Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 15 (19.2.1900)
- Date
- 1900-02-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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^WSWWWWWWWWW««W 304 stände sprach, „über den die zunächst Berufenen sich nicht beklagt hätten.,, Es wird in der Petition noch gesagt, daß Hesiens Bevölkerung seit 1848 nie einen Unterschied zwischen Juden und Christen gemacht, und die Israeliten aller Aemter und Würden für fähig erachtet habe, die s i e zu vergeben hatte. Wien, 16. Febr. Der frühere Schächter und Vorbeter in Goltsch-Jenikau, Moritz Kurzweil, verklagte den früheren verantwortlichen Redacteur des „Deutschen Volksblattes." wegen Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge. Das „Deutsche Volksblatt" brachte in der Nummer vom 28. April v. I. unter der Ueberschrift „Der Mord in Polna" einen Artikel, in dem erzählt wurde, daß der bisher dieses Mordes verdächtige Hilsner Complicen gehabt habe, deren einer ein Schächter aus Goltsch-Jenikau gewesen fein soll. Diesen, heißt es ferner in dem Berichte, entdeckte die Behörde im Krankenhause in Deutsch-Brod, wohin er sich begeben hatte, um zahlreiche Kratzwunden zu heilen. Der Schächter, hieß es am Schluffe des Berichtes, wurde verhaftet und an das Kreisgericht in Kuttenberg abgeliefert. Kurzweil, 28 Jahre alt, verheirathet, derzeit in Wien wohnhaft, gab an, daß er bis Juni vorigen Jahres in Goltsch-Jenikau Cantor und Schächter war. Richter: Bitte uns zu sagen, ob u. welche empfindliche Nachtheile Sie durch die Mittheilungen des „Deutschen Volksblattes" hatten? Zeuge: Ich war gezwungen, wegen des Artikels fortzugehen; ich mußte von Goltsch-Jenikau weg, weil ich fortwährend Insulten ausgesetzt war; ich war bedroht und konnte sechs Wochen nicht aus dem Hause. Dr. Meyer: Sie sind freiwillig von Ihrem Posten gegangen? Kurzweil: Freiwillig, aber ich mußte gehen. Ich habe eine sichere Existenz dort gehabt; ich bin, Herr- Richter, verheirathet, und habe jetzt nur provisorisch eine Anstellung bei der Cultusgemeinde. Dr. Meyer: Waren die gegen Sie erhobenen Beschuldigungen nicht auch in czechischen Blättern enthalten? Zeuge: Sie wurden erst vom „Deutschen Volksblatt" abgedruckt. Dr. Fialla: Sind diese Beschuldigungen und Verdächtigungen nach dem 27. April vom „Deutsch. Volksblatt" gegen Sie fortgesetzt worden? Zeuge: Gewiß! Als ich nach Wien kam, meldete dies das Blatt in fetten Lettern, als ob ich geflüchtet wäre, um meine Schuld zu verbergen. Richter: Das gehört nicht hierher. Hierinit war das Beweisverfahren geschloffen. Dr. Fialla hob hervor, daß durch den Artikel die furchtbarste, dabei gänzlich unwahre Beschuldigung erhoben wurde, eine Beschuldigung, die vcn der Staatsanwaltschaft selbst, welche den Artikel, gewiß ohne aus das Interesse des Klägers Rücksicht zu nehmen, confiscirt hat, als eine im Dienste der Judenhetze gezüchtete Ente bezeichnet hat und die vom „Deutschen Volksblatt" wider besseres Wissen ausgenommen wurde, als ein! Aufruf zur Judenfrage, als Nahrung für das Ritual- 1 märchen. Der Richter ermahnte den Dr. Fialla zur Mäßigung. Dieser bat in dem engen Rahmen des Gesetzes, tvelches dem Angeklagten nur mit einer Geldstrafe droht, die höchste im Gesetze zulässige Strafe von vierhundert Kronen zu verhängen und den Angeklagten zu Verhalten, im Sinne des Paragraphen 89 des Paßgesetzes das Urtheil in dem „Deutschen Voltsblatt," in der „Neuen Freien Presse" und in der „Bohemia" zu veröffentlichen. Dr. Fialla bat den Richter, dem Privatkläger, der durch diesen Artikel brotlos geworden sei, die vor diesem Gerichte mögliche Satisfaction nicht zu versagen. Dr. Mever begnügte sich, daraus hinzuweisen, daß der Artikel nicht im Schoße der Redaction entstanden sei, und daß er nur eine Reproduction der Gerüchte sei, die damals in Polna herrschten. Dr. Fialla entgegnete, daß solche Gerüchte nicht zur Zeit des Artikels bestanden hatten, sondern erst durch den Artikel geschaffen wurden. Wie der Staatsanwalt Dr. v. Kleeborn richtig bemerkt habe, werden bei derlei Mittheilungen die Steine aus der Straße lebendig und es klirren die Scheiben. Der Richter veruriheilte August Schreiber wegen Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge zu einer Geldstrafe von vierhundert Kronen, event. zu vierzig Tagen Arrestes. Es ist dies die höchste auf dieses Deliet im Gesetze normirte Strafe. Gleichzeitig wurde der Veruriheilte verpflichtet, in der drittnächsten Nummer das Urtheil im „Deutschen Volksblatt," in der „Neuen Freien Presse" und in der „Bohemia" zu veröffentlichen. In der Urtheilsbegründung hob der Richter hervor, daß in dein incrimirten Artikel gegen Kurzweil direct die Beschuldigung des Mordes erhoben wurde und daß für die schwerste Beschuldigung ein Wahrheitsbeweis gar nicht angetragen wurde. Briefkasten der Redaction. T. 20: Die Knab n dürfen nicht tragen. A. G. in E: 5. Mai 1887 gleich 11. Isar 5647. Die Sidra ist “hon. Briefkasten der Erpedition. Reichsländer: Tie zweimalige Ausnahme kostet M 7.50.___ Herrumnn und Jettchen Müller sche Allgemeine Wohlthätigkeitsstiftung. Aufgabe der Stiftung ist: Die Förderung und Unterstützung von Einrichtungen und Veranstaltungen für Erziehungs. Unterrichtsit. Wohltbätigkeitszwecke, sowie sonstiger gemeinnütziger Zwecke innerhalb des JudenthumS. 1>. Die Unterstützung hilfsbedürftiger israelit. Glaubensgenossen. jedoch nur soferne dir Gewährung im mittel varen oder unmittelbaren Interesse des Judeuthums 'st (Andere Unterstützungsgesuche können nach dein Stiftungsstatute keine Berücksichligung finden) Tie Verbesserung der bürgerlichen Stellung der Juden. Die Verbeschetoung der Gesuche, welche bis spätestens Dienstag, den 2u. März I I. cii die Unterfertigte Eustus- Verwaltung einzureichen sind, geschieht ohne Rücksicht auf Ort und Land der Petenlen. [1029 Die Verwaltung der isr. Kultusgemeinde: Der I. Vorstand: Der Sekretär: Ofner, Rechtsanwalt. Rein, Rechtsanwalt.