Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 13 (12.2.1900)
- Date
- 1900-02-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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noch nicht ausgetragen ist, wird aus Krakau eine gewaltsame Zurückhaltung eines Judenmädchens durch katholische Nonnen gemeldet. Die Tochter des reichen jüdischen Kaufmanns Araten in Krakau, die im Alter von 13l/L> Jahren steht, wurde durch zwei weibliche, Dienstboten ihres Hauses in das Salefianerinnenkloster! gebracht. Als die Eltern den Aufenthalt ihrer minder-' jährigen Tochter erfuhren und deren Herausgabe der-! langten, verweigerten die Nonnen die Auslieferung desi Mädchens unter dem Vorwand, das Mädchen wolle sich! taufen lassen. Als Schritte bei der Krakauer Polizei^ und den Gerichten erfolglos blieben, ist der Vater, wie! man dem „B. T." berichtet, nach Wien gereist, um bie’ Intervention des Justizministers anzurufen. In-! zwischen verlautet, das Mädchen befände sich nichts mehr in dem Krakauer Kloster. Die Nonnen weigern * sich aber ihren gegewärtigen Aufenthalt anzugeben.; Seit der Entführung des Mädchens sind fünf Wochen! verflosien. Frankreich. Paris, 7. Febr. Lhermite, Mitarbeiter und Perreux. Verwalter der „Aurore", find zu je 100 Frcs. Geldstrafe verurtheilt worden. Die „Aurore" hatte den Unteroffizier Solanges beschuldigt, den Soldaten Bernard im Dragoner-Regiment zu Epernay durch seine Mißhandlungen umgebracht zu haben, weil derselbe Jude war. Solanges hatte ihn als solchen bezeichnet. Das Zeugenverhör hatte bestätigt, daß Bernard, obwohl er durch einen Sturz vom Pferde verwundet, noch nach den Kameraden Reitübungen machen mußte. . Bernard hatte auf dem Sterbebette seiner Mutter die erlittenen Mißhandlungen geklagt. Der Regimentsu. der Gerichtsarzt widersprachen sich vor dem Schwurgerichte über die Todesursache. Die Pflegeschwester bestätigte, daß sich Bernard bei seiner Mutter über die erlittenen Mißhandlungen beklagt, andere Zeugen bestätigten, daß der Verstorbene nicht verlogen gewesen ist. Ein Soldat sagte einem Zeugen: Wegen eines Todten wird man sich doch nicht dem Loch (Gefängniß) aussetzen. Alle Vorgesetzten zeugten zu Gunsten So- . langes, sagten, derselbe sei eher zu milde, als zu strenge, er habe niemals Bernard Jude geschimpft, wie mehrfach von anderer Seite behauptet wurde. Der Anwalt Solanges führte sehr erregt und feierlich aus, er wolle die Sache des Heeres führen, denn es ist nicht Solanges, sondern das 36. Dragonerregiment, das Heer, gegen welches man vorzugehen versucht. Es ist einer der nichtswürdigen Angriffe auf das Heer, die Ehre Frankreichs, das Heer, welches an die Grenze zieht. Dieses, wenn auch noch so abgedroschene Geschwätz, machte Eindruck auf die Geschworenen, welche Lhermite und Perreux verurtheilten. Das Gericht schien die Meinung der Geschworenen nicht zu theilen, wenigstens wendete es einen sehr niedrigen Strafsatz an und sprach auch Solanges nur einen Francs Schadenersatz zu, statt der 1000 Francs, die er verlangt hatte. Australien. Sydney. Der hiesige Jewish Edukation Board hielt am 19. Dezember v. I. seine jährliche Generalversammlung ab und konnte einen Bericht entgegennehmen, der nach jeder Richtung hin erfreulich lautete. Die Zahl der Kinder in den jüdischen Schulen ist auf 620 gestiegen, wovon 287 Knaben und 233 Mädchen sind. Die Finanzen stehen gut, das Bankett zu Gunsten des Fonds hat ein außergewöhnliches Resultat gegeben. Feuilleton. WcriH einer waßren Wegebenheit. *] Von Friedrich Roll Die Gräfin Edgersdorf hatte ihre Freundin, die verwittwete Baronin Waldstein, die Stiegen hinunter begleitet. „Nicht weiter, liebste Adele," sprach die Baronin stehen bleibend, „es freut mich außerordentlich. Dich wieder wohlauf zu sehen, aber es wird schon kühl und Du bist noch Reconvaleszentin." „Ach Unsin," lachte die Gräfin, „ich begleite Dich bis zu Deinem Wagen, das schadet mir nicht, habe ich nicht recht, Hugo?" wandte sie sich an den jungen Waldstein, der den Damen gefolgt war und eben seiner Mutter den Arm reichte. „Recht haben Excellenz sicher," entgegnete der junge Mann lächelnd, „aber Mama ist immer so ängstlich besorgt für Alle, die ihr lieb und theuer sind, daß ich in der That fürchte ■—" „Daß ich vor Angst nicht schlafen könnte," fiel die Baronin ein, „wenn ich denken müßte. Du könntest Dich, Gott behüte, abermals erkältet haben." „Wer wird so übertrieben sein! — Aber wenn es Dich beruhigt, will ich nicht mit hinausgehen. Sage mir nur noch, wie gefällt Dir der Doktor Kohn, ist er nicht ein reizender Mensch?" Die Baronin verzog den schön geformten Mund. „Wie kann ein Mensch, der Kohn heißt, reizend sein —" „Ob er Kohn heißt, oder Christian, oder Pumpstock, das ist doch einerlei," versetzte die Gräfin lachend. „Thatsache ist, daß er mir das Leben gerettet hat." „Das ist allerdings die Hauptsache," stimmte die Baronin bei, „wenigstens für uns — für den Herrn Doktor Kohn wird das glänzende Honorar die Hauptsache sein, das Dein Mann ihm vermuthlich hat zukommen lassen." „Pfui Emma, wie kannst Du so reden!" rief die 4