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Der Israelit · 1900-02-08 · Heft 12 (8.2.1900) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 12 (8.2.1900)
Date
1900-02-08
Page
– (sequence 18)
Language
German
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246' bar waren. (?) Der Beschluß wegen der Schechitah war für die Adaß Israel unabänderlich, im Geldpunkte wäre es ihr, wie in ihrer eigenen Versammlung ausge sprachen worden, auf 1000 Mark mehr oder weniger nicht angekommen. Sie hat 30 Jahre lang gezeigt, daß es ihr nur an der gewissenhaften Erfüllung der Religionspflichten lag, und in keinem Stadium die Geldfrage in den Vordergrund geschoben. Wie verhielt sich dagegen die Synagogen-Gemeinde? Schroff ablehnend „bis zu dem Tage, an dem mit dem angedrohten Austritte Ernst gemacht worden war." Ritualeinrichtungen, um die weder sie, noch ihre Leiter sich je ernstlich gekümmert hatten, wurden von ihr an dem Tage als Kampf- und Fehdemittel ausgenommen, an dem die Adaß Jsroel in aller Ruhe an die Regelung der ihr obliegenden Gewissens -und Herzensaufgaben herantrat. Professoren, Aerzte und Rechtsanwälte, denen man mit der Behauptung nicht zu nahe tritt, daß sie bis dahin von Schechitah wenig, von Mikweh gar nichts wußten, wurden urplötzlich die eifrigsten Champions dieser Institutionen, denen sie im praktischen Leben nach wie vor fernstanden. Sie arbeiteten mit der famosen Commission, zogen als Berather auch allenfalls den Rabbi einer polnischen Gruppe heran, dem zwar auf Denunziation einer anderen Fraction seitens der Regierung die Ausübung aller Funktionen untersagt war. Nur die Adaß Jsroel und ihr Rabbiner durften für ihren „eigenen engsten Kreis" um keinen Preis zur Geltung kommen. Den Vorwurf darf man der Adaß Jsroel nicht ersparen, daß sie in ihrer Friedenssucht so weit ging, daß es fast als Zaghaftigkeit bezeichnet werden könnte. Nach Lage der Königsberger Verhältnisse war es für sie schon lange Pflicht, aus einer Gemeinde auszutreten, die ihr in Wirklichkeit außer dem gemeinsamen Friedhofe nichts bieten wollte. Wenn in der Antwort des Synagogen-Vorstandes vom 18. Mai 1893 darauf hingewiesen war, daß manche der Unterzeichner auch Synagoge und Religionsschule der Gemeinde benutzen, so konnte sich das nicht auf Mitglieder der Adaß Jsroel beziehen, sondern auf einen Theil der anderen mitunterzeichneten Polen, die sich inzwischen als treue Parteigänger der Gegner der Adaß Jsroel bewährt haben. Der Bund, den diese Herren mit der Synagogen-Gemeinde geschlossen haben, und den wir als unnatürlich bereits bezeichneten, wird auch nicht ewig dauern, weil er nicht auf wahrhaft religiöser Grundlage beruht. Die Erkenntniß des Zieles, wohin der gemeinsame Weg führt, wird auch da allmählig dämmern. Nachdem nun schließlich die reinliche Scheidung zwischen der Adaß Jsroel und der Synagogen-Gemeinde sich vollzogen, und ersterer sich eines der alten Fleischgeschäfte angeschlossen hat, sehen es einzelne Herren der Repräsentanten und der Commissionsmitglieder als deren Agenten — „zweifellos aus Gewiss sensbedenken" — als eine Hauptaufgabe an, diesem Fleischer die Kundschaft abzujagen; auch auf diesem Felde der negativen Bethätigung erzielen sie beträcht - licke Erfolae. Wenn Mitglieder der Adaß Jsroel sich solchen, Ivir wollen es gelinde ausdrücken, unlauteren Wettbewerb als edlen Sport gestattet hätten, man würde es mindestens als unanständige Handlungsweise bezeichnet haben, und vielleicht mit Recht. Es ist characteristisch für die Agenten der Reform-Gemeinde, daß sie so, wie sie die Kundschaft für ihre Fleischer in den Kreisen eines anderen sehr zuverlässigen Geschäftes suchen, sie auch die Schüler für ihre Neligionsschule aus den Kreisen der religiösen Gemeinde abzufangen sich bemühen. Nach der entgegengesetzten Seite richten sie nicht ihr Streben. Da hat sich alles zur Befriedigung in regelrechter Consequenz entwickelt, die aber schließlich zur Preisgabe des ganzen althergebrachten Plunders führt, so daß zuletzt nur noch die Bezeichnung als Jude durch eine andere zu ersetzen bleibt. Das kümmert die negativen Vertreter des Judenthums viel weniger, als der Aerger über die „Zeloten," die Störer der Einigkeit im gemeinsamen Abgleiten. Von diesen Leuten ist auch der Versuch gemacht worden, den Schocket der Adaß Jsroel von der Thätig keit auf dem Schlachthofe auszuschließen. Das ist doch auch ein recht hübscher Zug der Bethätigung der Gewissensfreiheit seitens der liberalen toleranten Herren. Die Stadtverwaltung konnte sich in ihrer billigen Denkungsweise nicht bis zu diesem Liberalismus auf schwingen. Wie würden aber die vornehin denkenden Herren geschrieen haben, wenn etwa die Adaß Jsroel an die königl. Regierung herangetreten wäre, um, wahrscheinlich mit Erfolg, die Synagogen-Gemeinde zu zwingen, ihre religiösen Bedürfnisse zu befriedigen und ibr an Stelle der exclusiven polnischen Gemeinde die alte Synagoge einzuräumen, welche mit jener gemeinsam zu benutzen, die Adaß Jsroel sich erboten hatte. Nachdem die Sachlage klargelegt ist, welche, trotz Lammesgeduld der Adaß Jsroel, zum Austritt geführt hat und führen mußte, erscheint es am Platze, die gegen die Ausgetretenen „objectiv" in verschiedenen Blättern vorgebrachten Beschuldigungen dem Leser vorzuführen. Trotz der von denselben Organen anerkannten Verpflichtung der Gemeinde, auch „für die Kultusbedürfnisse der Minorität in paritätischer Weite zu sorgen" und des als geeignetest empfohlenen Modus der Rückvergütung der Steuern in einer Pauschalsumme (also nicht in der Form der Salärirung eines wechselnden Beamten, dessen Bezüge auch sehr verschieden sein können), finden sie ohne Weiteres, „daß sie von einer Voraussetzung ausgehen, die historisch wie sachlich (?) unrichtig ist, daß die Forderungen, die sie gestellt, keine Gemeinde bewilligen konnte, daß die verschwindend kleine Minorität nicht den guten Willen gezeigt hat, der nothwendig war, um eine friedliche Regelung herbeizuführen." Ein anderes Blatt schreibt bezüglich der Spaltung, „daß es wieder eine ganz bestimmte Färbung der Orthodoxie ist, von der das Aergerniß ausgegangen," es will „behaupten und beweisen, daß die Anstifter und Oraanisatoren nicht aus wahrhafter Frömmigkeit Han-

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