Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 18 (28.2.1900)
- Date
- 1900-02-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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41. Jahrgang. Erste Beilage M M18 -es »Israelit". Leitender Artikel. pMWslrMiller Dr. M. Kares Tür- Hanau, 21. Februar. Nach unter dem frischen Eindrücke des Tages stehend, seien dessen bedeutungsvolle Nachmittagsstunden für unsere K'hilo in kurzen Strichen festgehalten. Das Leichenbegängniß unseres verehrten Rabbiners, des Herrn Dr. M. K o r e f s. A., gestaltete stch zu einer imposanten Kundgebung der Trauer und der Theilnahme, sowohl bei Juden, als auch bei Nicht-Jsraeliten. Aus allen Gemeinden des Rabbinatsbezirkes wohin die Kunde von dem plötzlichen Ableben des geistlichen Oberhauptes gedrungen war, ganz besonders aber aus dem benachbarten Frankfurt, eilten die Freunde herbei, um dem verehrten Rabbiner das Ehrengeleite zu geben. Da man vermuthete, daß schon im Trauerhause der Reigen der Hespedim eröffnet werden würde, hatte sich schon frühzeitig eine große Zahl der herbeigeeilten Freunde dorthin begeben. Allein der Raum, worin der Oraun stand, war zu klein, um Alle aufzunehmen. Es war daher nur Wenigen vergönnt, den ergreifenden Worten des Herrn Dr. H o r o w i tz - Frankfurt zu lauschen, der sich von seinem theuren Freunde verabschiedete, dem er als Schönstes nachrühmte, ein innerlich großer Mensch gewesen zu sein. Redner verglich dessen Leben dem in Vorhof, Heiliges und Allerheiligstes sich gliedernden Mischkon. Den Vorhof, in welchem der Verklärte so segensreich wirkte, stelle die weite Oeffentlichkeit dar. Auf dem „Erdenaltar (Misbach adomoh) opferte der von hinnen gegangene Edle stets willigen Herzens die besten Gaben edler Menschlichkeit. In sinniger Weise führte Redner unter Hinweis auf den Midrasch aus, daß der stets auf Frieden bedachte Gotteskämpser manches Pfund Silber zu Wowei hoamudim verwendet hätte zur Verbindung der in seiner Gemeinde das Gotteszelt tragenden Säulen. Sein Familienleben aber bedeutete ihm zeitlebens ein von einem goldenen Kranze (Ser sohow) umschlungenes Mikdosch. Auf dem „gedeckten" Tische standen Tauro und Menauro obenan. Kaudesch Hcrkodoschim war sein inneres Leben zu nennen, in welchem der von den Cherubim beschirmte Oraun den größten Raum ausfüllte. Redner schloß hierauf mit einem herzlichen Abschiedsworte an den Heimgegangenen Freund. Auf seinen eigenen Wunsch hin wurde nun die irdische Hülle unseres seeligen Rabbiners nach der Synagoge verbracht und zu Füßen des Oraun hakaudesch niedergelegt. In den heiligen Räumen bestieg jetzt Herr Landrabbiner Dr. Prager- Caffel die Kanzel, um, ankniipfend an die Midraschstelle Eljaunim mewakschim eß Rabbi in dem Hinscheiden des Verklärten den Verlust für uns Tachtaunim zu betrauern. Redner schilderte sodann das Wirken und Streben des edlen Mannes als einen großen Kampf für die idealsten Güter des Judenthums, was er speciell der Gemeinde, dem Bezirke, und wie er vor allem der Stolz seiner Familie gewesen ist. Doch der jüdische Gottesgedanke gestatte eine jedes andere Gefühl ertötende Klage nicht. Letztere muffe der Freude weichen, daß wir in diesem Zadik einen so kostbaren Juwel eine lange Reihe von Jahren besessen haben. An dem Posuk R'uh korossi beschem, Bezalel wußte Redner in sehr sympathischem Tone der mit reger Theilnahme folgenden Trauerversammlung klarzumachen, wie der Heimgegangene ein echter Priester des unsichtbaren göttlichen Heiligthums gewesen, der mit K'hunowürde auch Chochmoh, Thewunoh und Daaß auf's glücklichste verband. Tauro, Halocho und Talmud bildeten die drei Hauptzierden des Mannes, von dem man mit Recht sagen konnte, ulhauraus nosan belibau, daß er Sinn und Kenntniß besaß, um würdig und geeigenschaftet zur Entscheidung in halachischen Anfragen zu sein. Darum werden die drei Engelsschaaren, herbeieilend, ihn mit offenen Armen als den Ihrigen empfangen unter dem wechselnden Rufe jowau scholaum (er komme in Frieden) jonuchau al mischkewausom. Das schönste Zeugniß hat er stch also selbst geschrieben und wir brauchen, um ihn recht begreifen zu können, nicht erst die goldenen Lettern, mit welchen er stch in den Herzen seiner Familie und seiner Schüler verewigt hat. Seine reine Seele leuchtete in seinem großen Wirkungskreise als ein Ner haschem, und so erfüllte stch in ihm das Wort /u r» ivew nn» dk ■pj r» Töte« 'JN. Sichtlich gerührt verabschiedete Redner sich nun von dem tugendreichen Manne und sprach Namens der Stadt Hanau, als Abgeordneter des Vorstcheramtes zu Caffel und in Vertretung des Landrabbinates, deffen Mitglied der Verstorbene war, den ihm gebührenden Dank aus. Vor der Synagoge hielt darauf Herr Dr. Cahn- Fulda eine tiefgefühlte Ansprache. Er hob besonders die Entschiedenheit und Energie des entschlafenen Rabbi hervor, mit welcher er sich bethätigte, wenn das Judenthum eines wuchtigen Tauro-Kämpen bedurfte. Sein Leben war ein Aufgehen bemilchamta schel Thora. Der sorgfältigste Beobachter seines Lebens wird wohl auch niemals eine Phrase aus seinem Munde gehört haben, welche nach moderner Anschauung ein geistreicher Mensch parat haben muß, um sich über ein angeschlagenes Religionsthema mit kühnem Geistessprunge hinwegzusetzen. Wajaas Bezalel eß ho-oraun. Sonst nur Tonangeber, Dirigent des Ganzen, ließ er es sich aber