Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 15 (19.2.1900)
- Date
- 1900-02-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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41. Jahrgang. 15 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Gorrespsrrvenzen Deutschland. Grciizhnuseii (Westerw.'). Das Bedürfnis; einer neuen Synagoge war in unserer Gemeinde schon längst vorhanden, doch fehlten uns die hierzu nöthigen Mittel. Frau Joseph U l l in a n n aus Leipzig, welche hier geboren und ihrem letzten Wunsche gemäß zur ewigen Ruhe gebettet ist, suchte neben ihrer Sorge für die Hebung ihres Geburtsortes auch unserer Gemeinde ein würdiges Gottesbaus zu verschaffen. Der Tod setzte ihrem Streben ein Ende, aber was sie unerfüllt mit ins Grab genommen, das hat in pietätvoller, hochherziger Weise ihr edler Sohn, Herr Charles U l l m a n n in Leipzig, zur Verwirklichung geführt. Durch den Bürgermeister ließ er ein schön gelegenes Grundstück gegeniiber dem Casino kaufen und dort ans eigene Kosten eine stilvolle Synagoge, über deren Eingang „Ullmann- ^tistung" zu lesen ist, aufbauen. Ans speziellen Wunsch des Bezirksrabbiners Herrn Dr. Weingarten in Ems ivurde eine Mikweh irn Erdgeschosse eingerichtet. Aiu 2. Februar tonnte der Bau unter Betheiligung der gesummten Bürgerschaft seiner heiligen Bestimmung übergeben tverden. Fast sämmtliche Häuser des Ortes prangten an diesem Tage im Flaggenschmucke und kündigten das Herannahen der Festlichkeiten an. Um zlvei Uhr versammelten sich die Gemeindemitglieder und zahlreiche Gäste zum letzten Male in dein alten Bethause, woselbst Herr Lehrer Cohn aus Vallendar den Minchagottesdienst, unterstützt von einem Chore, leitete und Herr Bezirksrabbiner Dr. Weingarten aus Eins ergreifende Abschiedsworte an die Anwesenden richtete. Unterdessen hatte sich auf der Straße eine große Menschenmenge angesammelt, sodaß die Festordner Mühe batten, Raum für den aufzustellenden Festzug zu gewinnen. Dieser zog auf einem Umwege unter Musik- und Gesangbegleitung nach der neuen Synagoge. Bor dem Portale derselben überreichte Frl. F u l d h e i m mit einer sinnigen Ansprache den Schlüssel dem Bürgermeister, Herrn E o r u l i u s , dieser, indem er versprach, die Synagoge in den städtischen Schutz ,;u übernehmen, dem Kgl. Landrath Herrn Dr. Schmidt aus Montabaur, und dieser hinwiederum, indem er der Gemeinde zu dem Werke gratnlirte, dem Bezirksrabbiner, Herrn Dr. Weingarten ans Ems. lvelcker die Tbüre der Synagoge öffnete, sodaß der Jnnenraum sich den erstaunten Blicken zeigte. Nachdem die Festtheilnehmer, unter denen wir außer! dem Landratb und Bürgermeister auch den Pfarrer des Ortes und den Rektor mit dein Lehrerkollegium I bemerkten, ihre Plätze eingenommen hatten, wurden unter Gesangbegleitnng des Syngogenchores die üblichen Rundgänge vollzogen, und nach einem Liede, gesungen vom Männergesangverein von Grenzhausen, bestieg Herr Bezirksrabbiner Dr. Weingarten die Kanzel, um eine erhebende Weihepredigt zu halten, mit Zugrundelegung des Wochenabschnittes: „Sie sollen mir ein Heiligthum bauen, aus daß ich in ihrer Mitte wohne." Mit einem Gebete für Kaiser und Reich, den Stifter des Gotteshauses und die Gemeinde schloß die ergreifende Predigt, an welche sich das Abendgebet, geleitet von Herrn Lehrer Cohn, anreihte. Die Behörden und sämmtliche christlichen Bürger, die zahlreich erschienen waren, harrten mit der andächtigen Gemeinde bis zum Schlüsse aus, um sich dann um 8 Uhr im Hotel Coreilius in festesfroher Stimmung wieder einzufinden. Herr Dr. Weingarten brachte das Kaiserhoch ans und betonte in seinem Toaste auf die Bürgerschaft, das friedliche und harmonische Berhältniß, das in Grenzhausen zwischen allen Bürgern bestehe und nicht zum mindesten dem gerechten Sinne des Bürgermeisters zu danken wäre. Es folgten die Toaste des Bürgerineisters auf die Gemeinde und des Herrn Rosenberg auf den Stifter Herrn Ullmann, den Krankheit leider vom Erscheinen gehindert. Die Festlichkeiten am nächsten Tage wurden eingeleitet durch den Festgottesdienst und die Festpredigt des Herrn Dr. Weingarten und beschlossen durch ein Bankett am Samstag Abend. Hervorzuheben ist noch, daß der christliche Männergesangverein durch öftere Gesangespieeen das Bankett verherrlichte. Freibnrg i. B. Vergangenen nrp -*iy ist hier eine Frau verschieden, deren ''ns L'pyvüber die Grenzen ihres Wohnortes hinaus bekannt sind. Frau Jeanette M o d e l ist nicht mehr! lautete der Klageruf von Mund zu Mund, überallhin Wehmuth und Schmerz verursachend, denn sie lvar im vollsten Sinne des Wortes eine!vnc*s eine Frau, die in nxe hren höchsten Lebensgenuß fand. Eine gelvaltige Menschenmenge. Juden und Richjuden, erwiesen der Verstorbenen die letzte Ehre. Am Grabe schilderten die Herren Rabbiner Dr. L e w i n und Dr. K ahn- Wiesbaden, ein Bruder der edlen Dahingeschiedenen, das Leben, Wirken und die großen Tugenden dieser rpix und gaben der Trauer beredten Ausdruck. Als Herr Rabb. Dr. Kahn mit thränenerstickter Stimme Abschied nahm, blieb kein Auge thränenleer. Ihr Andenken wird Allen unvergeßlich bleiben. Oesterr.- Ungar. Monarchie. Krakau. („Die Krakauer Klostergeschichte.") Es >vurde bereits in mehreren Zeitungen berichtet, daß in Krakau ein jüdisches Mädchen, die noch nicht vierzehnjährige Tochter des wohlhabenden Hausbesitzers Israel