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Der Israelit · 1900-02-28 · Heft 18 (28.2.1900) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 18 (28.2.1900)
Date
1900-02-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Züchtigung einen Zahn oder ein Auge ausgeschlagen und sorgt für seine Gesundheit, in dem die Sabbatruhe auch dem Knechte zu gewähren ist. Da er durch Annahme des jüdischen Sittengesetzes die Freiheit erlangt, so ist der ganze Knechtszustand wohl immer als etwas provisorisches gedacht, als eine Frist, in der er sich allmählig an die israelitische Ethik gewöhnt und sich in den Stand setzt, als freier Mann in Selbstzucht zu leben. Man denke an die traurigen Folgen der Emancipation der Negersclaven für diese, und man wird die Weisheit des pentateuchischen Gesetzes begreifen, welches diesen Rest von Hörigkeit mit gutem Grunde duldete, aber den Ebed bis zur Erlangung der Freiheitsurkunde durch gerechte Gesetze schützte. Vielleicht die erhabenste Seite der socialen Thorasatzungen ist der köstliche Zug, daß die Unbemittelten und Rothleidenden ein Recht an unsere Liebe und Hülfe haben. Es ist Rechtspflicht, daß bei der Ernte eine Getreideecke dem Besitzlosen verbleibt, es ist Rechtspflicht, die Nachlese und die vergessene Garbe dem Armen zu überlassen, wie es Rechtspflicht ist, dem Grundbesitz entbehrenden Priester die Getreidehebe (gewöhnlich 1 von 60) und dem ebenfalls ohne eignen Aar und Halm lebenden Leviten den Getreidezehnt zu geben. Damit aber in den Besitzlosen keine arbeitsscheue Vettlerschaft gezüchtet werde, ist die agrarische Armenpflege des Pentateuchs so ausgestaltet, daß der Arme sich seine Unterstützung erarbeiten muß; er selbst muß die Ecke abmähen, die der Besitzer stehen läßt, er selbst muß die Nachlese halten und die vergessenen Garben aufsammeln, daß er der Bodenarbeit nicht ganz entwöhnt werde. Denn Arbeit ist des Menschen gottgesetzte Aufgabe: „Sechs Tage sollst du arbeiten" und die Arbeit ist etwas göttlich Geweihtes; Gott selbst hat an jedem Tag ein Schöpfungswerk in's Dasein gerufen, so habe auch für den Menschen jeder Tag seine Arbeit. Jeder Mensch, der in ehrlichem Wirken seine Pflicht thut, ist ein Genosse Gottes beim Weltenbau, sagt der Talmud, und wer —wenn wir zum Schluß das Wort so ergänzen — aus der Enge eigenen Strebens sich zu erheben vermag und auch der Bruderpflichten gedenkt, gehört zu den Stützen der sittlichen Weltordnung. Aeltungsnachrichte« und iLorrefpondenzerr. Deutschland. Frankfurt a. M., 26. Febr. Zur selben Stunde, als man letzten Sabbat in unseren Gotteshäusern, wie alljährlich, wenn des Frühlings erste Boten durch die Lande ziehen, sich den großen Machzißhaschekel-Gedanken zum Bewußtsein brachte, jene Lehre, die uns sagt, daß ein jeder Jude nach seinen Kräften und Fähigkeiten mitzuarbeiten habe an der großen, jüdischen Lebensaufgabe, unbekümmert darum, oaß jede Einzelleistung im- « mer nur Bruchstück ist und bleiben muß, ist ein Menschenleben zu Ende gegangen, das so jung an Jahren, seinen Machziß haschekel vollauf gespendet hat. Frau Frieda Rothschild, die nach unerforschlichem göttlichem Rathschlusse nach kurzem Eheglück ihrem wackeren Gatten entrissen wurde, verdient es, daß man ihrer auch in diesen Blättern gedenkt, die so oft ihren Namen als Leiterin der Sammlungen für das heilige Land gebracht haben. Aus der durch ihre Frömmigkeit bekannten Familie Mainz stammend, im Geiste des unverfälschten Judenthums von ihren Eltern erzogen, zeichnete sie sich schon als junges Mädchen durch Werke der Nächstenliebe in hervorragender Weise aus. Wo es galt, armen, hilflosen Wesen mit Rath und That beizustehen, deren sociale Lage zu bessern, war sie am Platze, und scheute keine Mühe und kein Opfer, um leidenden Menschen eine Helferin in schwerer Zeit zu sein. Als sie vor Jahresfrist einem edlen Manne die Hand reichte, um ein Haus zu errichten, dessen Devise Thauroh imm Dercch crez sein sollte, da ahnte sie nicht, daß ihr Lebenglück von so kurzer Dauer sein sollte. Sonntag Nachmittag wurde sie zu Grabe getragen, und die unabsehbare Menge, die ihrem Sarge folgte, legte Zeugniß ab von der Liebe und Werthschätzung, die sie genossen. Auf dem Friedhofe der Jsr. Religionsgesellschaft ergriff Herr Rabbiner Dr. Breuer tief bewegt das Wort. Von dem Sidrahworte Koro haschem b'schem Bezalel ben Uri ausgehend, zeichnete er in herzbewegender Weise das Lebensbild der so früh Entschlafenen, das Wort des Midrasch auf sie anwendend, daß der Mensch drei Namen besitze, den, welchen Vater und Mutter ihm geben, den, welchen die Mitwelt ihm verleiht und der dritte — der beste von allen — welchen sich der Mensch selbst erwirbt. Die Dahingegangene habe es durch ihre Wirksamkeit verstanden, weit und breit geehrt und geachtet zu werden, und deßhalb werde ihr Andenken in weiten Kreisen unvergeßlich bleiben. Möge'"ön dem schwergeprüften Gatten, den tiefgebeugten Eltern seinen himmlischen Trost senden! Halbcrstadt, 22. Febr. Am Dienstag starb in der israelitischen Versorgungsanstalt in Frankfurt a. M., im Alter von fast 90 Jahren, Frau verw. Rabbiner Lewian. Es war der Herzenswunsch der Verstorbenen, in Halberstadt, wo ihr Mann von 1830—1858 Rabbiner war, beerdigt zu werden. Die Leiche wurde nach hier überführt und fand die Beerdigung auf dem alten israelitischen Friedhofe vor dem Johannisthore statt. O e st e r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. Wien. („Agitation gegen das Schächten.") Das Referat des Magistrats-Vice-Direct. Moriz P r e y e r gegen das Schächten liegt nunmehr dem Wortlaut nach vor. Es steht, was die Armseligkeit der Argumente betrifft, auf dem gleichen Niveau der sonstigen diesbezüglichen Leistungen der Thierschutzvereine. Aber die Entschiedenheit der Sprache, die zur Schau getragene unparteiliche Wissenschaftlichkeit, sowie die Selbstbeherrschung, welche aus der Noth eine Tugend

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