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Der Israelit · 1900-03-08 · Heft 20 (8.3.1900) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 20 (8.3.1900)
Date
1900-03-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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389 Vln de» österreichischen kommunal und (Staate schule» ist auch der jüdische Religionsunterricht obliga torisch und von Staatswegen geordnet. Das mag in politischer Hinsicht, vom Standpunkte der Parität, ein beneidenswerther Zustand sein, für die religiöse Erziehung unserer Jugend bedeutet es, wenigstens was Gali zien betrifft, in der heutigen Form geradezu ein Unglück. Das Lehrziel ist ein erschreckend minimales, das He brätsche völlig ausgeschlossen,' die Lehrer, denen zumeist jede nennenswerthe talmudische, ja biblische Vorbildung abgeht, stehen in religiöser Hinsicht fast durchweg auf dem Standpunkte der „Aufklärung" und vertreten die religiösen Interessen ihrer Schüler weder im Lehrerkollegium, noch bei den Behörden. Wer z. B. den Wunsch hat, sein Kind am Sabbath vom Schreiben dispensirt zu sehen, findet an dem Religionslehrer nicht selten einen Gegner; es ist vorgetommen, daß einer dieser Jugendbildner „vergessen" hat, dein Director mitzutheilen, daß Feiertag ist. was zur Folge hatte, daß die Kinder die Schule besuchen und schreiben mußten. Da zudem der jüdische Religionsunterricht vielfach auf den Nachmittag außerhalb der Schulzeit angesetzt ist, stört er die Schüler in ihren häuslichen Arbeiten, was nicht dazu beitragen kann, ihren Eifer und ihr Interesse zu steigern. Man sollte meinen, daß bei einer Seelenzahl von über 4L,000 Juden und einer Riesenfreguenz der öffentlichen Lehranstalten durch jüdische Schüler hier schon längst für einen privaten gediegenen Religionsunterricht gesorgt und so für eine Abstellung der durch sein Fehlen gezeitigten traurigen Verhältnisse gesorgt sei. Nichts von alledem. Für Leistungen dieser Art ist der fromme Jude in Galizien sehr schwer zu haben, am schwersten, wenn es sich um die Wahrung und Festigung konservativ-religiöser Interessen handelt, deren Bedeutung nicht unmittelbar zu Tage tritt. Hinzukommt, daß unter den Personen von Stellung und Gewicht last Niemand mit dem Verständniß für die Forderungen der Zeit tiefe religiöse Festigkeit verbindet. Aber selbst wenn wir die Männer hätten, die in amtlichen und privaten Kreisen genügenden Einfluß besitzen und zugleich eine Besserung in konservativem Sinne für notbwendig halten, fehlt es an Lehrkräften. Alle Schichten, die gesetzestreuen, die nationalen und die „aufgeklärten," begegnen sich in dem Vorurtheil, daß treues Festhalten an dem Vtltüberlieferten und allgemeine Bildung Gegensätze seien, die einander ausschließen, und so sind auch die Lehrer entweder gebildet oder fromm. Ten Versuch, diese Gegensätze zu überbrücken, hat in Galizien zum ersten Male die hiesige Schule „Chinuch Lanaar" schon dadurch unternommen, daß sie nur Sckniler, die irgend eine öffentliche Lehranstalt besuchen, für deren weltliche Ausbildung also gesorgt ist, aufnimuit und andererseits den Religionsunterricht in traditionell-gesetzestreuenr Geiste den Kindern darzubieten bestrebt ist. Der Leiter der Anstalt, Herr Jsaae Einen, ist als tüchtiger Hebräer ser zählt zu den Mitarbeitern fast aller hebräischen Zeitschriften) und als erfahrener Pädagoge bekannt. Im October ISDN bildete sich zur Förderung der Schule unter dem Vorsitze des Herrn Dr. Munk ein aus fünf Mitgliedern bestehendes Comitee, dessen Bemühungen es gelang, das Interesse weiterer Kreise zu lvecken, so daß im Jahre 4899 das Budget auf 3000 Kr. gesteigert werden konnte. Dieser Erfolg ist namentlich der Opferwilligkeit hiesiger Honoratioren zu danken, die umso größere Vlnertennung verdient, da die Anstalt in Galizien et>vaS völlig Neues ist. Wie jeder Kenner der Verhältnisse beipflichten wird, wächst die Bedeutung der Schule schon durch ihre ganze Tendenz durch den knnthigen Kampf gegen fest eingewurzelte Voruriheile über ihre eigentliche Bestimmung weit hinaus, sie verdient deßhalb das Interesse aller Derer, denen nicht nur das materielle Wohl, sondern auch die Besserung der religiösen Zustände innerhalb der galizischen Judenheit am Herzen liegt. Roch ist die Schule „Chinuch Lanaar" in der Entwickelung, es ist ein lveiter und schwieriger Weg, den sie noch zu wandeln hat. Wir sind aber fest überzeugt, daß sie stetig mehr sich als Nothwendigkeit und Bedürfnis; im Volte einbürgern wird. Wir bieten der Jugend den alten bekannten Inhalt unserer erhabenen Lehre u. die alte ehrwürdige Sprache unserer Bibel in anderer Gestalt, in einer Form, die unsere Jugend in Schule und Leben lieb gewonnen. Mag aus unserem Schüler nachher werden, was immer; er wird stets die Achtung vor seinen Glaubensgenossen und ihren Heiligthümern bewahren. Und umgekehrt, mag er noch so fromm und gottesfürchtig sein ferneres Leben einrichten, er wird stets ein tüchtiger, gediegener, pflichttreuer Diener seines Berufes und ein beliebter Gast in den Salons der Edlen sein. Unsere Schule will den Abfall von religiösen Idealen zu hemmen versuchen. zugleich aber macht sie Propaganda für Verbreitung der Bildung unter unseren Glaubensgenossen. iEs ist ein erhebendes Bewußtsein für uns, zu sehen, wie die deutsche Orthodoxie ihre Pioniere, die das Vrineip: ..Jofoh Thauroh im Derech erez" auf ihre Fahne aeschrieben haben, in die fernsten Länder entsendet. Herr Dr. Munk ist ein Sohn des im vergangenen Jahre Heimgegangenen Altonaer Rabbinatsassess. Eliah Munk, dessen Bedeutung auf talmudischem Gebiete auch in diesen Blättern z. Zt. eingehend gewürdigt wurde. Red. d. „Israelit.") Schweiz. Jürich. Der auch Ihren Lesern bekannte Herr L. Roth-Basel, folgte einer Einladung des Talmud-Thora-Vereins zu einem Vortrage. Am 18. d. M. sprach Herr Roth vor einem zahlreichen, distinguirten Publikum über „S. R. Hirsch's Bedeutung für die Zukunft." Ein weitaus blickendes Erpose des veraangenen Jahrhunderts jüdischer Geschichte gab der Redner, dessen wissenschaftliche und oratorische Leistungen vorzügliche waren. Die Contouren der Geistesgeschichte in philosophischer Gedankenarbeit leistend, stellte er Hirsch's wissenschaftliche Leistungen in wahres historisches Licht, wies aber dessen immenente Bedeu-

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