Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 20 (8.3.1900)
- Date
- 1900-03-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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386 das 29. Capitel des 5. B. M. ein: bs b»s nva mpn ic „Moscheh rief ganz Israel und sagte zu ihnen: Ihr habt gesehen alles, was Gott vor euren Augen im Lande Mizrajim an Pharao und an allen seinen Dienern und an seinem ganzen Lande gethan hat, die großen Erprobungsthaten, die deine Augen gesehen, jene großen Zeichen und Belehrungswunder, und es hatte damit euch Gott noch kein Herz zum Erkennen, keine Augen zum Sehen und keine Ohren zum Hören gegeben, bis au s diesen Ta g." Dieser Tag war eben der Todestag des ermahnenden Führers und die Erfahrung dieses Tages durfte dem scheidenden Lehrer die trostvolle Zuversicht gewähren, daß auch der letzte Theil seiner Sendung, die Gewinnung des Volkes für das Gesetz der Thora ihm gelungen sei. Zu den Worten: mn cm -ly „bis auf diesen Tag" merkt in diesem Sinne Raschi folgende Ueberlieferung an: min “sc nirc fn;r cm *jvns? Tiycc’ bstir bc “sc ".b;c cmcn hx rum cinrc* icc vb ucb mm jik i;bcpi u*cc u-iey :;x “N irm ntps ib i*;cx: niyc usb cv i:b ricNi rvby jczw uc nN cbc^c rr-x nc: i;b run:i rxT by: icrn by ntrc nacr n:n: üb ruru ccb sb rnc e'pci erst? vuen nn cm oyb nm: nn cm enb -ex . epme Gütern „An diesem Tag, an welchem Moscheh das Buch der Thora den Söhnen Levi's gab, kam ganz Israel vor Moscheh und sprach zu ihm: Mosche unser Lehrer! Auch wir sind am Sinai gestanden und haben die Thora empfangen, die uns übergeben wurde, warum willst du den Kindern deines Stammes ein Vorrecht über sie einräumen? Nach einiger Zeit werden sie uns sagen, nicht euch, sondern uns ist sie übergeben worden. Ueber dieses Wort freute sich Mosche; deßhalb sagte er ihnen: an diesem Tage bist du zum Volke geworden, heute habe ich eingesehen, daß ihr in freudiger Anhänglichkeit den Gesetzen ergeben seid." Und wenn Moscheh die Constatirung dieser Freude Israels mit dem Gottesgesetze durch den Tadel einleitet: yccb c“7N* mrb cum rjnb cb ccb n ,t; ab*, daß Gott ihnen nicht den Sinn, nicht Augen zum Sehen, nicht Ohren zum Hören gegeben habe, so liegt in den Schlußworten mn c:m ny „bis auf diesen Tag," die Milderung dieses Vorwurfes durch die Erwägung enthalten, die ebenfalls Raschi's Erklärung an diese Worte knüpft. Es ist die Anmerkung der Weisen i Talmud Aboda sara Fol. 5): -y irucc röDrt btp vbh re by -c«y cnx pw n;ty c*yc")X. „Niemand geht auf die letzte Absicht seines Lehrers und die Weisheit seiner Lehre völlig ein bis nach Ablauf von vierzig Jahren." Der letzte Tag dieser vierzig Jahre war der Todestag Moschehs. Wenn an diesem Tage alle Glieder des Volkes den Geist des scheidenden Lehrers in seiner ganzen Tiefe begriffen, dann war Moscheh an seinem Todestag nicht nur nicht gestorben, sondern hunderttausende von Moses sind von seinem Geiste belebt und neu erstanden, wie R. Mosche Sofer s. A. in seinem Werke npc min in einer am 7. Adar gehaltenen Gedächtnißrede über unfern großen Lehrer treffend bemerkt. Das ist der Sinn der Thatsache, daß Moscheh an seinem Todestage thatsächlich neu geboren wurde, die unseren Weisen geläufig war, die aber der sinnliche Verstand eines Haman verkannte. Haman mag an Moscheh denselben Maßstab angelegt haben, wie s. Z. König Balak, der in ihm nichts als einen großen Zauberer und Astrologen erblickte, und der seinen Einfluß gebrochen glaubt, wenn er ihm einen anderen Zauberkünstler vom Schlage Bileams entgegensetzen kann. Er mag ihn wie die Gesetzgeber des heidnischen Alterthums, die Lnkurg und Solon taxirt haben, die nicht einmal zu sterben, die nur ihr Land zu verlassen brauchten, um auch ihre Gesetze der Vergangenheit zu überantworten. Die Wahrheit: frrnco irr fnr'oc C'pmt cb.-u daß die Gerechten nach ihrem Tode noch größer, als während ihres Lebens sind, war einem Haman unbekannt. Er freut sich des Tages, an dem das, was an einem Moses irdisch ist, der Zeitlichkeit seinen Tribut zollt, aber für Tod und Grab überdauernde Neugeburt eines ganzen Volkes hat er kein Verständniß. Deßhalb glaubt er ihm den Untergang bereiten zu können, wenn im Kreislauf der Monat wiederkehrt, in dem es seinen Führer und Meister verlor. Aber die im Geiste Moscheh's lebenden Weisen wissen, daß die Geistesschätze, die Moscheh seinem Volke gebracht hat, seinem Volke verbleiben, wenn auch der Lehrer nicht mehr in der bisherigen Weise unter ihnen weilt. In den Trauertagen um Moscheh's Tod ließ der frische Schmerz der Verwaisten sie große Parthien des Gottesgesetzes vergessen, aber Osniel ben Kenas hat mit den Lehrregeln von Israels großem Lehrer den Schlüssel empfangen, der die verschlossenen Geisiesschätze jederzeit auf's neue öffnet. In diesem Sinne konnte ein jüdischer Weiser vor den mächtigsten Herrscher seiner Zeit, vor den römischen Kaiser Nero mit der Behauptung hintreten, daß sein kodier Moses noch heute mächtiger sei, als der lebende, alle Völker beherrschende Kaiser Roms. ..Traust Du Dir," bemerkte der Weise aus die Aufforderung, seine Behauptung zu beweisen, „die Macht zu, ein Gesetz zu erlassen, welches allen Bewohnern Deines großen Weltreiches für die Dauer eines ganzen Tag jede Hantirung mit Licht und Feuer verbietet und hast Du die Ueberzeugung, daß nun dieses Dein Verbot auch allenthalben respectirt werde, in der Nähe und in der Ferne, in den Pallästen und in den Hütten, auf der offenen Straße nnd im geheimsten Versteck?" „Diese Sicherheit habe ich allerdings nicht," erwiederte der Kaiser. „Nun denn," entgegncte der Rabbi, „unser Moses bat uns vor vielen hundert Jahren das Hantiren mit Feuer und Licht mehr als fünfzig Tage im Jahre verboten und das Verbot wird heute noch wie zur Zeit seines Lebens respectirt, weit über die Grenzen Deines