Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 16-17 (22.2.1900)
- Date
- 1900-02-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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312 ihn tannten, und war sein ganzes Leben in des Wor tes wahrster Bedeutung ein echter Jude. Kolbcrq, 16. Febr. Am 18. Juni v. I. beantragte der hiesige Gemeinde-Rabbiner Dr. Goldschmidt beim hiesigen Magistrat, das; in der hiesigen städtischen höheren Mädchenschule von Amtswegen jüdischer Religionsunterricht ertheilt und in den Lehrplan der Schule eingefügt werde. Schon am 5. Juli war ohne jeden Widerspruch der Antrag von beiden städtischen Kollegien angenommen und Herr Dr. Goldschmidt dahin beschieden, wegen der Ginrichtung des jüdischen Religionsunterrichts, der von der Stadt remunerirt werden soll, stch mit dem Direktor der Schule in Verbindung zu setzen und mit demselben eine Vereinbarung zu treffen. Infolge der Verhandlungen mit dem Direktor wurde von dem Vorstande der Synagogengemeinde ein formeller Antrag an das Provinzial-Schulkollegium von Pommern, unter deffen Aufsicht die betreffende Schule steht, gerichtet. Gleichzeitig wurde von dem Vorstande Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt, der bereits seit dem 24. April 1876 am hiesigen Kgl. Domgymnasium und Realgymnasium als Religionslehrer fungirte, auch als Religionslehrer für die höhere Mädchenschule vorgeschlagen und ein von demselben entworfener Lehrplan, sowie die Einführung der erforderlichen Lehrbücher zur Genehmigung der obersten Provinzial- Schulbehörde unterbreitet. Von dieser wurde der Antrag durch Bericht vom 16. November v. I. dem betreffenden Reffort - Minister weitergegeben, worauf durch Ersaß des Ministers der geistlichen etc.-Angelegenheiten vom 3. v. M. die Einführung des jüdischen Religionsunterrichts an der hiesigen städtischen höheren Mädchenschule, und durch Verfügung des Provinzial- Schulkollegiums vom 18. v. M. der eingereichte Lehrplan, die Einführung der vorgeschlagenen Lehrbücher, sowie Rabbiner Dr. Goldschmidt als Religionslehrer genehmigt wurde. Hiermit geht ein langersehnter Wunsch unserer Gemeinde in Erfüllung. RegcnSburq, 18. Febr. Am 3. d. Mts., bei der Generalversamlung des Thierschutzvereins Regensburg, im Liederkranz-Lokal der Augustinerbrauerei, hielt der zweite Vorstand genannten Vereins, Herr kgl. Bezirksthierarzt Ludwig Munkenbeck, einen Vortrag. Redner tadelte die vielen nutzlosen Thierquälereien, die sich viele Menschen erlauben, so beispielsweise das Stutzen von Ohr und Schweif beim Hunde u. A. m. Bezüglich der Schlachtung von Thieren, betonte Herr Bezirksarzt Munkenbeck, sei das sogenannte Schächten, wte es bei den Israeliten üblich sei, nicht nur die schnellste, sondern auch die humanste Todesart, weil nach seiner Ueberzeugung der Schnitt des Schächters dem Thiere gar nicht mehr zum Bewußtsein komme. Durch den rapiden Blutverlust tritt sofort Bewußtlosigkeit bei den geschächteten Thieren ein. Derselbe führte vor, daß durch das Schlagen mit dem Beile auf die Stirne des Thieres so viele Thierquälereien gemacht werden, welche oft haarsträubend seien — die allerdings aber auch durch Anwendung der Brunneau'schen Schlachtmaske abgemildert werden könnten. Beim Schächten selbst könne von einer Thierquälerei gar keine Rede sein. Denn nach dem Durchschneiden der großen Blutgefäße am Halse, bei dein sich das Blut armsdick aus den Gefäßen entleere, trete sofort Blutleere des Gehirnes und damit Unempfindlichkeit und Belvußtlosigkeit ein. Auch sei das Fleisch eines geschächteten Viehes das schmackhafteste und haltbarste und zwar in Folge ergiebiger Blutentleerung. Tchrimm. Auch unsere Gemeinde besitzt jetzt einen „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur." Nachdem ein Eomitee zur Gründung desselben acht Tage zuvor zusammengetreten war, lud dasselbe die Gemeindemitglieder zu einer Versammlung auf Sonntag, den 11. d. M. ein, welche zahlreich besucht war, ein Betveis, daß die Anregung einein allgemeinen Wunsche entsprach. Unser verehrter Herr Rabbiner, Herr Dr. B a m - b e r a e r, eröffnet? die Versammlung mit einein Vorträge über „Der Werth und die Bedeutung des Studiums der Geschichte." Nachdem Redner die Anwesenden begrüßt, und für das zahlreiche Erscheinen derselben und für die eifrige Wirksamkeit des Comitees gedankt hatte, beleuchtete er mit beredten Worten den Werth der Kenntniß der Geschichte unseres Volkes, nicht nur für uns, sondern auch für Andersgläubige. Fiir die Werthschätzung unserer Geschichte seitens Andersgläubiger wurden mannigfache, treffende Citate (Schaab, Holberg etc.) als Beweise angeführt. Unser Herr Rabbiner schloß daun mit dem Wunsche, daß der Verein blühe und gedeihe, daß er durch Vethätigung der Worte 6. B. M., 32. Cap., 7. V. mitarbeite an der Erreichung des Endzieles des Judenthums, das von dem bekannten französischen Literarhistoriker Renan mit dem kernhaften Aussprüche gezeichnet wird: „das Judenthum, das in der Vergangenheit so große Dienste geleistet, wird deren auch noch in der Zukunft leisten." „Die reine Religion, welche alle Völker vereinigen kann, wird die Verwirklichung der Religion Jesaias sein," da voll sein wird die Erde der Erkenntnis; des Ewigen. Hierauf wurden die von dem Eomitee entworfenen Statuten verlesen, und der Verein constituirt. Als Vorstand wurden per Acclamation die Mitglieder des Comitees, die Herren Rabbiner Dr. B a mb e r g e r , H. B r e s l a u e r , A. I a f f e , M. H o P p und L. B. B e ck e r gewählt. Nicht nur alle Anwesenden, sondern fast alle Gemeindemitglieder schloffen sich dem Vereine an. Das einmüthige Zusammengehen und die Hingabe unseres Herrn Rabbiners für gemeinnützige Zwecke versprechen unserem Vereine ein gedeihliches, segensreiches Fortbestehen. A. I. Aus Baven. Der Thierschutzverein Mannheim beschäftigte sich mit der Schächtfrage, und kam nach den eingeholten Gutachten hierüber zur Ueberzeugung, daß das Schächten die „humanste und entsprechendste TödtungSart" sei. — Als Bezirksrabbiner für Heidelberg wurde Herr Dr. Pinkus Breslau gewählt.