Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 15 (19.2.1900)
- Date
- 1900-02-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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294 Hierauf eilte er noch zum Gemeindevorsteher zur Erledigung einer amtlichen Angelegenheit. Auf dem Heimwege wurde ihm übel, er sank hin, und nachdem die her. beigeeilten Männer das Schma Jisroel geendet hatten, seufzte er tief auf und mit einem Lächeln um den Mund, das auch noch nach der Thaaroh in staunenerregender Weife lvahrnehmbar ivar, hauchte er feine reine Seele aus rrnun ntj-ipz ince'j rsr gerade am Jahrzeitstage seines großen Vaters s. A. Seine Beerdigung, die, wie wür bereits berichteten, Donnerstag Nachmittag um drei tlhr stattfand, gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der Trauer und des Beileids von Stadt und Land, wie solche in Znin kaum je stattgesunden. Biedrere Rabbiner aus der Provinz Posen eilten herbei, ihrem ehrwürdigem Collegen die letzte Ehre zu erweisen, und die zu kommen verhindert waren, so Herr Dr. Feilchenfeld-Posen etc., sandten Beileids- und Entschuldigungstelegramme. Auch Fremde aus ferngelegenen Orten eilten herbei; so war auch Berlin vertreten. Der Landrath sandte ein eigenhändiges Beileidsschreiben mit dem Ausdrucke tiefsten Bedauerns über den Hintritt seines Freundes in Patriotismus und Bürgertugend, was wohl als ein Kiddusch haschem angesehen werden kann. Nach der Thaaroh. an der, nach des Verstorbenen Willen, nur Männer, die vorher ein rituelles Bad genommen, tbeilnebmen durften, und die in anerkennensiverther Weise Herr Wolf geleitet hatte, wurde der Oraun nach der Synagoge gebracht. Bevor der theure Todte aus dem Hause seiner langjährigen und segensreichen Lebrtbätigkeit getragen wurde, sprach sein Schwiegersohn, Rabbiner Singer aus Mogelno, Worte des Abschiedes im Namen der Familie, zu Grunde legend das Wort Rabbi Jochanans 'e 'iL'x ,2:0 LL'2 -ce:* 2'll b-7N ,rr,TZ wi ,mw2 b-,:v cv "z'a rbv den letzteren Absatz in Verbindung bringend mit der Vorschrift in lausender Sidra P rn -sAx npden lautern Character des Verewigten schildernd, sowie das "X2d r;rz aus des Verstorbenen grenzenlose Bescheidenheit anwendend, wie derselbe, der ein Moaur hagodaul gewesen, sich heimlich davonschlich, wenn es galt, ihm irgend eine Ehrung zu erweisen. So z. B. wurde bemerkt, wenn er einmal nicht der Erste in der Synagoge gewesen, so weilte er womöglich vor Eintritt draußen, vis an eine Stelle im Gebete, wo die Gemeinde sich ohnehin erhebt, damit die Betenden sich nicht seinetwegen, wie üblich, bei seinem Eintritte von ihren Sitzen erheben sollen. Im Temvel sprach Herr Dr. I a k 0 b s 0 h n - Gnesen, in meisterlicher Beredtsamkeit dem Schmerze über den Verlust seines persönlichen Freundes Ausdruck gebend. Zu Grunde legend das Wort Lmmy cup w führte der Redner aus, wie standhaft der Heimgegangene P'"!* gewesen und überzeugungstreu in Glaubenssachen, dabei auch ein Freund weltlichen Wissens, und wie den allgernein Beliebten auch die herrlichsten Bürgertugenden schmückten. Letzteres war eine Anspielung auf des Verklärten letzte Predigt zu Kaisers Geburtstag, lm> er in beredten Worten seiner monarchischen Gesinnung und Vaterlandstreue begeisternden Ausdruck verlieb. Ferner führte Herr Dr. Jafobsohn aus, wie der Verklärte, dessen Name Eliahu Jacob, gleich Jacob ein gewesen, aber auch wie Eliahu, ein Eiferer für die heilige Religion, so auch andererseits als ein außerordentlich friedliebender Mann, dem Beispiele des min “x^c folgte. Bei Erwähnung des herben Verlustes, der ganz Israel durch den Hintritt des großen, vor uns aufgebahrten Rabbi, insbesondere aber seine Gemeinde betroffen, da brachen die Anwesenden in so heftiges, lautes Schluchzen, Wehklagen und Weinen aus, daß der Redner eine Weile iunehalten mußte, um wieder zu Gehör zu kommen. Draußen im Friedhofe hielt zu vorgerückter Stunde Herr Dr. A u e r b a ch - Rogasen in blumenreicher Sprache die Trauerrede, in Anspielung auf den letztwilligen Wunsch des Rabbenu hakodausch, es möge im Hause Alles in dem Zustande erhalten bleiben, wie er es verlassen. In Kürze noch die Biographie des Heimgegangenen. Wie erlvähnt, war er der Sohn des p'ni;n px:n b 7 L-n rn:x R a b biner zu Znin. Liebe zum Studium in Thora bewies er schon als Knabe. Nachdem erMu der Jeschiwoh seines Vaters vorbereitende Kenntnisse in Schaß und Poskim ertoorben, ging er zur weiteren Vervollkommnung nach der Jeschiwoh des nA xt,t pxin sprxSz in Schönlanke, und von hier später zum nr-iEcn; 7 x 171 „Malbim" genannt, der zur Zeit in Wreschen sungirte, und dessen Freundschaft und Vertrauen er sich in ganz besonderem Maße erworben, indem ihm benannter Rabbi seine w zrz zur Verwahrung, wie zur Durchsicht anvertraute. Besonders erwähnenswerth ist, daß er niemals die Absicht hatte, Rabbiner zu werden, sondern nur Thora lischmoh gelernt hatte. Nach der Hochzeit mit seiner nunmehr verwittweten Gattin, mit der er in beinahe Gßähriger Ehe gelebt, ließ er sich in Sabiskin nieder, wo er sich einen Laden eingerichtet hatte. Aber auch während seines geschäftlichen Treibens pcs x b nvriE verwendete er jede freie Stunde zum Studium in prrr Wenn er geschäftlich verreiste, so war natürlich irgend ein Sefer in feiner Begleitung und wenn er dann nach Hause kam, es durfte noch so spät in der Nacbt getvesen sein und sein Körper erschöpft und ermüdet, ging er nicht zur Ruhe, ehe er nicht seinen beftimmteu Schiur gelernt hatte. Nach erfolgtem Ableben seines Vaters s. A. wurde er von der Gemeinde Znin einstimmig zu dessen Nachfolger n'i^.n xeh bv berufen. Da es aber weder dem Willen des verstorbenen Vaters noch seiner ursprünglichen Neigung entsprach, Rabbiner zu werden, so weigerte er sich anfangs zur Annahme des ihm angetragenen Rabbinates. Und als er endlich, auf das Drängen seiner Freunde daraus hinwies, nickt im Besitze einer Hatboratb haurooh zu sein, da sandte ihm sein früherer Meister und Lehrer, der Rabbi in Schönlanke, eine sol-