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Der Israelit · 1900-02-22 · Heft 16-17 (22.2.1900) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 16-17 (22.2.1900)
Date
1900-02-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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314 ja sogar die Volkstracht oft fester bewahrten, als das Volt desjenigen Landes, ivelches ihnen zur Heimatd geworden. Als Beispiel erwähnt Redner die Spaniolen in Bosnien, welche noch heute, nach vier- bis fünfhundertjährigem Exile, die Sprache und Sitten ihres einstigen Adoptivvaterlandes Spanien bewahren, als Andenken an ihr „grausames Vaterland." Aehnliche Beispiele finden sich, wie Redner nachlveist, auch in anderen Ländern. Was den Conservatismus der Tracht an belangt, erinnert Redner an den vielbelächelten Kaftan der polnischen Juden, welcher kein jüdisches Kostüm sei, sondern die einstige Volkstracht des stolzen polnischen Edelmanns. Aus dem zähen Festhalten am Adoptivvaterlande erklären sich auch die vielen Beweise heroischer Vaterlandsliebe, die genügen sollten, um von den Israeliten die Verdächtigung fern zu halten, als seien dieselben idealer Vaterlandsliebe unfähig. Redner erinnert an die unzähligen Freiheitskämpfer aus der Zeit des pol nischen Aufstandes und der ungarischen Revolution. Auf die Muster des Sisseker Abgeordneten übergehend, die heute in den öffentlichen Versammlungen in Wien ihre antisemitischen Orgien feiern, erknnert Redner die großen deutschen Patrioten Lueger, Schneider und Consorten au die Thatsache, daß der Jude Ludwig Fischhof aus den Barricaden gekämpft, daß der Jude Robert Blum für die deutsche Freiheit sein Leben gelassen habe. Schließlich erwähnt Dr. Schwarz, daß sich auch im italienischen Parlament ein Halbnarr gefunden habe, der bei jedem Anlasse den jüdischen Abgeorneten Finzi angerempelt habe, beinahe so, wie dies jetzt Tuskan im kroatischen Landtage mit dem Redner versuche. Darauf habe ein großer italienischer Parlamentarier bemerkt, daß sich in der berühmten Legion Garibaldi's, unter den historischen tausend Freiwilligen, acht Juden befunden haben. Redner meint, daß die Vaterlandsliebe und der Heroismus dieser acht Juden mindestens denselben Ruhm verdiene, welchen der Abgeordnete Tuskan vor gestern für seine vier Barilovicer Vorfahren in Anspruch genommen habe. Uebrigens hofft Redner, daß Tuskan noch zur Besinnung kommen und sich bessern lverde. Nach dieser eindrucksvollen, von der Nationalpartei beifällig aufgenommenen Improvisation des Koprei nitzer Abgeordneten nimmt Abg. Tuskan das Wort zu persönlicher Bemerkung. Der Abgeordnete von Sissek will nur auf zwei Behauptungen des Vorredners ant Worten. Es sei wahr, daß ihm. als er der Advokatur verlustig wurde und er Geld zur Eröffnung eines Kaffeehauses benöthigte, zwei Israeliten ohne Entgeld ihre Giri gaben, einer derselben habe ihm aber diese Gefälligkeit nur mit dem Hintergedanken erwiesen, ihm ge legentlich das eingerichtete Kaffehaus abzuschwindeln.! Ferner sei wohl wahr, daß er sich für die Vermittlung von Hypothekendarlehen bei feiner Sparkasse und zlvar siir die Abfassung der Gesuche und des Schuldscheins Beträge von höchstens fünf Gulden habe zahlen lassen iAbg. Benak: Da sind Sie ja ein gewöhnlicher Winkeischreiber», niemals aber fl. 30— 40, »vie dies der Kläger in dem von Dr. Schwarz erwähnten Strafpro zesse behauptet habe. Er sei nur verurtheilt worden, »veil sich der Richter mit den Juden verbunden habe, um ihn bei bei seinen Wählern unmöglich zu machen. Personalien. Frankfurt a. M., 10. Adar. In D'7vr naoD heißt es: Dinar p *n Dmai ,a*pns7 rwöi pMp r«. Wenn auch nach dem Heimgang eines wahren es nicht der Denksteine bedarf, um feine Worte, keine Tbaten uns zu vergegenwärtigen, damit wir sein Gedächtnis» in uns wach erhalten, so kommen doch Fälle vor, bei welchen wir Worte reden müssen, um dem Schmerze Ausdruck zu verleihen, daß ein solcher P7L durch den nnerforschlichen Beschluß von n'an in der Blüthe feiner Jahre entrissen wurde seinen Verwandten, seinen Freunden allen Denjenigen, welche es mit der heiligen Sache unseres Judenthums ernst meinen. Und ein solcher Fall liegt heute vor, welcher einen großen Theil der Gemeinde der Jsr. Religionsgesellschaft in Trauer versetzt bat. Hermann Daube cm6 Hofsenheim wurde im 36. Lahre seines Lebens uns entrissen, betrauert von den vielen Freunden, welche ihm nahe standen, welche schmerzersüllt hingeeilt, um dem 7“D *TJ dieses edlen Menschen das letzte Geleit zu geben. Daube n"y war stets msto «nn D*a"in PN narc — ein Mann, welcher im Hause »vie aus der Reise seinen geschäftlichen Psl chten in reichem Maße erfüllt und stets dem Worte unserer Weisen ms l"n oy min TiD^n HD’ entsprach. Wie er stets seine freie ZAt dem Studium unserer hell. mm widmete, sucht er die P'2D zu jeder Zeit, an jedem Platze auf. Einsender dieser Zeilen hatte lvie iu früheren Jahren auch am jüngsten P'70-Fest - leider zum letzten Male die Freude, ihm zur Erfüllung des Satzes müD 'DP 7N TJ'*- naiD zu verhelfen. Er gehört zu Denjenigen, welche nnajp n pvn? 7 Dr ns rons7 »mr7 7 bs dtd. Von ihm können und müssen wir sagen rur PPiPD 72S' mm ds D>’D es rnpp . Ob er von PtP D7»v viel o"er wenig genossen, wenn er auch nur allzufrüh unS verlassen mußte — er hat seine Lebens Ausgabe erfüllt, seinen 7prn rrsnD geleistet. Deshalb wird er mar *2iaa den Lohn seines frommen Erden-Wandels genießen. Uns aber möge P"a,“i beistehen, daß in Zukunft nur Freude bei uns einkehre und daß mnDD nsm man pba' ]DN IJ’D’2. M. M. > vermischtes. BreSlar» Ein jüdischer Kriegerverein soll dahier ge gründet werden. Vor einigen Tagen hat, wir wir der „Schles. Morgnztg " entnehmen, Hierim Restaurant „Zum Krokodil". Nikolaistraße 56, eine Besprechung behufs Gründung eines solchen Vereins stattgetunden. lieber das Ergebnis der Besprechung verlautet bis jetzt nichts. Ustngen Die hiesiige israelitische Gemeinde will in der Nähe deö „Hoheberg" eine neue Synagoge bauen lassen, da die Raumverbältnisse der alten, sich als unzulänglich er

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