Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 16-17 (22.2.1900)
- Date
- 1900-02-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2449049-2449066--50132-2500568- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
'-h.'cijfi’ubuvrt i 20. Febr. Gestern erschien nci uns Rabbiner A z u I e i auS Jerusalem, welcher uns Grund seiner Zeugnisse und durch Empfehlung des Ober Rabbiner von Lion, sowie des Ober-Rabbiners von Metz, jetzt Stratzburg, eine Sammlung zur Stiftung eines Waisenhauses in Jerusalem veranstaltete. Dieselbe hatte das Ergebnitz von rund 5,0 Mt., ein Be weis, datz unsere kleine Geuteinde für wohlthätige Zwecke stets bereit ist,?,u helfen. S. D e ) i c i r. 'Ungar. Monarchr e. 'Agram, („kroatischer Landtag." - Sitzung voin Jebruar.) Abgeordneter Tuskan lvirft der Regier ung vor, sie habe einem Juden die Erlanbniß zum Berlause deS Antioidium ertheilt, ohne datz man vorher wußte, ob dies thatsächlich ein wirksames Mittel gegen die Rebenkrantheit sei. Redner ergeht sich im weiteren Lause seiner Ausführungen in den heftigsten Ausfällen gegen die Ji'den und erklärt, er reize das Volk nicht auf, werde aber das Volk stets belehren, datz die Jreunde und Stützen des heutigen Systems seine größten Jeiude seien und datz sich deinselben unter den beute herrschenden Berhältnissen keine glücklichere Zutunst erschlietzen könne. SertionSchef v. Rrajcsovics erwiederte, der Borrcdncr habe das Gebiet der persönlichen Jnvectiven betreten und er könne ibin hier nicht folgen, jedoch müsse er einige keiner Behauptungen berichtigen. Als die Regierung erfuhr, datz mittelst der Zeitungen das Antioidium rerlamemätzig dem Publikum zum Gebrauche anempfohlen werde, ließ sie dasselbe von der chemischaualntischen Anstalt untersuchen. Binnen zwei Monaten erhielt die Regierung einen günstigen Bericht, und hat demzufolge das Antioidium anempfohlen. Datz eben ein Jude im Besitze eines größeren Borrathes desselben getvesen ist, daran ist Redner nicht schuld, und mutz er sich als Chef der volkswirthschaftlichen Section dagegen verwahren, als ob hier parteiisch vorgegangen worden tväre. Weder in meinem öffentlichen, noch privaten Leben gab ich Veranlassung dazu, mich der Parteisucht zu zeihen. Hierauf ergreift das Wort der Abgeordnete Dr. L. Schwarz. Derselbe replieiri auf einen Zwischenruf des Abgeordneten Tuskan, wonach sich in Siffek insbesondere die Juden für ibre Unterschriften auf den Wechseln hohe Gebühren zahlen lassen. Dr. Schwarz meint ironisch, datz der Abgeordnete von Sissek wie jede Behandlung. so auch diese beweisen werde, und erwähnt, datz ibm auch ein Jall nntgetheilt wurde, wo sich ztvei Juden für das Aeeept eines in der Roth befindlichen Mannes, welcher zur Gründung einer neuen Existenz einen Wechselcredit in Anspruch nahm, durch ihr Giro verbürgten, nur habe Redner nicht erfahren können, ob sich diese zwei Juden für ihre Unterschrift bezahlen ließen. (Abgeordneter Dr. Tuskan: Ich war nicht so dumm, ihnen dafür etwas zu zahlen.) Ilm so größer ist meine Neugierde, die Namen derwenigen Israeliten in Sissek zu erfahren, welche für ihre , Bürgschaft ein Honorar entgegennahmen, und ich hoffe, datz der College sein Versprechen erfüllen und Namen nennen Ivird. Im Verlaufe seiner weiteren Ausführungen über die heimischen Geldinstitute kommt Redner aus die Bemerkung des Banns zurück, wie es ein Unglück sei, datz sich der Bauer bei Contrahirung von Hypothekardarlehen gewissenloser Vermittler bediene, welche ihm für ihre mühelose Thätigkeit selbst bei geringen Darlehen größere Beträge abnehmen. Redner weiß nicht, auf welche concreten Jälle Se. Excellenz angespielt habe, ihm sei aber soeben eingefallen, datz vor beiläufig zwei Jahren einem Herrn, der sich stets auf den großen Volksbeglücker und Bauernfreund hinauszuspielen beliebe, in öffentlicher Gerichtsverhandlung gerichtsordnungsinätzig nachgewiesen worden sei, datz sich dieser Voltsfreund für die Vermittlung kleiner Darlehen bei dem Institute, an dessen Spitze er berufen war. größere Honorare habe zahlen lassen. (Abg. Tuskan: Ich habe höchstens 5 fl. gerechnet.) Merkwürdig, datz sich ivieder der Herr College meldet, trotzdem ich Niemand genannt habe. Im Uebrigen habe Redner dem Abg. Tuskan noch Einiges zu bemerken. Dr. Schwarz nimmt den Antisemitismus des Sisseker Abgeordneten nicht tragisch, weil er dessen Entstehungsgeschichte kennt. Tuskan habe nicht immer über die Juden geschimpft, auch nicht wegen deren Auszug aus Egypten, sondern — wegen des Auszuges der Sysseker Juden aus dem Kafseehause Tuskans (Tuskan ist nämlich im Privatleben Cafetier in Sissek). Redner antworte ungern auf die verschiedenen devlacirten Bemerkunaen des Sisseker Abgeordneten und will nur heute eine Ausnahme machen, weil er so glücklich oder unglücklich ist, als der einzige Jude im chroatikchen Landtage zu sitzen. Was die Ungereimtheit der Tuskan'schen antisemitischen Sentenzen anbelangt, erinnert Redner daran, datz Tuskan unlängst bei der Verlesung der Petition der israelitischen Cultusgemeinde Essek bezüglich Reformirung des veralteten Judeneides den Zwischenruf riskirte: „Ich würde die Juden überhaupt zu keinem Eide zulassen." Redner habe sich damals nur gedacht, daß Tuskan zu diesem Zwischenrufe eigentlich kompetent sei, weil ja Niemand so genau wie er, einen echten von einem falschen Eid zu unterscheiden wisse. Noch taktloser sei eine Redewendung des Sisseker Abgeordneten in der vorletzten Sitzung gewesen, in luefcfier Tuskan in feiner Polemik mit dem Abgeordneten Puccari das geflügelte Wort habe fallen lassen: Rur Juden und Zigeuner haben kein Vaterland. Eine solche Sentenz dürfe in so hoher Versammlung nicht unerwidert bleiben. Redner führt in schwungvollen Worten aus, wie es der leidenschaftliche, von altersher ererbte Conservatismus der Israeliten beivirkt habe, daß sie, einmal in einem Land und Volk heimisch geworden, auch wenn es sich ihnen feindlich erwies, die angenommene Volkssitte,