Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 20 (8.3.1900)
- Date
- 1900-03-08
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449049-2449069--50249-2500688- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
WWWWWWWMW «ff v 411 son Don Joseph's zu bemächtigen und ihn in's Gefängnis abzuführen. Der Minister verbat es sich, daß man ihn derartig behandle, er hoffte immer, daß seine Unschuld wieder erkannt werde. Sarah saß ruhig in ihrem Zimmer, als Hanna weinend eintrat: „Meine Herrin, meine Herrin, Ihr Vater! Man sah, wie er gefeffelt in's Gefängniß abgeführt wurde. Auf meine Frage, was sich ereignet habe, wurde mir gesagt, der Jude habe seinen König vergiften wollen." Während sie so sprachen, kam Ganzala, von Sarah die Papiere ihres Vaters abfordernd. Sarah öffnete den Schrank und überreichte das Verlangte. „Nun bin ich es," sagte Ganzala, „der die Stelle Deines Vaters inne hat." Sarah begann zu weinen. Don Joseph war im Gefängniß ruhig in der Hoffnung, daß seine Unschuld klar zu Tage treten werde, was ihm nur Kummer bereitete war, „was wird aus meiner Tochter werden? Gebe der Allgütige, daß ne nicht dem Ganzala in die Hände falle." Estella kam öfters, Sarah zu trösten. Außerdem war sie mehrmals bei ihren? Klater, den? Könige, u?n für Don Joseph Gnade zu erflehen. Man zeigte ihr einen unter den Papieren aufgefundenen Brief, in welchem gesagt >vird, der König werde vergiftet und das Land den Maroeeanern überliefert tverden. Sarab äußerte in ihrer Verzweiflung, sie habe die Absicht. Männerkleider anzulegen, um mit eigner Lebensgefahr den Vater zu retten. Bald ivurde der Krieg mit Maroceo erneuert. Ganzala, als Premierininifter, stellte sich an die Spitze der Armee, und nahn? vom König -Abschied. Estella, von der Furcht gepeinigt, ihre Freundin zu betrüben, verblieb iin Schlosse, die Zeit abwartend. wo sie Sarah gute Nachricht bringen könnte. Eines Tages ineldete der Diener, ein Weib wünsche sie zu sprechen. 6s war Hanna, die Magd der Sarah. Sie sagte, daß Sarah seit zehn Tagen verschwunden sei und daß sie, die Magd, sehr wichtige Eröffnungen zu macken habe, die die Unschuld Don Joseph's beweisen. Dies hörend, weinte Estella vor Freude. Hanna erzählte, daß Ganzala ihrein Sohne eine bedeutende Surnme Geldes gegeben, bamit er das Esten vergifte. Die Gewissensbisse haben ihn so gepeinigt, daß er Alles gestand. Estella und Hanna gingen sofort zur Wohnung Sarab's, ihr die gute Nachricht zu bringen, Sarah war aber immer noch nicht zurückgekehrt. Auf dem Tische lag ein Brief, welcher lautete: „Liebe Estella, da ich keine Ruhe finde, bis ich ineinen Vater befreit habe, so bin ich in Manneskleidung abgereist. Seine Majestät der König, Dein Vater, wird vielleicht eines Tages die Schlechtigkeit des Ganzala und die Unschuld meines Vaters einsehen. Suche inich nicht, es ist unnütz." Estella und Hanna mit dem jungen Gomez meldeten stch beim König, erzählten ihm, welche Ränke Ganzala schmiedete, um den König zu täuschen und Don Joseph zu stürzen. Der junge Mann zeigte die große Menge Geldes, welche er für das Vergiften der Speisen und die Verleumdung Don Joseph's erhalten. Der König war nun von der Unschuld seines Ministers überze?lgt. Ganzala überwachte die Armee, welche mit Wuth gegen den Feind kämpfte. Man sah den Führer der feindlichen Armee fallen. Dies verursachte eine solche Verwirrung in derselben, daß sie schließlich in völliger Auflösung zurückweichen mußte. Die spanischen Soldaten errangen einen vollständigen Sieg. Ganzala befahl, daß man ihm den Soldaten. der den feindlichen Heerführer getödtet, vorführe, barnit er ihm seinen Dank ausspreche und für seinen Muth belohne. Alan führte ihn? einen jungen Mann, von Kopf bis zu Fuß eingepanzert, das Gesicht verborgen, in den Händen Waffen tragend, vor. Man fragte ihn, >ver er sei und verlangte, daß er sein Gesicht enthülle. Der junge Krieger antwortete: „Mein Gesicht iverde ick dem Könige zeigen und ihin auch sagen, wer ich bin." Ganzala sagte nichts inehr. Er forderte nur, daß der junge Mann an seiner Seite reite, uingeben von den Heerführern, da?nit die Bevölkerung dem Huldigung darbringe, der den davongetragenen Sieg verursachte. Während dieser Zeit ging der König, von feinem Hofe begleitet, selbst Don Joseph aus seinen? Gefängnisse zu befreien. Man führte den letzteren durch die Mitte der Stadt, um der Bevölkerung zu zeigen, daß er schuldlos sei. Die Armee hielt ihren Einzug, von allen Seiten mit Frendenrufen begrüßt. Dem Könige wurde der junge Krieger vorgeführt, der nun sein Gesicht zeigte. Alles riet: „Sarah. Sarah." Prinzessin Estella weinte vor Freude. Sarah sagte den? Könige: „Ich wünsche keine andere Belohnung, als meinen Vater zu sehen." Kaum aber kehrte sie sich um, als sie ihn an ihrer Seite erblickte. Die unbeschreibliche Freude von Vater und Tochter, als sie sich wiedersahen, kann inan sich kaum vorstellen. Ganzala wurde verhaftet und in's Gefängniß geworfen. Don Joseph wurde in seine Function als Minister-Präsident wieder eingesetzt. Estella und Sarah blieben für immer befreundet.