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Der Israelit · 1900-02-28 · Heft 18 (28.2.1900) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 18 (28.2.1900)
Date
1900-02-28
Page
– (sequence 18)
Language
German
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','•1- 354 Hierauf nahm Dr. Ernst T u ch aus Hamburg das Wort und wies darauf hin, daß jetzt drei verschiedene Klaffen von Juden existirten. Die erste negire die Judenfrage einfach oder gebe wenigstens vor, es zu thun, die zweite sehe die antisemitische Sturzwelle, welche Europa verheert, als ein Strafgericht Gottes an, dem man sich ohne Murren zu unterwerfen habe, die dritte Klaffe aber versuche aus den letzten Dezennien Lehren zu ziehen und mit Optimismus und Energie, die den Juden eigen, an der Verbesserung des heutigen Zustandes zu arbeiten. Letzteren Weg wolle auch der Verein einschlagen. Hierauf führte Dr. Tuch aus, daß der Antisemitismus sich fast ausschließlich im Mittelstände finde, das Proletariat tenne ihn nicht und in den höchsten Ständen käme er nur vereinzelt vor. Das Proletariat habe keinen Judenhaß, weil es als einheitliche Masse gemeinsamem Druck ausgesetzt sei, im Mittelstände aber liege die Gefahr vor, niedergedrückt zu werden. Um den Ruin des kleinen Kaufmanns zu erkenne, bedürfe es nur eines Blickes in die Städte, wo die großen Waarenhäuser aus der Erde wachsen. Bei diesem Verzweiflungskampf um die Existenz sei es nicht zu verwundern, wenn sich der Mittelstand so viel als möglich von der Konkurrenz befreien wolle, die zum großen Theil aus Juden bestehe. Von diesem Standpunkte aus gesehen, lasse sich auch über den Antisemitismus ein mildes Urtheil fällen. Es muß hier eine große wirthschaftliche Reform Platz greifen. Es ist nutzlos, vorzuschlagen, die Juden sollten sich Handwerk und Industrie zuwenden, wenn man nicht geprüft hat, ob diese Stände fähig sind, noch Juden in Massen aufzunehmen. Handwerk, Industrie und die gelehrten Berufe sind schon überfüllt, sodaß also nur noch die Landwirthschaft bleibt. Dies ist der Stand, Der sich selbst und dem Vaterlande zu Nutzen, Juden in Schaaren aufnehmen kann. Der Einwand, daß dieser Beruf darniederliege und der deutsche Grund und Boden seine Bewohner nicht ernähren könne, ist grundfalsch. Dank der Forschungen von Soziologen und Agrarpolitikern hat es sich ergeben, daß die Landwirthschaft sich nur so schlecht rentirt, weil die Bodenkultur nicht rationell betrieben wird, weil Deutschland nicht genug Hülfskräfte aus dem Lande hat. Redner wies sodann auf die segensreiche Einrichtungen der Genossenschaften hin, jedenfalls würde man sich dieser auch bedienen müssen, wenn man Juden aus deutschem Boden ansiedeln wolle. Auch den Einwand von der physischen Schwäche der Juden widerlegte Redner durch den Beweis der Anwesenheit im deutschen Heer und durch die große Zahl ackerbautreibender Juden in Palästina und Galizien. Ursprünglich seien die Juden ein Ackerbau treibendes Volk gewesen und gebe man sie diesem Berufe zurück, so werden sie ein junges Geschlecht erziehen, das allen Stürinen Trotz bieten werde. Die Pioniere zu dieser großen kulturgeschichtlichen Bewegung würden ausgebildet in der 1893 in Ahlem vom Konsul A. M. Simon gegründeten Anstalt, die einzig in ihrer Art in Deutschland dasteht. Sie besteht aus einer Volksschule und einem Institut für Lehrlinge in Gartenbau und Landlvirthschaft. Zum Schluß forderte Redner die Anwesenden auf, soweit in ihren Kräften stehe, zur Förderung der Ziele des Vereins beizutragen, so werde Antisemitismus schwinden und Deutschland könne sich anderen großen Kulturaufgaben zuwenden ohne auf die kleinen inneren Zwistigkeiten achten zu müssen. R u ß l a nd. Wilna. Herr Ahron E l i a s b e r g in Heidelberg macht sich's doch etwas zu bequem, wenn er unbequeme Gegner vom Schlage eines Rabbiner Rabv i n o w i t s ch aus Poltawa, nach den Gepflogenheiten der russisch-jüdischen Presse, durch Verdächtigungen und Beschimpfungen zu discretitiren, statt zu widerlegen sucht. Diese Verdächtigungen waren übrigens widerlegt, bevor sie Herr Eliasberg ausgesprochen hat. Was derselbe zur Sache vorbringt, bedarf keines Wortes der Entgegnung, das ist bereits in meinem Aufsatze: „Der Niedergang des Zionismus" geschehen. Ich will deßhalb die gesch. Leser für heute nur aus die Widerlegung aufmerksam machen, die der Herr Rabbiner von Poltawa selber seinen Verdächtigern zu Theil werden läßt. Zu diesem Zwecke möge hier die Wiedergabe eine Passus aus seiner Schrift: vp-x -s nruw folgen, in welcher er sich über die Verdächtigung, als bekämpfe er nur deßhalb den Zionismus, äußert. Er schickt zu diesem Zwecke zunächst drei Briefe von R. S. Mohilewer s. A. und dem Redacteur des voraus, also von Autoritäten, die auch bei den Zionisten als solche gelten. Diese Briefe bezeugen die hohe Achtung der Verfasser in so rückhaltloser Weise, daß dieselben genügen, um den Verdächtigten auch bei denjenigen, die ihn und seine Wirksamkeit nicht persönlich kennen, über alle Verdächtigungen zu erheben. Derselbe fährt dann fort: „Mir war der diplomatische Schachzug, den man auf dem zweiten Baseler Congreß gethan hat, von vornhinein klar. Als ich meine Forderungen und Bedenken vor dem zweiten Baseler Congreß geltend machte, wie ick sie in Warschau und Basel längst vor der Wahl des Aktions-Komitees gestellt hatte, hörte ich keine andere Antwort auf meine Bemerkungen, als die armselige Verleumdung, die zuerst der „Jehudi" und nach ihm seine gleichgesinnten „Freunde der Wahrheit" ausstreuten: „Nur aus Verdruß, weil ich nicht in die Leitung gewählt worden sei, wolle ich mich an dem Zionismus rächen." Auf diese Weise wollte man mich discreditiren, herabwürdigen und verkleinern in den Augen derjenigen, die mich kennen, damit meine Worte kein Gehör finden sollen bei der großen Gesammtheit, der ich meine Schrift “twm vorgelegt habe. „Ich will nicht darüber urtheilen, ob dieses Gebahren zur „hebräischen Kultur" gehört" oder zu „den alten Eigenthümlichkeiten der Heiligen Israels" zählt. Unsere verehrten Schriftsteller, diese Bannerträger der Toleranz aus der „goldenen Mittelstraße" des „Hameliz,"werden doch nicht in die antisemitische Ge- C kr n C ki d tr n 6 s' il 2 b h z g v g s e 1 h r 2 e c l t 3? f \ t j k 5 f .! I 1 s t i 1

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