Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 12 (8.2.1900)
- Date
- 1900-02-08
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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247 beln" und vermut Hel bringend, „bas; die Männer, die an den Drähten ziehen, in vorderster Reihe ihre privaten und Familieninteressen im Auge haben und schlimmere Devastatoren des Judenthums sind, als je Reformzeloten es gewesen." Das alles könnte ja sehr beleidigend sein, und ist es für die Betroffenen ganz und gar nicht. Daß die Partisanen der Reform geschäftsmäßig vorab so urtheilen mußten, wie sie gethan, war ja zu erwarten. Vielleicht überfuhrt sie die vorliegende Darstellung ihrer unrichtigen Voraussetzung, vielleicht auch nicht. (5m gewandter Journalist vermag zu beweisen, was er tvill, möglicherweise also auch, daß eine Minorität, welche über ein viertel Jahrhundert lang absolute Anspruchslosigkeit bewiesen, im vorletzten Stadium noch bereit war, sich damit zu begnügen, eine freigewordene Svnagoge gegen Miethezahlung zu übernehmen und zuletzt erst neben einem baaren Zuschuß vor Allem die Beaufsichtigung der Schechitah nur für „ihren eigenen engsten Kreis" beanspruchte, damit beabsichtigte, eine „Oberaufsicht über die Gemeinde zu üben, ohne Appell und Einrede, daß sie die Gemeinde beherrschen und unterjochen wollte." Darf die Königsberger Synagogen-Gemeinde, die auf einer so hohen Warte modernster Bildung steht, die Zumuthung sich bieten lassen, sie stehe und falle mit einem ganz kleinen Bischen Schechitah; nicht einmal für sich selbst, ihre Bedürfnisie in dieser Hinsicht sind ja minimal, sondern für ein kleines Häuflein, das schon ein Gotteshaus, Anstellung einer ganzen Anzahl von Funktionären, und eine Religionsschule aus der eigenen Tasche besorgt hatte, auch für die Schechitah keinerlei Belastung der Gemeindekaste auferlegen wollte, sondern nur durch ihren eigenen Rabbiner eine Beaufsichtigung wünschte, weil sie eben das von den gleichen Wortführern als zulässig zugestandene Mißtrauen gegen die betreffende Vertretung der Synagogen-Gemeinde im weitesten Sinne hatte? Jnterestant wäre es über die bloße Behauptung hinaus zu erfahren, worin denn „das von der Synagogen-Gemeinde bewiesene weiteste Entgegenkommen" bestand, und worin sie „Schritt für Schritt nachgegeben hatte, um sachlich gerechtfertigten Forderungen gegenüber zu genügen, bis es ihr schließlich unmöglich war, durch weitere Nachgiebigkeit den Frieden herzustellen." Dabei gesteht man zu, „daß es das gute Recht der Adas; Israel war, wenn ihr die Gemeinde-Schechitah nicht gefiel, sich eine bessere zu schaffen, doch gehe es nicht an, von einer Privatvereinigung aus die Gemeinde zu zensuriren, ihre Behörden zu terrorisiren." Wir müssen gestehen, unser schwacher Verstand reicku nicht aus, hier die Anwendung zu finden, irgend eine Combination zu konstruiren. Nach unseren Darlegungen hoffen »vir jedoch, die Tadler auf unsere Seite gebracht zu haben, da »vir bei Weitem nicht mit unseren Ansprüchen bis an die von selbst vertretenen Grenzen gingen. Daß die Motive der Ausgetretenen die reinsten, lediglich in religiösen Bedenken beruhenden, tvaren, wird Niemand bezweifeln, der ohne Borurtheil die Vorgänge verfolgte. Welche anderen Gründe hätten denn vorliegen können, da der Austritt nothwendigerweise mit einer nochmaligen Vergrößerung der Lasten für die Betroffenen verbunden ist, aber nicht mit irgend welchen Ehren. Sie haben nur das Bewußtsein, ihre religiöse Pflicht erfüllt zu haben, und müßten es als eine Verletzung empfinden, »venn man ihnen imputiren wollte, nicht ausschließlich der eigenen Eingebung, sondern anderweiter Beeinflussung gefolgt zu sein. Der Krug geht so lange zu Wasser, bis er bricht. Daß er in dem brüchigen Zustande über sechs Jahre (von 1893 bis Ende 1899) gehalten hat, war über Erwarten lang. Es ist auf der einen Seite die alte Geschichte mit den sybillinischen Büchern, auf der anderen die der Verstocktheit derjenigen Gegner, die nur Leistungen verlangen und nichts gewähren, wie sie am charakteristischsten in dem Verhalten des biblischen Pharao zum Ausdruck kommt. Da ist es sehr billig für die Machthaber zu fordern, die Bedrückten sollen nur ihre Leistungen verdoppeln und „durch materielle Aufwendungen ersetzen, was jene versäumt haben," und damit noch die Schmähung zu verbinden, „die Religiösen machten die Frage des Grundsatzes zur gemeinen Geldangelegenheit, die Ge- »vissensbedenken seien den materiellen Rücksichten bedenklich nahe gerückt." Bescheiden sind ja die religionspflichttreuen Juden, diese Zumuthung, sich lediglich zum Lastthier degradieren zu lasten, weisen sie entrüstet von sich. Nachdem „man ihnen Alles verweigert hat und sie verhindern »vill, ihre eigenen Ritualangelegenheiten auf eigene Kosten zu besorgen," darf es keinen unparteiischen Menschen mehr wundern, wenn sie zu dem Beschlüsse kommen, ihre hauptsächlich der Orgelsynagoge dienenden Cultusbeiträge ferner nicht diesem Zwecke, sondern den erweiterten eigenen Bedürfnissen zu »vidmen. Gewiß hatten die Religiösen 1893 in ihrer Eingabe auf die gebieterische Nothwendigkeit der Einigkeit, des Zusammenhalts und Friedens innerhalb der Judenheit hingewiesen, zu deren Aufrechterhaltung gehören aber zlvei Parteien, eine allein vermag beim besten Willen nichts, wenn die andere sich nur ablehnend verhält. Wir haben von dieser Nothwendigkeit eine höhere Auffassung, als daß ihr damit genügt wäre, daß man eine Orgelsynagoge besucht oder gar keine, daß man die Kinder in eine Religionsschule schickt, deren bisherige mangelhafte Leistungen zugegeben werden, oder in gar keine, und daß man sich noch allenfalls nebeneinander beerdigen läßt. Das ist kein Band, welches das Judenthuni zusammenhalten könnte. Dazu ist viel Positiveres nöthig. Es gab »vohl einmal eine Periode, die vielleicht gutgläubig genug »var, zu hoffen, den indifferent werdenden Theil der jüdischen Gemeinden dadurch galvanisiren zu können, daß man die fremde, dem Sabbatreligionsgesetze »viderstreitende Orgel in die Synagoge einführe. Das war doch eine positive That der Reform, fast alles übrige war negativ. (Fortsetzung folgt.)