Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-02-28 · Heft 18 (28.2.1900) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 18 (28.2.1900)
Date
1900-02-28
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449067--50175-2500612
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

[ 355 pflogenheit verfallen, nach welcher der Zweck alle Mittel heiligt, indem sie den guten Namen ihrer Mitmenschen durch ausgesonnene Lügen der Verachtung preisgeben? Aber wie dem auch sei, glauben Sie wirklich, verehrte Kulturkämpfer, daß sich auf diese Weise meine Bedenken und Anforderungen aus der Welt schaffen ließen, die doch laut vieler Zeugen das Gepräge der Wahrheit tragen? Im Gegentheil, mit Verlaub, meine Herren, wollen Sie doch ein wenig über folgendes Gleichniß Nachdenken: Eine Verschwörerbande hat einem ihrer Genossen nicht seine Anforderungen bewilligt. Dieser geht zum Statsanwalt und verräth ihm, daß seine Genossen den königlichen Schatz zu unterminiren beabsichtigen. Wird der Staatsanwalt einen solchen Angeber mit den Worten zurückweisen: Ich lege Deinen Denunziationen keinen Werth bei, denn Du handelst nicht aus redlicher Gesinnung, sondern aus Groll gegen Deine Spießgesellen, weil sie Dir nicht gewährt haben, was Du von ihnen verlangt hast? So auch hier, verehrte Kulturkämpfer. Wenn Alles auch so wäre, wie Ihr sagt, bei allem, was ich bisher geredet, geschrieben, gedruckt und erzählt habe, hätte ich keine andere Absicht gehabt, als mein MUthchen zu kühlen, weil ich keinerlei Aemtchen bekommen habe, genügt diese eine Antwort, alle meine Fragen zu beantworten, die ich gestellt habe? Ich habe aus Euren längst gefaßten Beschlüßen den Nachweis erbracht, daß diese sogenannten Kulturbestrebungen in Euren Augen den eigentlichen, wahren Zionismus ausmachen. Ihr seid im Begriffe, den Ehrensitz unseres Gesetzes und unserer heiligen Thora zu unterminiren, nach der Auffassung unserer gesetzestreuen Brüder! Ihr bestreitet es? Bringt doch Alles, was Ihr vorzubringen habt, gebt eine klare, allen verständliche Antwort auf all die Fragen meiner Schrift im Allgemeinen und über ihr Fragekapitel: insbesondere! Klärt uns doch darüber auf, warum vor allen Luftschlössern, die Ihr zu Gunsten unseres Volkes zu bauen versprochen habt, Ihr zu a l l e r e r st die Gründung einer Unterrichtsanstalt in Jerusalem anstrebt, in welcher die Heranwachsende Generation nach Euren Anschauungen erzogen werden soll? Es handelt sich dabei doch um ein Unternehmen, das unsere großen Volkskreise niemals Händen anvertrauen würde, die ungezügelt alles Heilige blasphemiren und sich über die praktische Erfüllung der Mizwoth hinwegsetzen, auch wenn man tausendmal versichert, man wolle das dem Volke durch Ueberlieferung Heilige in keiner Weise antasten!" (Es folgen dannAuszüge aus einem zionistischen Rundschreiben, welches der künftigen Erleuchtung gegenüber der Finsterniß der Vergangenheit das Wort redet und den »«in rssi fpTn zum besonderen Gegenstände hat und schließt dann mit einer Fülle von anderen Belegen, welche den Staub veranschaulichen, den man in die Augen harmloser Leser streut, damit ihr Blick für die thatsächliche Wahrheit getrübt werde.) Falls Herrn Eliasberg diese Citate noch nicht genügen, so möge er sie an Ort und Stelle nachschlagen und statt verdächtigen, widerlegen! England. London. Im Jewish Chronicle theilt ein Correspondent Genaueres über den jetzt gemachten Versuch, rumänische Juden in Kleinasien anzusiedeln, mit. Die Mohamedaner aus der Drobudza wandern nach der Türkei aus, weil ihnen die rumänische Herrschaft nicht gefällt, und werden von der türkischen Regierung in den spärlich bewohnten Provinzen Anatoliens angesiedelt. Die Juden der Dobrudza, bei denen die Regierung des Sultan in gutem Ansehen steht, möchten am liebsten diesem Beispiele folgen, doch werden sie von der Furcht zurückgehalten, daß die Türkei ihnen als Juden die Einwanderung verwehren würde. Vor einigen Monaten machten indessen 38 junge Leute aus Tulza und 21 Familien vom Lande, im Ganzen 160 Seelen, den Versuch, sich ihren mohamedanischen Landsleuten anzuschließen. So arm waren diese Auswanderer, daß selbst der kleine Betrag von 6—7 Mark, den die Reise nach Konstantinopel kostete, wohlthätige Glaubensgenossen bezahlen mußten. In Konstantinopel kamen sie, von dem Nothwendigsten entblößt, an, wurden ohne weiteres von den türkischen Behörden nach Jsmid weiter befördert, und zunächst hier von denselben mit Brod versehen, sowie nothdürftig einquartirt. Später bekamen sie 30 Paara pro Tag und nach Verlauf einiger Zeit wies man ihnen ein Stück Land in Beylik-Ahour an der Bahn zwischen Vakischer und Angora zu. Jeder Mann erhielt 30 Dunam, gleich 5 STcreä Land, und soll später jeder einzelne so viel erhalten, als er bebauen kann. Auch Saatgetreide sollen die Ansiedler von der türkischen Regierung erhalten. Angeblich ist für noch 100 Familien, die noch in Tulza wohnen, die Erlaubniß zur Einwanderung unter denselben Bedingungen ertheilt worden. Man wird abwarten müssen, wie sich der neue Ansiedlungsversuch bewähren wird, und ob die türkischen Autoritäten so freundlich, wie bisher, gesinnt bleiben. P a l ä st i n a. Jerusalem. Die hiesigen Juden, welche englische Untertbanen sind, veranstalteten am 10. Januar einen Gottesdienst, um für die englischen Waffen in dem südafrikanischen Kriege den Schutz Gottes und den Sieg zu erflehen. Dem Gottesdienste wohnte natürlich der englische Consul bei und die Spitzen der hiesigen englischen Colonie. Von jüdischen Notabilitäten waren die beiden Oberrabbiner anwesend. Jsaac Jebuda predigte in reinem Hebräisch und gab der Dankbarkeit der Juden für das tolerante England beredten Ausdruck. Nach den üblichen Gebeten für die Königin von England und für den Sultan schloß die eindrucksvolle Feier. — Miß Olga d'Avigdor hat in der Evelina Rothschild Schule so viel Arbeit gefunden, daß sie ihren Aufenthalt hier noch verlängern mußte u"d erst am 14. Januar nach Rischon le Zion abreisen konnte.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.