Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 20 (8.3.1900)
- Date
- 1900-03-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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41. Jahrgang. m »o, Der Israelit. Ein Gentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenlhum. Begründet von Br. in lütftini. Donnerstag, den 8. März 566V (1660). Leitender Artikel. Udar-GedanKen. Mainz, 7. März. Am siebenten Adar ist der Geburtstag und Todestag unseres Lehrers Moscheh. Unsere Weisen bringen diesen Tag mit dem Purimfeste in Verbindung, das in denselben Monat fällt. Als Haman durch das Loos den Monat feststellen wollte, der für die Vernichtung Israels sich am besten eigne, siel das Loos auf den Monat Adar. Darob freute sich Haman, weil in diesem Monat Moscheh gestorben war und er in diesem Umstande ein günstiges Omen für seine schwarzen Pläne von dem Monat erwartete, in dem durch das Hinscheiden seines ersten großen Führers ohnedies schon ein Unstern über Israel waltete. Haman, fügen sie hinzu, wußte jedoch nicht, daß am siebenten Adar Moscheh auch geboren war. (Talmud Megilla, Fol. 13 b.) Wir brauchen auf das Auffällige dieser Annahme nicht erst zu verweisen. Einem Haman, der nach Art eines Wallenstein erst nach den Sternen ausschaut und die Niedermetzelung eines wehrlosen Volkes von astrologischen Berechnungen abhängig macht, der sich daher über das Zusammentreffen seiner Konstellationen mit dem Todestag Moscheh's freut, sollte einem so zeitkundigen Beobachter diese Kehrseite der Medaille wirklich entgangen sein? Wir glauben, daß diese Freude Hamans und die Unkenntniß, aus welcher sie floß, nicht nach dem gewöhnlichen, einfachen Wortsinn zu fassen ist, sondern, daß sich in dieser Darstellung die grundsätzliche Verschiedenheit der ganzen Art und Weise ausspricht, in welcher in den Augen Hamans und in denjenigen unserer großen Weisen die Bedeutsamkeit Moscheh's erscheint. Wir wissen, daß Moscheh an seinem Todestage die Abschrift der Thora vollendete und sie zunächst dem Stamme Levi übergab, wie es im V. 9 des 31. Cap. im 5. B. M. heißt: rren ^x njir. nwn nnnrs nx nro :arcr . *;p7 dv 2xi "i ivc pnx nx D'xprt „Moscheh schrieb diese Thora nieder, und übergab sie den Priestern, den Söhnen Levi's, den Trägern der Bundeslade Gottes und allen Aeltesten Israels." Mit dieser Fertigstellung der Thora und ihrer Uebergabe war die Mission Moscheh's auf Erden vollendet. Wenn daher Moscheh dem gesummten Israel sagt (Cap. 31, V. 1): crn ,r;x d’“W rrxo p „Mit dem heutigen Tage bin ich einhundertundzwanzig Jahre alt," so commentiren unsere Weisen diesen Ausspruch im Talmud mit den Worten: yiwt '2' :xb>v d-vt „Mit diesem Tage haben meine Tage und meine Jahre ihre Vollendung erreicht." (Talmud Rosch Haschano, Fol. 13.) So unerreicht einzig groß diese Mission auch dasteht, so enthält das bisherige dennoch nur die eine Seite derselben, den Empfang des Gottesgesetz«^Md seine Uebergabe an das Volk. Daß aber das Volk wirklich dieses Gesetz hinnehme, willig, freudig hinnehme, um nunmehr das eigene Leben und Streben von ihm gestalten zu lassen, es durch Zeiten und Zonen zu tragen und alle Unbill zu erdulden, die sich an den Besitz und die Verbreitung der Wahrheit knüpfen, auch dieses herzerhebende Bewußtsein, welches erst daß ganze Lebenswerk Moscheh's krönen würde, mit in die Ewigkeit zu nehmen, war Moscheh beschiedcn. Wohl hatte das Gesetz Gottes vierzig Jahre hindurch seine ersten, schwersten Triumphe in der Gewinnung des GottesvolkeS selber zu bestehen. Daß aber dieses Ziel trotz allen Widerstandes doch füglich erreicht wurde, das war das beglückende Bewußtsein des großen Lehrers, mit welchem er seine irdische Wirksamkeit abschloß. Diesem Bewußtsein gab Moscheh nach den Andeutungen unserer Weisen in folgenden Worten Ausdruck, in welche er seine letzten Ermahnungen kleidete. Mit ihnen leitet