Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 16-17 (22.2.1900)
- Date
- 1900-02-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449049-2449066--50130-2500566- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
oll ,;ucr|lütlcn. Dem Hause selbst ist, fobalb es vollendet dasteht, sein Fortbestehen gesichert, die Gläubiger können es pfänden, es verkaufen, aber sein Bestand ist sicher. Anders aber verhält es sich, wenn der Eigenthüiner des Hauses einen Umbau vornimmt und hierdurch in die Notbwendigkeit versetzt lvird, dasselbe wieder in seine einzelnen Theile zu zerlegen. Dann kann sich jeder Gläubiger das Seinige hiervon nehmen. So verhält es sich auch mit Israel. „So lange es ein Ganzes bleibt," ein -7^x zv so ist es „vor allen Schäden und Gefahren gefeit," nicht so ist es, wenn es in „einzelne Theile geschieden," da ist die Gefahr vorhanden, daß alle Mängel und Schäden jeder einzelnen Glieder sichtbar lverden. Da ist nun der geeignete Zeitpunkt für den Ankläger Israels, Schaden zu bringen. Dieses ist der Sinn der Worte unserer Parascha rs' rx xi*t -r .crrs TpEirrr xP' w'-i: : trx *:nr ' „Wenn du die .Hauptzahl der Kinder Israels aufnehmen lvirst, so soll jede Person ein Lösegeld geben." Hierzu bemerkt galiz richtig der Midrasch:-pn-ex ‘~y. '■'*£'* —tr 717 ‘rsT- H pr-r. Gott sagte Mosche: „Israel schuldet Mir, was es sich entlehnt," Ivie es heißt: „Wenn du aufnehmen lvirst," ähnlich dem Bibelworte: „Wenn du deinen Nächsten etlvas zum Darlehen gegeben. Sage zu ihnen, daß sie zahlen, was sie Mir schulden." Israel erscheint nämlich nur dann als Schuldner, wenn es in einzelne Theile zertheilt wird, Rue es bei der Zählung geschehen muß. Durch das „Ablösen von der es schützenden Gesammtheit" lverden, ivie oben auseinander gesetzt, seine „Fehler und Schattenseiten" sichtbar, was aber nicht zu befürchten, so lange es ein großes Ganzes ist. Dieser Mangel wird aber in der Zukunft im messianischen Zeitalter behoben lverden, indem jeder Einzelne von Israel einen derartigen Grad der Bollkommenheit erreichen wird, daß seine Zählung keine Mängel desselben an's Tageslicht fördern, daß jeder Einzelne für sich ein so vollendetes Ganzes sein, so daß das Zählen überflüssig sein lvird, ivie das Zählen des Sandes am Meeresuser. In dieser Zeit werden sich die Prophetenlvorte Hosea's bewahrheiten: „Und es wird cn Ptc Px-tr .2 icce nvr i'm,z 'ßc xP' "ä* x- -L'X einst die Anzahl der Kinder Israels sein, wie der Sand ain Meere." Der Grund hierfür liegt in dem zlveiten Theile dieses Schriftverses: crx -?>' xP rnP -sex* -,e\x cipor rrn: •n Px *;e cnP “ex* Anstatt man zu ihnen gesagt: „Ihr seid nicht mein Volk," wird man alsdann sagen: „ihr seid Kinder des lebendigen Gottes." Jetzt lvird erst das Midraschwort verständlich. Damit ist gesagt, daß Israel zu dieser Zeit eine solche hohe Stufe der Gotreserkenntniß erreichen wird, daß jede Gefahr bei der Zählung des Einzelnen nicht nur verschwunden, sondern sogar die großen Vorzüge und die Vollkommenheit jedem Auge sichtbar werden, und sich, wenn wir so sagen dürfen, Gott als Schuldner Israels betrachten wird, daher er ihm die Versicherung gibt, daß 2 7ib nvPL'xi er ihn dafür belohnen wird. So möge denn das Wort des Propheten Hosea sich baldigst belvahrheiten und die Gefahr der Zählung für immer behoben werden. ttx. Zeitungsnachrichten unv (korrespondenzen Deutschland. Berlin, 18. Febr. („Repräsentanten-Bersamm lung.") Den Schwerpunkt der heutigen Sitzung bildete die Frage des Sonntaggottesdienstes, welche wiederum durch Interpellation des Herrn Gustav Levinstein angeregt wurde. Herr Professor Baginsky -steht außerhalb des Judenthums, gibt das ganze Ceremonialgesetz gern preis, liest einige Stellen aus dem neuen Testamente vor und will nur den historischen Standpunkt lvahren. Herr Professor B l a s ch k e behauptet, daß die religiösen Einrichtungen sich stets nach der Praxis gerichtet haben. Nur das Eine sagt Niemand: „Und es sollen hüten die Kinder Israels den Sabbat, daß sie feiern den Sabbat in all ihren Geschlechtern, als ein ewig Biindniß. Zwischen mir und den Kindern Israels ist er ein Zeichen für ewig, daß in sechs Tagen Gotr geschaffen Himmel und Erde, und am siebenten Tage ausgehört und gefeiert." Aus der ganzen Verhandlung ergab sich, daß die beiden Redner von der Glückseligkeit, die der Sabbat gewährt, nichts kannten. Nur die Herren Julius Oppenheim und Leonhard Sachs sprachen mit Feuer und schilderten die Gefahren, welche ein Sonntagsgottesdienst heraufbeschwören würde. Endlich entschloß man sich, die Angelegen heit einer gemischten Commission zur Berathung zu übergeben, die sie hoffentlich begraben wird. An Stelle des ausscheidenden Herrn Justizrath A p 0 l a n t lvird Herr Leonhard Sachs zum ersten Stellvertreter gelvählt. Wir freuen uns über die Anerkennung, welche diesem um die Gemeinde hochverdienten Manne zu Theil geworden. Als Repräsentant in das -Euratorium der Dr. Ephraim-Stiftung wurde Herr Benno L e v p gelvählt und darauf die öffentliche Sitzung geschlossen. E. R. Berlin, 19. Febr. Ein jubiläumsreicher Mann ist Herr David Ludwig Keßler, Lothringerstr. 86; er feiert, was wohl zu den Seltenheiten gehören dürfte, innerhalb Jahresfrist vier Jubiläen in körperlicher und geistiger Rüstigkeit, und zwar: 1. am vergangenen Samstag, den 10. Februar, seinen 80. Geburtstag, 2. am 25. Juni d. I. seine goldene Hochzeit, 3. am 18. September d. I. sein 50jähriges Bürgerjubiläum als Bürger von Berlin (sein Bürgerbrief ist ausgestellt am 18. September 1850), 4. den 29. Januar 1901 sein 50jähriges Meisterjubiläum als Uhrmacher (sein Meister brief ist von der Berliner Uhrmacher-Innung ausge stellt am 29. Januar 1851.) Herr Keßler hat in seinem Leben sich stets der Hochachtung Aller erfreut, die