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Der Israelit · 1900-02-12 · Heft 13 (12.2.1900) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 13 (12.2.1900)
Date
1900-02-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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266 Rothschild wurde bei seinem Anerbieten an die I. C. A. von zwei Gründen geleitet: Erstens will er seinem Lebenswerte die Stetigkeit und ununterbrochene Fortdauer sichern, und zweitens hat er darum der I. C. A. die Verwaltung übergeben, weil diese von allen einschlägigen Vereinen die größten Erfahrungen gesammelt und die besten Erfolge auf dem Gebiete der Colonisation erzielt hat. Die I. C. A. fußt auf dem Grund satze, zunächst die bestehenden Kolonien so weit zu fördern, daß sie selbstständig dastehen können u. dann erst wieder neue Kolonien ins Leben zu rufen. Die I. C.: A. fördert auch die Kolonisten in Argentinien und Nord-Amerika, und ihr Thätigkeitskreis umfaßt auch Rußland. Galizien und Rumänien. Baron Rothschild hat nun, um das finanzielle Risiko der Gesellschaft zu vermindern, derselben auf zehn Jahre eine bedeutende Zuschußsumme garantiert und der I. C. A. das Recht eingeräumt, die Auflösung des Vertrages zu fordern, >venn sie außer dieser garantierten Summe noch fernere Beiträge leisten müßte, welche zwei Drittel dieser Summe erreichen. Die I. C. A. hat einen ihrer tüchtigsten Beamten, Herrn Meyersohn, nach Palästina gesandt, der auf Grund eingehender Beobachtungen sein Urthei! dahin abgegeben hat, daß sehr wohl die Administrationskosten wesentlich zu vermindern sind und daß die Kolonien in absehbarer Zeit zu erfolgreichem Gedeihen gebracht werden tonnen. Köln, 8. Febr. Am 8. Januar fand die erste öffentliche Repräsenianten-Sitzung der jüdischen Gemeinde in Köln statt. Bekanntlich hat bei obigen Sitzringen jetzt wie in Berlin die Oefrentlichteit Zutritt. Bor Eintritt in die Tagesordnung verlas Herr de I o n g ein an den Vorstand gerichtetes Schreiben, von Herrn Ludwig Horn, worin derselbe ersucht, ihn vom Ehrenamte eines Repräsentanten rvegen längeren Leidens zu dispensieren. Der Vorstand ließ genanntem Herrn ein Schreiben zugehen, in dem er sein Bedauern ausdrückt und ihn bittet, im Amte zu verbleiben. Die Wahl des Vorsitzenden wird durch Acclamation vorgenommen und Herr Mar B e n d i x wird als Vorsitzender und als dessen Stellvertreter Herr Max W i l d b e r g gewählt. Bei Titel k, Position l, findet es Herr Wildberg auffallend, daß die persönliche Zulage für Herrn Rab biner Dr. Frank als nicht pensionsfähig bezeichnet ist, während in dem neu abgeschlossenen, vor Schluß des Etatsjahres 1900— 1901 in Kraft tretenden Vertrage die Pensionsberechtigung bezüglich Gehalt, persönlicher Zulage und Miethsentschädigung im Gesammtbetrage von 8000 Mk. ausgesprochen ist. Die Worte „nicht pensionsberechtigt" werden, nachdem obige Ausführungen ihre R^.Egkeit haben, gestrichen. Bei Titel 1, Po^ 8 und 4, kommt ein nicht unbe achtenSwerther Gegenstand zur Sprache. Herr Wild: berg beschwert sich über den mangelhaften Besuch des Gottesdienstes seitens der Kantoren. Herr Gottschalk glaubt Geldstrafen angebracht, während Herr Lehmann der sortgesetzreil Renitenz halber Kündigung empfiehlt. Mittlerweile erfuhr ich, daß einer der Kantoren wegen ungehörigen Benehmens, während er im Amte thätig war, aus vier Wochen vom Amte suspendiert wurde. Bei Titel 5, Pos. 6, wurde der auf dem gesetzestreuen Boden des Judentbums stehende Secretär Herr Simon Stern wegen seiner Diensttreue dadurch belohnt, daß ihm eine Gehaltszulage von 500 Mk. fast einstimmig bewilligt wurde. Herr Stern hat sich namentlich dadurch verdient gemacht, daß er den Abschluß der jüngsten Anleihe sehr beschleunigt hatte. Der neologe Kantor wird wegen Ungehörigkeit im Dienste suspendiert, der gesetzestreue Secretär erhält öffentliche Anerkennung für sein reges und ehrliches Jntereffe, das er am Gedeihen der Gemeinde hat. Solche Vorkommniffe thun namentlich uns Gesetzstreuen unendlich wohl. Und wir Gesinnungsgenossen von Herrn Stern sind ihm im gewissen Sinne alle zu Dant verpflichtet, daß er ein so schönes Exempel für unsere Sache statuiert. Bei Titel 0 referirt Herr Dülken, daß der Vorstand den Tarif der Sarganfertigung dahin abgeändert habe, daß für die 1. Elaste 14 Mk., 2. Eiasse 12 Mt., 8. Elaste 10 9Jlt, festgesetzt worden ist. Das Repräscntanten-Collegium genehmigt diese Ta rifänderung. Herr Rechtsanwalt Dr. Mannheim empfiehlt dem Vorstand zu bedenken, ob man hier nicht wie in vielen anderen großen Städten, die Leiche im Stillen nach der Freidhofhalle überführen soll, wo die Traueroersammlung zur festgesetzten Zeit der Beerdigung sich einzufinden hat, da das bisherige System nickt mehr zeitgemäß sei. Zuletzt dürfte es nicht uninteressant sein, den Etat pro 1900/1 kurz zu skizzieren, d. h. wenigstens die Ge Halter der Beamten zur Kenntniß zu bringen. Gehalt der beiden Rabbiner 8000 und 4500 Mk, der Kantoren 4000 und 4000 Mt., des Secretärs 5000 Mt., der Gemeindediener 1800 und 1200 Mk., Pension eines Gemeindedieners 1000 Mk., Religionsunterricht 1500 Mk. Die Tagesordnung fand damit ihre (Erledigung. In dem gelesensten Organe Kölns, im Stadt- Anzeiger, war vor und nach dem Feste der Kaiser feicrlichkeiten im redaktionellen Theile eine Zusammenstellung aller vorbereiteten bezw. stattgehabten Festgottesdienste veröffentlicht, aber merkwürdiger Weise ivar der jüdische dabei übergangen worden, ebenso wie im Vorjahre. Erst einige Tage späler erschien, wahrscheinlich aus Veranlassung einiger jüdischer Bürger, „die sich getränkt fühlten," eine kurze Notiz. Ueber diesen Vorfall schreibt ein hiesiges jüdisches Blatt ca. zwei Spalten. Jst's wirklich so viel werth? Was mögen das für Juden gewesen sein, die sich darob „gekränkt fühlten?" Gleitvitt. In erhebender und auch für iveitere Kreise anregender Weise ist hier das Stiftungsfest der Ehewra Kadischa begangen worden. An: Morgen versammelten sich die Bereinsmit gluder zu einer tiefernsten Feier auf denr Friedhöfe,

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