich zu Bette und schlief ruhig, seine Tochter aber floh der Schlaf. Martin Ganzala war einer der vornehmsten Gouverneure der spanischen Provinzen, aber haßerfüllt gegen den jüdischen Minister und dessen Nation. Er hoffte immer auf eine Gelegenheit, Don Joseph beim Könige zu verdächtigen und ihn zu stürzen. Einige Zeit nachher mußte der Minister eine Reise nach mehreren Provinzen machen, um überall zu prüfen, ob alles in Ordnung sei. Nach einigen Wochen wartete Sarah von Tag zu Tag die Rückkehr ihres Vaters ab. Eines Tages rief sie ihre Dienerin Hanna und sagte ihr: „Bereite mir heute meine schönsten Kleider und meinen kostbarsten Schmuck, denn ich erwarte heute meinen Vater." Sie kleidete sich an und besuchte ihre Freundin Estella. Während der Abwesenheit Don Josephs erschien Ganzala beim Könige und versicherte ihm, daß der Jude ein Verräther des Vaterlandes sei und dem ganzen Lande durch den Minister und seine Glaubensgenossen das Vermögen vernichtet werde. Der König, die Treue seines Ministers kennend, wollte nicht glauben. Doch Ganzala erbot sich, den Beweis zu erbringen, indem er verschiedenartige Lügen auftischte. An der Thüre wird geklopft, man meldet Don Joseph. Ganzala zieht sich durch eine andere Thüre zurück. Der Minister berichtet über die Erfolge der Reise. Er erblickt das Gesicht des Königs, es war nicht so huldvoll wie zuvor. Er bittet um die Erlaubniß, sich nach Hause zrl begeben, um seine Tochter zu sehen und der Ruhe pflegen zu können, der er in Folge der Strapazen sehr bedurfte. Der König entließ ihn. Don Joseph ging nach Hause. Sarah erzählte ihm alles, was sich seit seiner Abwesenheit ereignete. Am nächsten Tage ging Don Joseph wieder in's Schloß. Der König fragte viel. Er antwortete nach seiner gewohnten Offenheit. Man setzte sich zu Tische, an welchem nach Brauch verschiedene Gäste theilnahmen. Wie groß aber war das Erstaunen Don Josephs, Ganzala zu erblicken, der ihn mit Hochmuth behandelte und mehrmals ihn fixieren wollte. Der König saß an dem üblichen Platze, der Minister zu seiner Rechten. Ein junger Diener trug die Platten mit vorzüglichen Speisen aus. Ein erschreckender Ausruf wurde plötzlich vernommen, man rief, die Speisen seien vergiftet, man möge mit dem Essen einhalten. Don Joseph wußte sich die Sache nicht zu deuten. Alles erhob sich, man blickte auf Ganzala. Der Minister fragte, was denn eigentlich vorgeht. Da fuhr ihn der König zornergrimmt an: „Du bist der Verräther, der mich vergiften wollte." Don Joseph fragte, wer die Person sei, die ihn eines solchen Verbrechens beschuldigen könne. Der König gab zur Antwort: „Ganzala und der Sohn Deiner Magd Hanna sind es." Ganzala lveigerte sich, mit einem solchen elenden Menschen sich weiter in's Gespräch einzulassen. Jedoch einen Rath ertheilte er dein Könige. „Man gebe die Speisen dem Inden zu essen, um so zu prüfen, ob dieselben vergiftet sind." Don Joseph entgegnete: „Seine Majestät weiß wohl, daß ich immer als treuer Diener gehandelt habe, wie auch, daß ich nie die Vorschriften meiner Religion, welche mir den Genuß nicht nach unserem Ritus zubereiteter Speisen verbietet, übertreten habe." Man brachte einen Hund, gab demselben von den Speisen zum Fressen. Einige Minuten darauf verendete das Thier. Nun rief mit Kühnheit Ganzala: „Du Elender. Du hast den jungen Gomez, den Sohn Deiner Magd, gedungen, diesen Streich auszuführen." Man ließ den jungen Menschen, der im Schlosse als Koch installirt war, hereinbringen, er behauptete weinend, Don Joseph habe ihn bezahlt, daß er die Speisen vergifte. Hierauf befahl der König der Wache, sich der Per-

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