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Der Israelit · 1900-02-22 · Heft 16-17 (22.2.1900) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 16-17 (22.2.1900)
Date
1900-02-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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318 Gehilfin in des Lebens Aufgaben und Bürden, sondern auch eine Ermunterin in der Uebung des Guten und Frommen, in der Beschäftigung mit pvrji eine sichere Mitarbeiterin in der Erziehung der Kinder im «L-inne unserer heiligen Religion und in der Heranbildung derselbe in mizv: rr:n, in Wissen und Können. Und dieses gemeinsame harmonische Streben ward von erwünschtem Erfolge gekrönt. Das fromme Elternpaar sah sich geistig in den Kindern fortleben, erkannten in ihnen die eigene Gesinnung, das eigene Wollen und Streben. So fand man dieses Paar stets zufrieden, an das Leben sonst wenig Anspruch stellend. In dem Bewußtsein, daß ihre Kinder und Rachkommen ein m q'-ikm bilden werden, fühlten sie sich glücklich. Sie sahen die Söhne als mT; :: wirken und ihre Töchter ebenfalls an “N-*. rrrr, verheirathet. Frau Gutmann war aber auch eine fromme Dulderin. Denn nicht nur so manchen herben Schicksalsschlag, wie den Verlust des geliebten Gatten und einer verheiratheten Tochter, Mutter einer sehr zahlreichen Familie, hatte sie mit größter Ergebenheit ertragen, sie verlebte auch fast ein ganzes Dezennium aus dem Schmerzenslager. Dennoch entfuhr ihr keine Klage, war sie mit ihrem Geschick zufrieden, bis ein neues Leiden ihrem Leben eine Grenze setzte. Eine Fromme war entschwunden, eine wahrhafte rn hatte den langen Lebenslauf beendet. Die allgemeine Theilnahme bei ihrem Hinscheiden und die große Betheiligung an ihrem Leichenbegängnisse, trotz der Ungunst der Witterung, bezeugten, daß man der Dahingegangenen Leben zu würdigen wußte. Auch die am Grabe gesprochenen Worte gaben dieser Würdigung beredten Ausdruck. Es sprach Herr Distriktsrabbiner Bamberger von hier, sich allgemein über die Frömmigkeit und die Tugenden der Dahingeschiedenen verbreitend; dann der Enkel, Herr Lehrer B l u m e n t h a l - Rimpar, her. vorhebend, was die Edle der Famile gewesen, und ihr in deren Namen den Dank und das Gelöbniß nachrufend, ihr Andenken stets in Ehren zu halten; und endlich Herr Lehrer G o l d st e i n - Heidingsfeld, das Wirken der Verblichenen in der Gemeinde betonend und der allgemeinen Achtung, welche man ihr entgegenbrachte, Ausdruck gebend. Möge sie jenseits im Kreise der Frommen und Seligen den reichen Lohn ihres gottgefälligen Lebens und Wirkens empfangen, rrzi;;".. Tchneidcmühl, 14. Febr. Vorgestern früh trafen aus dem hiesigen Bahnhofe drei Wagen mit jüdischen Familien aus Transvaal ein, welche nach Rußland in ihre Heimath befördert lvurden. Äns Sil-deutschland. Wenn der Bericht von Biblis in einer der letzten Nummern Ihres geschätzten Blattes über die Auslösung der dortigen israelitischen Bürgerschule schon vom allgemeinen Standpunkte aus, wonach im Interesse unserer heiligen Religion überall, >vo nur ausführbar, solche Anstalten zu errichten seien, Bedauern Hervorrufen muß, so wird dies umsomehr bei denjenigen der Fall sein, die wie Schreiber dieses Zeuge waren von der hingebungsvollen Thätigkeit, von dem Aufgebote geistiger und materieller Kräfte, unter well chen diese Schule ins Leben gerufen worden. Das Zn standekommen war eine große Thal und ein rühmliches Beispiel für andere Gemeinden, ivie überhaupt Biblis in seinen Gemeinde-Institutionen, in seinem religiösen Leven und seiner jüdisch-wissenschaftlichen Bestrebung in weiten Kreisen als Mustergemeinde galt. Und iver >var die Seele des Ganzen, wer die Triebfeder zu all diesen herrlichen Erscheinungent' Heute an seinem Sterbetag —in t wr;: werde der großen Verdienste des unsterblichen Mannes, des p"n-,w itx , ccr p’ii: C’H‘£ rr, p-rsr r-.r-n des selbstlosen, ausopferungsfähigen Gotteskämpfers wn wieder gedacht. Was hat er nicht für diese Schule gethan, wie lange hat er onf ihre Entstehung hingearbeitet, und wie hat er aus Mittel gesonnen, ihr Dauer iind Eristeuz zu verschaffen. Unablässig und unberdrosseti war sein Streben dahin gerichtet, danrit eine unversiegbare Ouelle utaieriellen und geistigen Heils für feine Gemeinde zti schaffen und zugleich danrit beit Fortbestand der religiösen Gesinnung und Bethäligung von rrjz: n-r innerhalb der Gemeinde zu sichern. Er hatte das Glück, sein Wert, das Kind feines großen Herzens, erstehen und blühen z'u sehen; er durfte auch hoffen, daß es viele Geschlechter überdauerrr werde. Doch er ging in dieser ihn beglückenden Hoffnung zu weit - - ilnd darum ist die nun einmal vollzogene Auflösung der Schule utnsomehr zu bedauern. Darmstndt, 20. Febr. Der hessische Justizminister Dr. Dittmar ertlcirie heute im Landtage, der Vor wnrs, daß die Nichteinstellung jüdischer Richter nicht verträglich mit der Verfassung sei, hätte ihm keinen Anlaß zur Klageerbebung gegen die „Franks. Zeitung" gegeben, da er die D i s e u f f t o n d a r ü der für z u l ä s s i g er a ch t e. Der Herr Jtistizminister hat damit wohl selbst halbioegs zugegeben, daß die seitherige Gepflogenheit der hessischen Regierung in dieser Beziehung nicht ganz eorreet war. Auch die Shm pathietuudgebliug des Abgeordneten Köhler aus Langsdorf namens der antisemitischen Freien Vereinigung ivird ihn darüber aufgeklärt haben, ivohin man geräth, wenn man klare Vorschriften der Verfassung glaubt nach besonderen Prinzipien umiuodeln zu können. Skrastburg i. (r., IS. Febr. Sonntag Nachmit lag halb 4 Uhr fant) die feieriidie Installierung des Herrn Oberrabbiners H r i tu der von hunderten efet trifeben Glühlampen festlich beleuchteten Synagoge statt. Sämmtliche Räume, besonders die Frauen- Gallerie, toaren voll besetzt. Einige ausivartige hl ab biuer ivohuteu der Feier im Ornate bei. Als Vertreter der Stadt war Bürgermeister Back, Polizeipräsident Tall, sowie einige weitere höhere Beamte anwesend. Nachdem der Herr Obcrrabbinec von den Mitgliedern des Konsistoriums, des Synagogenraths, in die Synagoge geleitet tvar, verlas Dr. L e v i , der Präsident des Konsistoriums, die Anstellnngsurkunde und schloß mit dem Wunsche, daß Oberrabbiner Uri diese Stelle, die ihm heute übertragen iverde, lange und stets zum

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