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Der Israelit · 1900-02-19 · Heft 15 (19.2.1900) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 15 (19.2.1900)
Date
1900-02-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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303 Kloster noch zahlreiche andere jüd. Mädchen zwangsweise zurückgehalten werden. — Dieser Tage wurde Herr Araten vom Justizminister Baron Spens-Booden in Audienz empfangen. Der Minister empfing den Herrn sehr wohlwollend und entgegenkommend und drückte sein Erstaunen darüber aus, daß die Nonnen die Herausgabe des Mädchens verweigern; er forsche vergeblich nach einem Grund, der die Klosterfrauen zu diesem Verhalten veranlassen könnte. Hofrath Kareis, der Herrn Araten begleitet, entgegnete daraus, ein Motiv für die Handlungsweise der Nonnen, die jeder rechtlichen Grundlage entbehre, könne einzig und allein nur darin gefunden werden, daß sie sich ein hohes Verdienst zu erwerben glauben, wenn sie jüdische Mädchen zum Katholizismus bekehren. Der Minister versprach, über die Angelegenheit genaue Informationen einzuholen und werde, soweit es in seiner Competenz liegt, nichts versäumt werden, um dem Vater zu seinem Rechte zu verhelfen. Die in der Audienz zu Tage getretene Auffassung des Ministers, sowie seine Zusicherungen waren sehr vertrauenerweckend und erfüllten Herrn Araten mit neuen Hoffnungen, durch Intervention der Behörde sein Kind endlich wiederzuerlangen. Gleich darauf begaben sich die Herren zu dem Minister für Galizien, Dr. Pientak, um auch seine Vermittlung in der Affaire in Anspruch zu nehmen. Die Bittsteller gewannen den Eindruck, daß sich der Minister eine gewisse Reserve auferlege und keine Verbindlichkeit übernehmen wolle. Als auf das Unrechtmäßige des Vorganges hingewiesen wurde, setzte er diesen Ausführungen den Ausspruch entgegen, „daß an den Mauern des Klosters die weltliche Macht ein Ende habe." Herr Araten, den die Aufregungen der letzten Wochen ganz uiedergebrochen haben und der in der kurzen Zeit stark gealtert ist. entgegnete auf diesen Ausspruch mit thräuenerstickter Stimme, „er könne unmöglich zugeben, daß ihm sein Kind geraubt werde." Der ebenfalls bei der Audienz anwesende Dr. Rosner setzte nun auseinander, >vie der Vater keine Mühen und Kosten gescheut habe, um zu seinem Kinde zu gelangen. Minister Pientak entgegnete darauf, daß ihm wohl keine administrativen Mittel zur Verfügung stehen, daß er aber, was seinen persönlichen Einfluß anlangt, Alles aufbieten werde, um dem Vater zu seinem Kinde zu verhelfen. England. London. Der englisch-jüdische Geschichtsverein hat die Absicht, den Kreis seiner Thätigkeit sehr zu erweitern. Es soll ein Eomitee für Erziehung und Unterricht gebildet werden, welches die Förderung der Kenntniß jüdischer Geschichte mit folgenden Mitteln zum Zweck hat: 1. Anstellung von bezahlten Vortragenden, 2. Einführung systematischen Unterrichts in der jüdischen Geschichte in alle jüdischen und Religionsschulen, 3. die Bildung von Lesezirkeln für jüdische Geschichte. Außerdem soll das neue Eomitee das Studium der englischjüdischen Geschichte streng wissenschaftlich fördern, Bücher zur Publikation empfehlen, und insbesondere sich um die Herausgabe einer populären Geschichte der englischen Juden, sowie um die Veröffentlichung zweckentsprechender Schulbücher sich bemühen. Ein besonderer Erziehungs- und Publikationsfond soll gebildet werden, der die Herausgabe solcher Werke finanziell unterstützt und jedes Mitglied des Vereins wird gratis alle unter der Aegide dieses Fonds erscheinenden Werke empfangen. Wie man sieht, sind die Aufgaben dieses neu zu organisirenden Eomitees weit genug gesteckt, man muß aber ohne weiteres zugeben, daß eine solche Organisation sehr segensreich wirken könnte. Holland. Amsterdam, 16. Febr. Der religiöse Mord zu Appeltern hat vorläufig damit seinen Abschluß gefunden, daß die fünf Hauptbetheiligten für irrsinnig erklärt und im Reichsirrenhaus zu Medemblik ausgenommen wurden. ■y Wersonatten. Karlsruhe. Landgerichtsrath Dr. Stein wurde zum Oberlandesgerichtsrath befördert. Tyrnau, im Febr. Unser Rabbiner, Herr Salomon Straffer, ein Enkel des berühmten Csaf Sofer, bekannt als scharfsinniger Talmudgelehrter und ausgezeichneter Redner, ist zum Oberrabbiner in Verbo gewählt worden. Es werden hier die allergrößten Anstrengungen gemacht, um Se. Ehrwürden zu veranlassen. der Berufung nicht Folge zu leisten und wir hoffen, daß es uns in der That gelingen wird, die segensreiche Wirksamkeit unseres allbeliebten Herrn Rabbiners für unsere Gemeinde auch ferner zu erhalten. Vermischtes. < adln o. Rh. Bei der am 11. d. M. stattgehabten Generalversammlung der Ebewra HachnosaS Aurchim wurden in den^Vorstand gewählt die Herren: Gerlon Rothschild, Jos. ^-eligmann, M. Sinke!. Letzte Nachrichte«. Tarmstadt, 16. Febr. Ein größere Anzahl Hess. Glaubensgenossen haben an die Zweite Kammer eine Eingabe gerichtet, in der sie in sehr energischer Weise um bessere Durchführung des verfassungsmäßig gewährleisteten Grundsatzes der Gleichberechtigung aller Staatsbürger bitten. Namentlich ist in dieser Petition darüber Klage geführt, daß, so oft jüdische Bewerber sich zu der Bekleidung der Stellung eines Richters oder Staatsanwaltes meldeten, sie, auch wenn sie nach jeder Richtung hin einwandfrei waren, in ständiger Uebung unberücksichtigt gelassen wurden, es erfolgte dagegen Anstellung, sobald die Belverber die Religion gewechselt hatten. Die äußere Veranlassung zu dieser Eingabe bildete eine Bemerkung des Justizministers in der Ständekammer, der von einem Z"

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