Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 18 (28.2.1900)
- Date
- 1900-02-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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m I-' 1 .■- 346 nicht nehmen, den Oraun der Tauro mit eigenen Händen herzustellen, bei dieser wichtigsten aller Lebensauf gaben setzte er selbst seine Gedanken tu Thaten um. Sein Lebensziel war der Oraun nut den beiden einander zugewandten Engelsgesichtern, die aber hi erster Linie ei hakapaures blickten. Bei feinem Thun und Lasten liest }(d) der Mann int vollsten Sinne des Wortes nicht von der grosten Oefsentlichkeit illspiriren, im Gegentheil, er errrug mit Mannesmuth die öffentlichen Vttenen und Blicke, was isch el ochiw einer dem andern zuivinkte, war ihm gleichgültig; denn el ha-kapaures yoju pnei ha-t'ruwim, seine Engel hatten ihre Augen unverwandt nach dem Teckel der GotteSlade gerichtet. Mit einem wirkungsvollen Appell an die Gefammtheit und an den Einzelnen, das Gelöbniß: selbst Träger der Tauro, auch ein Traun sein zu wollen, von dieser Stelle mit sortzunehmen, endigte Redner mit dem Trostesworte utnochoh hafchem dimoh me-al kol ponim, daß alsdann Haschem die Thränen jedes Auges trocknen wird. Töne tiefer Trauer erklangen auch in der Trauerrede des Herrn Dr. M u n t - Marburg. Redner ries seinem verklärten Lehrer u. Amtsbruder tiefempfunden die Worte nach: Hazetvi Iisroel al boinostecho cholol Israel, auf deinen Höhen liegt darnieder. Düe Thatfache, daß in der jüngstvergangenen Zeit gar viele anerkannte Gedaulim, über welche der Dust der Libanonszedern ausgeschüttet war, aus ihrer Erdenlausbahn in die himmlischen Gefilde abberusen worden sind, läßt Redner in die Worte auSbrechen: tvesaumar lamaloch heres jodecho. In knappen Zügen gab er darauf ein Bild vom Rav s. A., als seinem einstigen Lehrer und stellt dann seinen bisherigen Berkehr mit ihm als AmtSbruder daneben, in welchem derselbe, obwohl er der Aeltere und Erfahrenere tvar, stets die seltene Anowo erkennen ließ. Weit er ein Oraun werden wollte, gab er seine Direttorstelle an der Schule aus, und so ist er auch dem Bezalel gleichzustellen, von dem es beißt: wa-jaaß Bezalel es ho-oraun, er verfertigte die die Gottestafeln bergende Lade mit seinen eigenen Meisterhänden. Wie unsere alten Erklärer s. A. sagen, hängt es ganz vom Oraun, dem Tauro-Trager ab, ob der Inhalt aus ganzen oder Schivre-Luchaus besteht. Einem Manne, dessen Lebensinhalt mit der größten Mizwo we-astif'em li oraun zusammenfällt, >vird sicherlich die glückliche Folge derselben zu Theil lverden .7XV? TliEJt "[Z'.’C Z~ 7!2 In unabsehbarem Zuge bewegte sich jetzt die Trauerversammlung nach dem Beth olam. Bevor die letzte Ruhestätte den ob seines schönen Lebens preisenswerthen Mann aufnahm, rief ihm noch Herr Dr. Marx- Darmstadt ein treu gemeintes Lech lescholaum zu. Mit Bezugnahme aus den Midrasch, bezeichnete Redner als des Dahingeschiedenen Eigenschaft, seinen unermüdlichen Drang zum jüdischen Lebensquell, zur Tauro. Sein Leben war die glücklichste Vermählung der Tauro mit Awaudo und G'milus Chassoditn, ein reiner harmonischer Zusammenklang des Sch'ma und des We-ohawto. Redner schloß mit der ernsten Aufforderung, daß ein Jeder nach seinem VorLilde ein ' Oraun, eine Stütze der Zkeser schel Tauro werde, sei und bleibe, auf daß der mit diesem redlichen Wolle» Erfüllte den tckauhanim gleich selbst tvieder durch die Gotteslade emporgetragen, gestützt und gekrästigt werde. Zum Schlüsse sprach Herr Dr. H i r s ch f e t d - Gießen. In anmutheuder Weife führte derselbe den Widerspruch des Schetuloh missoson mir dent koscheh siluiin vor, daß in e i n e r Midraschstelte der Tod der Gerechten der Tempelzerstöruug als von gleichwerthiger Tragtveite gegenüber gestellt lvird, nach einem z >v e i t e n Rti drasch-Ausfpruche aber das Scheiden der Gerechten fitr das Iudenthum von größerer Schwere sei als der ein Flammenraub getvordene Tempel. Der Schlüssel zu diesem Räthsel liegt in folgender Erklärung: Dem Temvelruin gleich ist der Tod der Zadikim dann, lvenn bei diesen lvie bei jenen, nur die Mauern gefallen sind, das Unsterbliche des Unsterblichen aber, der Geist, gerettet lvird. Eine Vernichtung des Gerechten, die den Tentpelverlust namhaft überwiegt, tväre es dann, lvenli mit dem sterblchen Theile eines Isch jehudi auch sein Geist zu Grabe getragen lvird. Erst mit dem Augen blick lvird sich die tk'hilo Hanau verwaist fühlen, wenn aus ihrem R'hilo-Leben der Geist ihres seligen Rabbiners Dr. R 0 r e f verbannt werden könnte. Im Trauerhause ergriff nach dem Minchah-Gebet Herr Dr. W a ch e n h e i in e r - Aschafsenburg das Wort, um auszuführen, daß der Verblichene durch sein liebensiviirdiges Entgegenkommen gegen Jedermann es verstand, sich die Zuneigung aller, namentlich aber der jüngeren Rabbiner, mit lvelchen er in Berührung kam, zu erwerben lind lvie er diesen dadurch ein leuchtendes Vorbild gelvesen, dessen Verlust nicht nur von seiner tiefgebeugten Familie, sondern von der Gesammtheit Israels, besonders aber von seinen Eollegen tief betrauert lvird. Darauf tonnte, wenn alich die Zeit schon sehr vorgeschritten lvar, Herr Lehrer S t r a u ß - Gelnhausen es doch nicht unterdrücken, in kurzen Worten dem Verklärten den Dank abzustatten, lvelchen seine Lehrer und die ihm unterstellten Beamten ihm in so reichent Maße schuldeten. In herzzerreißender Weise führte er aus, lvie der Heimgegangene stets gerade diesen ein Helfer und Tröster in der Roth, ein stets bereiter Beistand in jeder mißlichen Lage lvar und lvie jeder, der sein Studierzimmer, seine Welt, auch noch so gebeugt und verziveifelt betrat, lvieder aufgerichtet und vertrauensvoll dasselbe verließ, so daß die Lehrer in ihm mit der Fa milie einen Vater verloren haben. Mit dem Ausrufe 'r — “unser Mordechai ist nicht mehr! schloß er seine tiesergreisendeu Worte. Dem Wunsche des Verklärten zufolge ruht bei seiner sterblichen Hülle auch eine rrm -ied der Inbegriff seines Lebens. Möge sich an ihm das Wort erfüllen: -zx:~ . -rrtz’- x\- mrpm 777 Tce»n ~\zzvz (Anmerkung der Redaction. In unserer vorigen A'otiz über das Hinscheiden des Herrn Dr. Koref war gesagt, daß sein Vorgänger, Herr Rabbiner Felsenstein, auf neologem Boden stand. Wie lvir nun nachträglich erfahren, soll das durchaus ilicht der Fall gewesen sein.