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Der Israelit · 1900-03-05 · Heft 19 (5.3.1900) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 19 (5.3.1900)
Date
1900-03-05
Page
– (sequence 20)
Language
German
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30 i i ii' Grossvaters R. Menachem um 117] 75 Frankreich wegen der dort herrschenden Judenverfolgungen und begab sich nach Deutschland. In Metz lernte er R. Elieser aus Metz (1195) kennen, hielt sich hier längere Zeit als dessen Schüler auf, verweilte einige Zeit in Mainz bei R. Elieser aus Mainz, ging dann, nachdem er längere Zeit bei R. Schemarja und R. Simcha in Speyer gehört batte, nach Verona, wo er Schüler des R. Eleasar aus Verona wurde. Von Verona aus kam er nach Wien. Hier weilte sein Schwiegervater R. Chajim ben Mose Cohen, seitdem er aus dem Kerker, wohin ihn Philipp August von Frankreich 1180 geworfen hatte, entlassen worden war. R. Abigedor lebte dort in der Wiener Neustadt, stand in wissenschaftlichem Verkehr mit einem anderen Schwiegersohn R. Chajims, namens R. Mose aus Coucy8) — dem Verfasser des Semag —, mit seinem Bruder R. Elieser und noch vielen anderen Gelehrten.9) R. Abigedor erfreute sich eines bedeutenden Rufes als Talmudist. Nicht allein in Österreich wandte man sich mit religiösen Anfragen an ihn und fügte sich seinen Anordnungen,10) auch aus vielen Gegenden Deutschlands legte man ihm religionsgesetzliche Fragen zur Entscheidung vor, die zum grossen Teil von den zeitgenössischen Gelehrten in ihre Werke aufgenommen wurden. Koryphäen, wie Isaak ben Mose Or-Sarua aus Wien und dessen Sohn Chajim, Mardochai ben Hillel, Ascher ben Jechiel, Zidkejahu ben Abraham, der Arzt, Meier ben Baruch aus Rothenburg, die Hag. Maim., der unbekannte Verfasser des Ritualwerkes Tania, die einer späteren Zeit angehörenden Joseph Kolon, Sabbathai Kohn, Joseph Kara richten sich bei rituellen Entscheidungen nach R. Abigedors Ansicht. Ausser den in den Werken anderer Gesetzeslehrer uns erhaltenen RGA des 8) Die Tossafoth zu Berachoth 14 b und 43 a zitieren ibn unter diesem Namen. Er ist Verfasser der Tossafoth Jeschanim zu Joma in welchen er auch seiner Tossafoth zu Pessarhim ged'-ukt (51 b.). Ausführlich berichtet über ihn Gross, Gallia 8. 557 ff. 9) Antwortschreiben des B. Isak Or-Sarua an R. Abigedor u. seinen Bruder R. Elieser, Or-Sarua I. p. 206.— Sal. Kohn in Ozar-liasfarim a. a 0. fasst die in Or-Sarua a. a. 0. sich findenden Worte 838 3*00 708 08*1 unrichtig auf und sieht hierin ein Responsum des Vaters des R. Isaak ben Mose an R. Abigedor und R. Elieser. Die bez. Worte sind jedoch, wie die Unterschrift — 73 pnil’ O0D — zeigt, ein Zusatz des R. Chajim Or-Sarua, der die Responsen seines Vaters aufgezeichuet haben dürfte. Von einem anderen Isaak Or-Sarua, einem Enkel des oben Genannten, hören wir erst durch Maharil (Amsterdamer Ausg. f. 20); von diesem kann doch unmöglich jenes Responsum in Or-Sarua «. a. 0. herrühren. R. Abigedor sind von seinen Schriften10) bekannt : 1. Kommentar zum Pentateuch. 2. Kommentar zu den fünf Megilloth. 3. Kommentar zu den Perikopen. 4. Sechs RGA im Cod. Hamburg Uff. 235 und weitere 3 RGA, welche Kohn, Mardochai ben Hillel 8. XXVI, veröffentlichte. 5. Ein Werk ethisch - moralischen Inhalts, Schaare hamussar. 6. Tossafoth Jeschanim zu Ketuboth 63 a und Erubin 14 und 92 a. 7. Die Selicha x*p: »o 'x und das Gebet x er: wi.11) Über die äusseren Lebensverhältnisse des R. Abigedor war ausser dem bereits Erwähnten nichts zu vermitteln. (Schluss folgt.) Zur Geschichte der Juden in Worms. Von 8. Rothschild, Worms. Der HI. Band von: „Geschichte der rheinischen Städtekultur mit besonderer Berücksichtigung von Worms“, herausgegeben von Prof. Boos in Basel ist erschienen. Er enthält für die Geschichte der Juden im allgemeinen und der von Worms im besondern schätzbares Material, von welchem ich einiges mitteilen möchte. Der Verfasser bespricht die Leiden der Juden während der Kreuzzüge, wo des „Reiches Kammerknechte“ für den oft prekären Schutz dem König jährlich den goldenen Opferpfennig, eine Kopfsteuer, die z. B. in Nürnberg jährlich zwischen 3 bis 4000 Gulden betrug bezahlen musste. Wie der König, so verstand es auch der Bischof und die U>) R. Chajim Or-Sarna führt iu seinem RGA 102 eine Responsensammlung des R. Abigedor an: 7"710D *7 303 7'LI j77L ]03 717J’38 11*371!J*71D 01310 0 3 0'0 0H31JJ .'lDl 7"LI OOD0 1J*37 »BO yi300 Dieses Resp. findet sich in den oben erwähnten Responsen unseres Hamburger Codex nicht vor. Auch in schihole haleket wird eine Responsensammlung des R. A. erwähnt 1*0131003 3P3 l"7J p* 38701- Dsgl. in Hag. Mord. Jebam. IV, 109 V"3 717JD8 '70 '31003 303 s. Kohn, Mord, b. H. p. 70 Anm. 3. Ausserdem werden in Cod. 43 der Cambr. Bibi., Schiller, Kat. der Cambridger Bibi. 8. 103, Peraschim des R. Abigedor gebracht; in Cod. 36 derselben Bibliothek, Schiller a. a. 0. 8. 66 wird R. Abigedor an 11 Stellen erwähnt. *') Znnz, Literaturgeschichte der synagogalen Poesie S. 313. Auf 8. 625 gibt Zunz ein handschriftlich vorha idenes Verzeichnis von 22 SelicLoth-Verfass rn, unter welchen auch R. Abigedor sich befindet: 717J*38 '7 }030 1*7081 .017081 87pJ »D '8 73*00 Dieses 1*7081 kann sich, wie Zunz schon bemerkt, nicht auf die Nachfolge in der Zeit beziehen.

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