Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 20 (8.3.1900)
- Date
- 1900-03-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2449049-2449069--50225-2500664- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
387 Reiches hinaus, wo nur jüdische Menschen sich bewegen; glaubst Du, daß ich zu viel behauptet habe?" Es war ja in Wirtlichkeit nicht Moses, es war und ist Gott, der durch seine treuen Diener sprach u. spricht. Darin liegt das Geheimniß der Unsterblichkeit, darin liegt die Erklärung der Thatsache, daß er L'2v>v' “oiy auch heute noch weiter im Dienste Gottes steht, obwohl er der Erde entrückt ist. Deßhalb gedenken wir alljährlich, wenn wir die Thora schließen und sie wieder neu beginnen, mitten in der Freude mit der abgeschlossenen und neu begonnenen Thora, des Todes Moses, ohne daß diese Freude dadurch eine Trübung erfährt. Daß Moscheh sterben tonnte, sein Gesetz aber weiter lebt, das ist der Grund, auf dem sich unsere Freude mit der Thora — “Tin nncp — in Wahrheit erhebt. Das ist dieselbe Wahrheit, die sich in die Worte kleidet, daß an seinem Todestage Moscheh geboren sei. In dieser Unsterblichkeit seines Führers ist auch diejenige Israels begründet, so lange es sich von solchem Führer leiten läßt. An dieser Unsterblichkeit zerschellen alle schwarzen Pläne aller Hamane aller Zeiten, sie ist auch uns gewährleistet, so lange wir an Moscheh, das heißt an Thorat Moscheh festhalten. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin, 6. März. (Abgeordnetenhaus.) Abgeordneter Sänger fragt nach den Gründen, warum den jüdischen Lehrerseminarien nicht ebenso wie den christlichen die Berechtigung zur Ertheilung des Zeugnisses für den einjährig-freiwilligen Dienst zugestanden worden sei. Die Bitten der Betheiligten sind bisher vom Kultusministerium ohne Angabe von Gründen zurllckgewiesen worden. Redner vermag solche Gründe nicht zu finden. Sind die Anforderungen an die jüdischen Lehrer geringer als an die christlichen? Das ist nicht gut denkbar, zumal die Schulen unter staatlicher Aussicht stehen. Sind die Anforderungen aber dieselben, so wirkt die Vorenthaltung wie eine directe Zurücksetzung einer Religionsgemeinschaft gegenüber der christlichen und das widerspricht der Verfaffung. Redner kann auch nicht annehmen, daß im Kultusministerium antisemitische Tendenzen gelten, denn in Rechtsstaaten wird nach Gesetz und Recht, aber nicht nach Sympathien und Antipathien entschieden. Will man die Juden ausschließen, so mag man auch den Muth haben, entsprechende Gesetze zu machen. Ministerialdirector K ü g l e r: Der Grund für die ungleiche Behandlung der jüdischen Lehrer-Seminare gegenüber den anderen liege darin, daß auf Grund des Gutachtens der Reichsschulkommifsion nur den staatlichen Schulen die Berechtigung gegeben worden sei, und das erklärt sich damit, daß die Zöglinge der staatlichen Seminare mit der Abgangsprüfung zugleich die Verpflichtung übernehmen, jede Stellung im Staatsdienste, die ihnen zugewiesen werde, auch anzunehmen. Frankfurt a. M., 6. März. Bei den im jüngsten Vereinstag der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums" vorgenommenen Wahlen für den Vorstand mußte zu allseitigem Bedauern von der Wiederwahl des seitherigen langjährigen Vorstandsmitglieds Herrn Seligmann Mosbacher dahier abgesehen werden, da derselbe eine Wiederwahl mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand dankend abgelehnt hatte. Seitens des Vorstands der „Freien Vereinigung" wurde demselben im Hinblick auf die verdienstvolle Thätigkeit, welche er seit langer Zeit im Interesse der Vereinigung entfaltete, eine Dankadresse gewidmet. Da mit Rücksicht auf seine noch der Schonung bedürftige Reconvalescenz von einer größeren Feier abgesehen werden mußte, so wurde dieselbe ihm heute durch eine Deputation des Vorstandes überreicht. Das Vorstandsmitglied Herr Justizrath Dr. Hirsch dahier, hob in seiner Ansprache hervor, daß der Rückblick auf die vielseitige Thätigkeit des Gefeierten im Dienste der Allgemeinheit als Devise seines Wirkens das Psalmwort erscheinen laste: *ik>k bzb ws “en in -piT': „Ein Genoste bin ich allen, die Dich fürchten und Deine Gesetze hüten." Gar vielen, der Förderung und Erfüllung der religiösen Pflichten im Einzelwie im Gemeindeleben, der Wohlthätigkeit und allgemeinen Humanitären Zwecken gewidmeten Vereinigungen in engerem und weiterem Kreise sei er ein eifriger Förderer, und vor Allem der „Freien Vereinigung," die so vielseitige Aufgaben umfasse, ein bewährter treuer Freund und Genosse. Bereits an der Gründung der Vereinigung habe er eifrigst theilgenommen; er habe sie seitdem unausgesetzt nicht nur in materieller Hinsicht gefördert, sondern — was noch mehr bedeute — seine persönliche Thätigkeit, oft mit Aufopferung berechtigter Anforderungen der Schonung und Ruhe, in den Dienst der hohen Zwecke der Vereinigung gestellt und namentlich ein Jahrzehnt hindurch als Mitglied des Vorstandes und geschäftsführenden Ausschusses seine Thätigkeit in so hingebungsvoller und erfolgreicher Weise der Vereinigung gewidmet, so daß sein in weiten Kreisen hochgeachteter Name mit der Wirksamkeit derselben eng verknüpft bleibt. Der Redner hob dann einzelne Seiten der Veriensthätigkeit hervor, bezüglich welcher der Gefeierte ein besonders lebhaftes Interesse wirksam bethätigt hat und schloß mit dem Wunsche, daß derselbe noch lange Jahre als Zierde seiner Familie und seines Kreises in rüstiger Gesundheit und Frische sich an der Wirksamkeit der Vereinigung erfreuen möge! Das Vorstandsmitglied Herr Hermann Lehmann schloß sich sodann in warmen, von Herzen quillenden, zu Herzen gehenden Worten dem Vorredner an. Nach Entgegennahme der Adresse, in welcher dem Dank der Vereinigung und des Vorstands für die verdienstvolle Thätigkeit des Gefeierten und den herzlichsten