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Der Israelit · 1900-03-05 · Heft 19 (5.3.1900) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 19 (5.3.1900)
Date
1900-03-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Hetzen gedachten, und schien es fast, daß Heine sein bestes Werk erst diesen Ereignissen zu Grunde legte. Die Bewegung war eine solche, daß Sonnenthal einige Momente unterbrechen mußte. Als dann die einzelnen Punkte der Hagadah unseren Geist in Wallung versetzte und die Erzählung vom Böcklein unsere Lachmuskeln in Anspruch nahm, da war es abermals Meister Sonnenthal, der ein Bravourstück ausführte, das wohl seinesgleichen nicht mehr aufzuweisen hat. Daß der Jubel, der dem Maestro zu Theil ward, nicht mehr überboten werden konnte und der Enthusiasmus kein Ende zu nehmen schien, bedarf nicht erst der Erwähnung und glauben wir der Meinung Ausdruck geben zu dürfen, daß der Abend dreien Parteien zur vollsten Ehre gereichte: den Manen des verstorbenen Lieblingsdichters unserer verewigten Monarchin, dem gottbegnadeten Künstler, der treu und unentwegt zu unserer heiligen Religionsgenossenschaft hält und der erwähnten Gesellschaft, die mit gerechtem Stolz auf den eben beendeten Vortragscyclus blicken kann und die den Beweis in vollstem Sinne des Wortes erbrachte, daß sie unter den hier existirenden zum Wohle des Judenthums gestifteten Vereinen die erste Stelle einzunehmen berufen ist. Möge sie auch in Zukunft diese erhabene Position fest- und Hochhalten! Das sehr reichhaltige Museum der Gesellschaft, Rathhausstraße 13, erfreut sich gleichfalls einer außerordentlich steigenden Frequenz, sowohl nach der Zahl der Besucher, als auch der einlangenden Objecte; dieser Tage beehrte der auf der Durchreise in Wien gewesene ehrwürdige Oberrabbiner Schreiber aus Preßburg die Sammlungen mit seinem fast einstündigen Besuche und trug seinen erleuchteten Namen in das aufliegende Gedenkbuch. Wir machen zur bevorstehenden Reisesaison unsere Glaubensbrüder auf das Museum aufmerksam, das gewöhnlich am heiligen Sabbat von 11 bis 1 Uhr, jedoch gegen vorherige Anmeldung zu beliebiger Stunde geöffnet ist. Emil Jelinek. Krakau, 28. Febr. In der Affaire des verschwundenen Judenmädchens Araten richtete in der Sitzung des Polenclubs Abg. Dr. Byk eine Ansprache an den Minister Pientak. Hierbei führte er aus, daß diese Klosterangelegenheit dem in jeder Religion und jedem bürgerlichen Gesetze tief wurzelnden Vaterrechte geradezu Hohn spreche. Jeder Schutz durch die maßgebenden Behörden erweise sich unzulänglich. Die Sache stehe nicht vereinzelt da, da viele unreife Mädchen in Klöstern zurückgehalten würden; so beherberge das Krakauer Felicianerinnenkloster jetzt 60 Mädchen. Den nachforschenden Vätern werde die Thüre gewiesen. — Und das alles ist möglich in einem civilisirten Staatswesen des 20. Jahrhunderts! — Hier wurde in zahlreichen Exemplaren eine in den heftigsten Ausdrücken abgefaßte antisemitische Proklamation ausgestreut, welche die Universitätshörer auffordert, einem akademischen Antisemtenvereine beizutreten. Die Unterschriften auf der Proklamation er- «WMWWNWWWW 372 / wiesen sich als gefälscht. Die Proklamation beginnt mit den Worten: „Fort mit den Juden" und schließt mit dem Ausrufe: „Tod den Juden." Die Staatsanwaltschaft hat eine strafrechtliche Untersuchung eingeleitet. Prag. (Der alte jüdische Fried Hof in Prag.) Dieser Tage fand die Commission, betreffend die Expropriation des alten jüdischen Friedhofes, oon dem nach dem neuen Regulirungsplane ein Streifen wegrasirt werden soll, unter Leitung des Bezirtscommissärs Mahling statt. Die Vertreter der israelitischen Beerdigungs-Vrudkrschaft, die Herren Hermann Jnwald und Hermann Schütz, mit ihrem Rechts freunde, dem gewesenen Prager Bürgermeister Dr. Czerny, haben gegen die angesuchte Expropriation Einwendungen erhoben und bei der Commission den An trag gestellt, die Expropriationsverhandlung zu unterbrechen und vorher nochmals an den Prager Stadtrath lvegen einer Aenderung des Planes heranzutreten, welche die Erhaltung des Friedhofes ermöglichen würde. Da sich die in der Commission anwesenden Vertreter des Stadtrathes diesem Ansuchen anschlossen, wurde die Verhandlung unterbrochen und wird erst nach Maßgabe der diesfälligen Berathungen auf Verlangen des Prager Stadtrathes wieder ausgenommen werden. S p r c ch s a a l. Tüddentschland wird uns geschrieben: Ich lese heute mit Interesse in der Nummer vom 16. d. M. einen Artikel aus Heidelberg, als Antwort auf den Aufsatz den „Niedergang des Zionismus" betreffend und finde so an der Stelle, wo der Verfasser sagt, daß der Zionismus die Religion ausschließe, Ihre Bemerkung, „daß es das gerade ist, was wir am Zionismus bedauern." Es sei mir nun als „Orthodoxen" gestattet, einige Worte über diesen angeblichen Fehler der zionistischen Bewegung von meinem Standpunkte aus zu sagen. Wenn wir den Zionismus betrachten, wie er sich heute uns darstellt, und die ihn hervorrufenden Umstände, so finden wir: Die Juden Rußlands, Galiziens, Rumäniens leben in Zuständen, aus denen heraus ihnen unbedingt geholfen werden muß. Wie kann ihnen geholfen werden? Nur durch die Expatriirung, darüber ist wohl kein Zweifel.*) Diese Juden sind selbst aber materiell nicht in der Lage, dies Mittel anzuwenden und so sind die besser situirten ihrer Brüder verpflichtet, sie in andere Lebensbedingungen zu bringen. Wer sind die besser Situirten? Die westeuropäischen Juden. Es ist also Sache derjenigen, die das Unglück ihrer Brüder erfassen und die helfen wollen, die übrigen sich ihrer Pflicht noch nicht Bewußten zu dem Hilfswerk heranzuziehen. sie für die Sache zu begeistern. Der größte Theil der westeuropäischen Judenheit ist nun neoloq, nur Wenige stehen auf traditionell-aesetzestreuem Standpunkt. *) Darüber wird es doch wohl noch manche Zweifel geben. Red.

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