Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 15 (19.2.1900)
- Date
- 1900-02-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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41. Jahrgang. Jftg 15. Der Israelit. Ein Aenlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudentßum. Begründet von Vr. Ukhrrrnnrr in ZNtttnr. Montag, den 10. Kebruar 5660 (I960). sür Erne UlarH nbonnirt man bei allen Postanstalken für den Monat März -LSauf den Misr«iellt“. Tiefer Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSschalter des Wohnsitzes deS Bestellers oder bei dem betreffenden Landbrieftrügrr aufgegeben werden. Ausland entsprechend höher. MeErprditüm drs ..Israelii*. leitender Artikel. UaNl Elias Iacad Chaiiu y Wie in der vorigen Nummer bereits kurz berichtet, wurde die Gemeinde Znin durch das plötzliche Ableben ihres gefeierten Rabbiners, der 44 Jahre in hingebender Treue daselbst amtirte. in tiefe Trauer versetzt. Mit der Gemeinde trauert ganz Israel H c*:r*p rrr Mit dem Verewigten V? ging dahin ein Mann der alten Schule, der Typus eines Rabbiners, wie ein solcher in der heutigen Zeit im deutschen Reiche kaum mehr zu finden ist, der nebst seinen amtlichen Funktionen, denen er pflichtgetreu und auf's gewissenhafteste obliegt, den Hauptzweck seines Lebens und Berufes darin sah rrrryn bn mwn bv -ir" zu sein. Tag und Nacht sich unentwegt zu beschäftigen mit dem Studium der Thora, und im wahren Sinne des Wortes nicht nur Seelenhirte, sondern auch Vater, Berather aller seiner ihm theuren Gemeindemitglieder und noch darüber hinaus, wenn man von irgendlvo mit Schaaloth schriftlich wie mündlich herantrat, gewesen zu sein. Trotz seines unausgesetzten Studiums in Thora fand er immer Zeit zu freundlichstem Entgegenkommen für solche, die ihn besuchten, gleichviel, ob's ein zugereister Armer, oder ein Vornehmer aus der Gemeinde war; für Jeden, der an ihn berantrat, hatte er ein freundliches Wort, war ungemein anspruchlos und bescheiden im Umgänge, sowie unermüdlich in Gemilus chesed. Auch war er in seiner großen Frömmigkeit duldsam gegen Andersdenkende. Er verstand es, in seiner gewandten Veredtsamkeit, eindringlich zu mahnen und zu belehren, ohne je verletzend zu sein; wo es anging, war er ein dan lekas sechus, suchte Anderer Fehler zu entschuldigen, betete gleich Abraham für die Sünder, und es gab kaum einen Menschen in seinem Bekanntschaftskreise, es sei ein Gesetzsireuer oder nicht, ob Jude oder Andersgläubiger, der anders als mit der größten Hochachtung und Verehrung seines Namens gedachte. Man kann beinahe von ihm auch sagen, daß. was Bekijoth Zidkus und Aniwus, talmudische Gelehrsamkeit, lautere Frömmigkeit und seltene Bescheidenheit in einer Person vereint betrifft, er kaum seines Gleichen hinterlafsen wird, darum ist sein Verlust unersetzlich und rufen wir in Wehmutb aus Ehawal al deofvin welo mischtakchin, da er zumindest im engeren Baterlande keinen Ersatz binterließ. Der Verstorbene hatte ein Alter von fast 80 Jahren erreicht. Leidend, aber nicht bettlägerig, denn dazu nahm er sich nicht Zeit, war er in seinem letzten Lebensjahre geworden, davon aber, außer einigen seiner Familienangehörigen, keiner wußte, da er Niemandem, auch seinen in der Ferne wohnenden Kindern nicht, um diese nicht zu beunruhigen, seine Schmerzen, die er mit Gottergebenheit trug, ttagte. Darum kam sein Hinscheiden für die Meisten so unverhofft und plötzlich. In irgend einem Eurorte sollte er Heilung und Erholung suchen, dies aber, meinte er, finde er eher im eifrigen „Lernen," das da war xctc rnpr bzb' eine Erquickung und Herzstärkung für ihn. Am Dienstag “~x 'r Nachmittags ging er in die Mikwoh, Abends, zum achten Adar, dem Jahrzeitstage seines großen Vaters bn c"r, cmsx p'-xn px:n dessen Nachfolger im Rab binate er war, lernte er laut Mischnajoth und betete noch mit kräftiger Stimme das Mariw-Gebet vor.