Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 19 (5.3.1900)
- Date
- 1900-03-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449049-2449068--50199-2500637- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
370 herangebildet werden, damit sie dir auch für die ihnen erwiesenen irdischenWohlthaten wirklich zu danken der- I mögen und zu danken berechtigt sind. Al tischkoch, vergiß nicht die Pflege beider Momente, um hierdurch wahrhaften Segen deiner Familie und dem Gesammtvolke zu verschaffen. Hast du aber diese Momente vergeffen, bist du selbst dem Verführer anheimgefallen, und hast du selbst den geistigen Lebenszweck unbeachtet gelassen, hast du so in deiner Familie eine Quelle der Unreinheit und Unlauterkeit geschaffen, so erinnert dich der auf Purim folgende Sabbat Parah, daß Gottes Schutz und Beistand auch demjenigen beistehe, der den Körper beachtete, doch den Geist nicht gemessen, wenn er sich in Wahrheit zur Wiedergewinnung verlorener Heiligkeit und verlorenen selbständig Gott dienenden Lebens erheben will. In der Unreinheit selbst eröffnet sich ihm alsdann eine Quelle der Reinheit. Dann erfüllt Gott jenes unserem Stammvater Abraham gegebene Versprechen: -eye xce^ ‘np'r -exrv cno mer 'p-l? fr:: pn -tBN rix Tnc s>'x prx: rxenn re'-itr Wenn deine Kinder der Sünde anheimgefallen, der Purpurwolle gleich roth durch ihre Verirrungen erscheinen, ihre Jugendkraft aber bezwingen, zurückkehren zum himmlischen Allvater b%v rrS* nbv xb itrx bevor noch die Zuchtruthe des himmlischen Richters sie getroffen, rrepn nt *rnc trx rcx:, dann wird jenes einig-einzige, geistige Wesen, der Heilige, gelobt sei Er, verzeihend auf sie herabblicken und sein himmlisches Wohlwollen ihnen zuwenden. lind diese Erkennniß trägt bei zur Begründung des Glückes unseres Gesammivolkes, das durch die Paraschat hachodesch geschildert wird. cxi erb mn vnnn “:trn eoV x*n ptnr c*tr-r dieser Monat sei Euch das Haupt der Monate, der Erste sei er euch für die Monate des Jahres. Die Geisteserhebung, welche Paraschat Para hervorgerufen, führte zur vollständigen Beglückung Israels. Der Neumond veranschaulicht das Bild der aufsteigenden und absteigenden Glücksleiter. Wenn Israel durch seine Beschäftigung mit Thora und guten Werken zu immer höherer, geistiger Vervollkommnung sich erhebt, wird es auch in irdischer Beziehung beglückt werden. Es gleicht dann dem zunehmenden Monde, der erst nur eine kleine, erleuchtete Scheibe uns zuwendet, nach und nach aber als Vollmond, vollständig erleuchtet, den Erdball bestrahlt. Wenn jedoch Israel nur dem Irdischen anhanget, das Geistige und Heilige vernachlässigt, so macht sich an ihm auch in irdischer Beziehung ein Rückgang bemerkbar, gleich dem abnehmenden Monde, der immer mehr und mehr sein Licht der Erde entzieht. Hierauf deutet des Midrasch Wort 'xb ex: vrxSa1’ r x pro crx cre: ex *nx pro crx seid ihr würdig, so werdet ihr des Mondes Berechnung in seiner zunehmenden Gestalt veranschaulichen, im entgegengesetzten Falle hingegen dem Bilde des abnehmenden Mondes gleichen. Beherzigen wir diese herrlichen Lehren, welche die vier Parschioth uns übermitteln, dann werden wir in geistiger und irdischer Beziehung immer höher steigen und sich an uns bewahrheiten das Wort des Midrasck r'xbob \rx pro crx errzt ex. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. D e u t s ch l a n d. Berlin. 27. Febr. Wie verlautet, beabsichtigen einige hervorragende Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde, sich demnächst mit einem Aufrufe an die jüdische Bevölkerung nicht nur Berlins, sondern von ganz Deutschland zu wenden im Interesse der zahlreichen seit dem 20. Februar d. I. brotlos gewordenen jüdischen Bergarbeiter von Boryslaw in Galizien. An diesem Tage mußten alle von dem neuen österreichischen Bergwerksgesetze betroffenen Schächte geschlossen werden. Hierdurch sind hauptsächlich in Borislaw etwa 1000 jüdische Familien beschäftigungslos geworden. Nach einer vor Kurzem von dem österreichischen Abgeordneten Pernerstorfer angestellten Enquete sind in Borislaw 3000 jüdische Bergwerksarbeiter thätig: es sind bescheidene, fleißige Arbeitskräfte, die 60 bis 80 Kreuzer täglich bei sechzehnstündiger Arbeitszeit verdienten. Diese Leute sind gegenwärtig fast buchstäblich dem Hungertode ausgesetzt. Berlin. Der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund" eröffnet am 1. April d. I. „einen Cursus zur muütalischen Fortbildung jüdischer Cantoren." Die fer Cursus ist unentgeltlich und steht jedem staatlich geprüften Lehrer offen. Er wird unter der Leitung der Herren Musikdirector William Wolf und Cantor A. Fried m a n n stattfinden, und zwar während der Monate April , Mai und Juni. Refleetanten wollen sich an das „Bureau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes Berlin W., Sigismundstraße 5," wenden, das ihnen auch die Zeit und den Qrt der Vorträge mittheilen wird. Bruch i. W. Am hiesigen Platze wohnen zur Zeit vierzehn jüdische Familien, mit ca. 70 Köpfen, welche zur Shnagvgen-Gemeinde Recklinghausen gehören. Indem es für die hiesigen Israeliten mit großen Umständen verknüpft ist, die über eine Stunde entfernte Synagoge zu besuchen, und selbst bei Jahrzeiten es sehr schwer war, in Recklinghausen Minjan zu bekommen, sahen sich die hiesigen Israeliten veranlaßt, im Herbst v. I. eine Chewro zu gründen. Diesem Beispiel folgten sehr bald auch die hiesigen jüdischen Frauen durch Gründung eines Frauenvereins. Doch mit Freude muß es begrüßt werden, daß sich die Familienväter, welche aus Rheinländer, Westfalen, Hessen, Altpreußen etc. bestehen, hiermit noch nicht zufrieden geben. sondern allseitig beschlossen, einen Betsaal einzurichten, um an Sabbat und Festtagen ihren Gottesdienst abhalten zu können. Dieselben haben nun zur