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Der Israelit · 1900-02-19 · Heft 15 (19.2.1900) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 15 (19.2.1900)
Date
1900-02-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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302 Araten in der allen Weichselgaffe, am Samstag, den 30. Dezember v. I., aus dem elterlichen Hause verschwun den ist und daß sie sich in Begleitung einer Wäscherin, die in dem Araten'schen Hause beschäftigt war, in das Kloster der Fekicianerinnen in Krakau begeben batte. Mehr als sechs Wochen sind seitdem verflossen, und in dieser Zeit sind alle Anstrengungen und Bemühungen des verzweifelten Vaters, mit Hilfe der Polizei und der Gerichte die Herausgabe seines — wie erwähnt — noch nicht 14 Jahre alten Kindes zu erwirken, erfolglos geblieben. Von den Felicianer-Nonnen wurde gar nicht geleugnet, daß die Michalirm Araten — so heißt das Mädchen — sich in ihrem Kloster befinde, aber — so erklärte die Oberin Maria Rosalia — das Mädchen sei freiwillig ins Kloster gekommen, sie habe verlangt, getauft zu werden und werde nun darauf vorbereitet. In den seitdem verflossenen sechs Wochen sind alle Versuche des Vaters, wenigstens sein Kind im Kloster sehen und mit ihm sprechen zu können, vereitelt worden. Am 21. Januar wurde endlich durch ein Protocoll, welches von der Oberin Maria Rosalia unterschrieben worden ist, festgesetzt, daß Herr Araten am 29. Januar im Kloster eine Zusammenkunft mit seiner Tochter Michalina haben solle. Herr Araten gab sich damit zufrieden und harrte sehnsüchtig dieses Tages, an dem er sein Kind Wiedersehen sollte. Der 29. Januar kam endlich heran, aber an dem Morgen dieses Tages erschienen zwei Nonnen aus dem Felicianerinnen-Kloster bei der Krakauer Polizei-Direction und erstatteten die Anzeige, Michalina Araten sei zwei Tage vorher aus dem Kloster durchgegangen, und zwar mit ihrer Cousine, die sich auch im Kloster befunden habe. Die letztere Angabe war aber vollständig unwahr, da kein mit Michalina auch nur entfernt verwandtes jüdisches Mädchen sich in dem Felicianerinnenkloster befand. Wohl aber war zwei Tage vorher ein anderes jüdisches Mädchen, Namens Rosenblum, das sich fünf Monate lang in dem Kloster aufgehalten hatte, um auf die Taufe vorbereitet zu werden, ausgetreten, obwohl die Oberin Alles versucht hatte, um es zum Bleiben zu bewegen und ihm vorstellte, es werde nun von den Juden verfolgt werden. Diese Rosenblum hatte die Michalina Araten im Kloster gar nicht gesehen, aber sie bestätigte, daß sich noch mehrere jüdische Mädchen dort befinden und daß einzelne Kinder auch oft wieder forttransportirt werden. Daß Michalina Araten sich nicht mehr im Krakauer Kloster befindet, scheint allerdings richtig zu sein; daß sie aber „durchgegangen" sei, ist gewiß unwahr. Man ist vielmehr überzeugt, daß das Mädchen in eine Tochteranstalt gebracht worden ist, deren die Felicianerinnen in Galizien mehr als dreißig haben, darunter eine nur acht Kilometer von Krakau entfernt. Es macht ferner den Eindruck, daß die Nonnen Alles aufbieten, um die Entscheidung über das Schicksal des Mädchens nockeinige Monate lang hinauszuschleppen, bis es das 14. Lebensjahr erreicht haben wird und der Vater durch seine Einsprache nicht mehr verhindern kann, daß es getauft werde. Daher auch die Bemühungen der Nonnen. jede Einwirkung des Vaters auf das Kind bei einer Zusammenkunft zu verhindern. Dies bewiesen ver schiedene charakteristische Zwischenfälle. Als Herr Araten am Tage nach dem Verschwinden seiner Tochter am 31. Dezember im Kloster erschien, empfing ihn die Oberin und sagte: „Das Mädchen ist freiwillig zu uns gekommen - Gott hat sie gerufen!" Auf die flehentlichen Bitten des Vaters sagte ihm die Oberin zu, er solle sein Kind sehen, und sie entfernte sich, um das Mädchen zu holen. In ängstlicher Spannung und Erregung harrte nun Herr Araten und hörte in der That bald, daß die Oberin mit seiner Tochter ins Nebenzimmer trat und mit dem Mädchen sprach. Gleich darauf vernahm er aber, daß das Kind in krampfhaftes Schluchzen und Weinen ausbrach. Die Thüre öffnete sich und die Oberin trat allein herein und sagte Herrn Araten, er könne seine Tochter jetzt nicht sehen, sie sei zu erschrocken und aufgeregt, er möge daher erst in drei Tagen wiederkommen. Als er nach drei Tagen sich wieder einstellte, wurde ihm die Zusammenkunft mit dem Mädchen verweigert, und er hat sein Kind seitdem nicht wieder gesehen, so oft er auch den Versuch wiederholte. Als er einmal mit einem Polizeibeamten erschien und in der Erregung über die abermalige Abweisung heftig wuroe und außer sich gerieth, sagte ihm der Beamte: „Vergessen Sie nicht, wo Sie sich befinden." Nur dem Großvater war es zweimal vergönnt, seine Enkelin Michalina im Kloster zu sehen und zu sprechen, aber das Mädchen schluchzte und weinte dabei unausgesetzt und statt seiner antworteten die Nonnen. Mit Thränen in den Augen flehte der alte Mann das Kind an, es möge zu seiner Mutter zurückkehren, die krank daniederliege und sich nach dem Anblicke der Tochter sehne. Da bemerkte eine der Nonnen mit sanfter Stimme und in mildem Tone: „Das Kind wird ja seine Mutter im Himmel Wiedersehen." Endlich hieß es sogar, das Kind sei schwer krank —• eS habe geschwollene Füße und sei herzleidend. Der besorgte Vater sendete sofort drei Aerzte, darunter einen Professor und einen GerichtSarzt, ins Kloster, um Michalina zu untersuchen, und alle drei Aerzte erklärten übereinstimmend, das Kind sei vollkommen gesund. Als nun Herr Araten erkannte, daß alle seine Schritte, die er in Krakau that, um die Herausgabe seiner Tochter aus dem Kloster zu erreichen, vergeblich seien, kam er nach Wien, um hier die Intervention des Justizministers anzurufen. Man darf nun wohl erwarten, daß wenigstens Klarheit in die Sache gebracht und festgestellt werde, wo Michalina Araten sich gegenwärtig befindet. Ein energisches Einschreiten der Behörden ist um so dringender geboten, weil der Fall nicht mehr blos eine persönliche Angelegenheit des Herrn Araten ist, sondern weil dadurch eine allgemeine Beunruhigung und Aufregung unter den galizischen Juden hervorgerufen worden ist, die eine Wiederholung solcher Willküracte befürchten, und weil Gerüchte verbreitet sind, daß in dem Krakauer

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