Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 12 (8.2.1900)
- Date
- 1900-02-08
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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' - »-^ r-liriM>f?M>i»».^«,,'B> "-TPF-pr 68 '■■fJ*WF?r?.ZW:&?&'& wird, wenn die Betreffenden später anf einzelnen Gehöften wirthschaften. Die Anstaltsgebäude bestehen aus einem zweistöckigen Hauptgebäude mit Schulzimmern, Lehrerwoknungen, Speisezimmer, 2 luftigen und gesunden Schlafsälen, Wirthschaftsiäumen und Badezellen, ferner einem einstöckigen Gebäude mit Werkstätten und Wohnungen für die Angestellten. Ausserdem sind eine Turnhalle, drei Gewächshäuser, sowie ein grosses Oekonomiegebäude mit Scheune, Stallungen, Wagenremisen und Vorrathsräumen vorhanden. Das Ahlemer Institut hat bislang nur Baum für ca. 60 Zöglinge; augenblicklich zählt dasselbe 22 Schüler und 33 Lehrlinge aus allen Theilen Deutschlands und Oesterreichs, und da noch verschiedene Aufnahmegesuche vorliegen, so wird das jetzige Gebäude voraussichtlich in allernächster Zeit gefüllt sein. Ein solches Institut, welches geeignet ist, manches Vorurtheil auf positive Weise zu widerlegen, hätte eigentlich sofort bei allen deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens nicht nur Anerkennung, sondern auch Unterstützung finden müssen. Leider ist dies bis jetzt nicht in genügendem Masse der Fall, und es müsste doch allseitige Förderung erfahren, wenn es auch weiter nichts erzielte, als dass es die Knaben, von denen mancher allseitig vernachlässigt und körperlich zurückgeblieben eintritt, zu kräftigen und erwerbsfähigen Menschen heranbildet, zur Sittlichkeit und Religiosität erzöge und unsere Gegner Lügen strafte, die den Juden Entnervtbeit und Trägheit zum Vorwurf machen. Die Anstalt strebt aber Höheres an, sieht freudig in die Zukunft und rechnet darauf, dass Ahlem eine Bildungsstätte für weit und breit werden wird, und dass aus ihr tüchtige Lehrer und Leute für andere jüdische Ackerbauschulen und Ackerbau-Kolonien hervorgehen werden. Der Begründer der Anstalt hat sich von Anfang an nicht verhehlt, dass die von ihm ausgesetzte Summe von 200 000 Mark nicht genügen würde, das grosse Werk zu gründen, und er schwankte lange, ob er dasselbe überhaupt in Angriff nehmen solle. Nichts bietet einen betrübenderen Anblick als eine nothleidende Anstalt, die den Aufschwung zur Höhe nehmen könnte, aber durch Mangel an Mitteln niedergehalten wird. Ein einfaches Rechenexemplar bewies ihm, dass die ganze grosse Summe durch den Ankauf des Areals zu dem billigen Preise, zu dem er es erworben, und durch den Bau der Anstaltsgebäude und deren Einrichtung, sowie durch Beschaffung des Inventars würde festgelegt werden, und die Folge bewies es, dass er sich nicht geirrt hatte. Trotzdem bei allen Einrichtungen und Anschaffungen mit derfgrössten Sparsamkeit vorgegangen wurde, haben die von dem Begründer ausgesetzten 200 000 Mark sammt der verhältnissmässig nicht sehr hohen Gesammtsumme der eingelaufenen Gaben doch nicht genügt, kaum das Allernothwendigste zur Erreichung der gesteckten Ziele zu beschaffen. Die Anstalt hat augenblicklich ca. 20 000 Mark Schulden, und bedarf noch einer weit grösseren Summe, um noth wendige Bauten und Einrichtungen zu beschaffen, abgesehen von einer Vergrößerung, die, nachdem die vorhandenen Räume gefüllt sind, schon jetzt erforderlich wird. Die rasche Zunahme an Schülern in so kurzer Zeit liefert den erfreulichen Beweis von der Notwendigkeit einer solchen Schöpfung, und ein Blick in die Heimathsverhältnisse der Schüler lehrt, dass die Anstalt durchaus keinen lokalen Charakter hat, keine hannoversche, sondern eine allgemein jüdische ist. Es dürfte nur selten ein Ort gefunden werden, bei dem alle Vorbedingungen für eine günstige Entwickelung so offen und klar liegen, wie bei Ahlem, mitten in einer Ackerbau treibenden Bevölkerung, und dabei in der Nähe einer Grossstadt mit all' den geistigen Anregungen und Gelegenheit zur allseitigen Ausbildung. Mit Recht darf daher wohl behauptet werden, dass an dem Gedeihen dieser Anstalt alle Gemeinden interessirt sind, und um diese allgemeine Theilnahme zu erwecken, sind die Statuten, unter Mitwirkung hervorragender Berliner und Frankfurter Juristen, Ende des Jahres 1894 festgestellt worden, und hat sich ein provisorisches Kuratorium aus angesehenen Glaubensgenossen in Hannover, Frankfurt a. M., Berlin und anderen deutschen Plätzen konstitnirt. Die nächste Sorge war, für die Anstalt Korporationsreehte zu erlangen, was unter den obwaltenden Umständen mit grossen Schwierigkeiten verbunden war, da von kompetenter Seite die Summe von 100 000 Mark noch für erforderlich gehalten wurde, um die Existenzfähigkeit der Anstalt in den Augen der massgebenden Kreise als gesichert erscheinen zu lassen. Der Antrag anf Erteilung der Korporationsrechte ist übrigens gestellt (und seit Abfassung dieser Denkschrift der Anstalt auch ertheilt worden. Red.) Sicher ist es eine Ehrensache der reichen jüdischen Glaubensgenossen und der grossen jüdischen Gemeinden, möglichst schnell diese Summe zu beschaffen, damit die Anstalt, welche schon jetzt die Aufmerksamkeit weiter jüdischer und nichtjüdischer Kreise anf sich zieht, in den Stand gesetzt werde, ihr hohes Ziel zu erreichen, dem einzelnen zum Segen und der Gesammtheit zum Heile. Es ist eine eigentümliche Erfahrung, welche auch bei anderen edlen Bestrebungen leider gemacht wird, dass bei Wohlthätigkeitseinrichtungen, die auf einfache Almosen hinauslaufen, sich unter