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Der Israelit · 1900-02-08 · Heft 12 (8.2.1900) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 12 (8.2.1900)
Date
1900-02-08
Page
– (sequence 17)
Language
German
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«WWWWWW •.* V> ■►1> ■>*<*:/A i. 4L Jahrgang. Zweite Beilage ju M12 -es „Isradit“. L eilender Artikel. Die Uorgällge lo Külliss-erg I. Pr. k^ortsetzung aus der ersten Beilage.) 1803 hatten die damaligen Petenten ihren Austritt in Aussicht gestellt, was inan iin Vorstand nicht ernst nahm, da man oon so wohlgesitteten zahmen Staatsbürgern, die ihre Rechte stets in prompter Steuerzahl' ung geltend gemacht hatten, derartige revolutionäre Ideen nicht erwarten durfte. Man gab die herausfordernde Antwort vom 18. Mai und hatte sich nicht getäuscht. Es blieb alles stille wie zuvor. Ende 1896 bemerkte der Vorstand der „Adas; Jsroel" in einer neuen Eingabe, er würde sich zum Austritt aus der Synagogen-Gemeinde veranlaßt sehen, wenn die alte Synagoge seiner Gemeinde nicht miethweise überlassen werde — man wollte also damals sogar noch Miethe zahlen und stellte keinerlei weitere Ansprüche. Die Ablehnungen erfolgten stets e i n st i m m i g seitens des Vorstandes und der Repräsentanten der Synagogengemeinde in dem bereits erwähnten, der Liebe entgegengesetzten Gefühle. Niemals ist seitens der Adaß Jsroel der Synagogen-Gemeinde gegenüber Feindseliges ausgedrückt oder irgendwie bekundet worden, es sei denn, daß man dieses in der treuen und opferwilligen Religionsübung finden wollte. Dies ist eben die von dem „Israelit" treffend geschilderte „Toleranz der Toleranten." Inzwischen übernahm ein homo liovus den Sitz des Königsberger Gemeinde-Rabbinats, dessen Namen allein ein Programm bedeutet, d. h. ein negatives für den auch aus dem Ritualgebiete Religiösen. Nun entivickelten sich die Dinge etwas rascher. Man wollte als „Gemeinderabbiner" neben sich den Rabbiner der Adaß Jsroel überhaupt in keiner Weise auf dem gemeinsamen Ritualgebiete gelten lassen. 1897 erfolgte dieserhalb der erste vereinzelte Austritt aus der Synagogen-Gemeinde, eines Mitgliedes der Adaß Jsroel, von dein Niemand in Königsberg zu behaupten wagt, daß er seinen Beitrag ersparen wolle, oder, daß materielle Betveggründe ihn beeinflussen könnten. Die Adaß Jsroel hatte anläßlich eines Vorganges damals die Erklärung der Schächter und der bedeutendsten Fleischer in Händen, daß dieselben sich ausschließlich ihrem Rabbiner unterstellten. Sie gab diese günstige Lage jedoch wieder preis, als man von der anderen Seite unter dem Zwange der Verhältnisse sich bereit erklärte, in ehrlicher Weise sich mit der Adaß Jsroel und dem sie repräsentirenden Rabbiner zu verständigen. Nur die unangebrachte Langmuth des letzteren hatte zur Folge, daß die Dinge nun über 1 sO Jahre lang so gingen, wie sie eben gingen. Wie endlos das Maß der Friedensliebe der Adaß Jsroel war, beweist wohl, daß ihr erwähntes, bereits ausgetretenes Mitglied, etwa eine Woche vor dem 26. November, an dem 30 weitere Mitglieder ihren Austritt aus der Synagogen-Gemeinde dem Gerichte anzeigten, den Vorsitzenden des Vorstandes besuchte, um ihm Vorschläge zum Frieden mit dem gleichzeitigen Angebote seines Wiedereintrittes zu machen, die aber rund abgelehnt wurden, weil die Gemeinde nicht in der Lage sei, sich einen in anderen Gemeinden vielleicht möglichen Luxus zu gestatten. Die Minorität müsse suchen, Sitz und Stimme in den Verwaltungsorganen zu erlangen, um aus einer Minorität allmählig Majorität zu werden. Das hierzu nöthige Rezept wurde nicht ausgestellt. Vor einigen Jahren hatte auf andererseits gegebene Anregung die Adaß Jsroel ihre Candidaten zu den Repräsentantenwahlen aufgestellt, die aber glänzend durchsielen. Die jetzige Minorität wird ja im Laufe der Zeiten sogar in Königsberg einmal Majorität werden. Wir sind aber nicht Optimisten genug, um das in absehbarer Frist zu erwarten. Da wagt man nun zu behaupten, daß unsere Seite „Verständigung nicht gewollt, vielmehr mit allen Mitteln Hintertrieben habe." Erst das Faktum der Austrittserklärung konnte Vorstand und Repräsentanten „zum ersten Male" zu der prinzipiellen Geneigtheit bringen, überhaupt in eine Verhandlung sich einzulassen. Diese schließliche Anregung ging von zwei Männern aus, denen es für ihre Person tbatsächlich um den Frieden zu thun war, allerdings erst recht spät, dem Vorsitzenden des Vorstandes und dem Vorsitzenden der Repräsentanten, welche ihre Posten erst seit kurzer Zeit einnehmen. Was hat nun die böse friedenstörende Adaß Israel in diesen Verhandlungen von Anfang an und im späteren Verlaufe gefordert? Daß man die Kaschruß- Jnstitutionen, also besonders alles zur Schechitah gehörige und Mikweh, „soweit sie für die Mitglieder der Adaß Jsroel in Betracht kommen," ihrer eigenen Verwaltung unter Leitung ihres Rabbiners unterstelle, und nachdem die Vertreter der Synagogen-Gemeinde gemeinsame Beaufsichtigung durch die beiden Rabbiner vorgeschlagen hatten und die Geltung der strengeren Auffassung sanktionieren wollte, glaubte die Adaß Jsroel nach den gemachten Erfahrungen dabei verbleiben zu sollen, daß ihrem Rabbiner die Schechitah und der Fleischverkauf „für die Adaß Jsroel" zur selbstständigen Beaufsichtigung unterstellt werden müßten. Trotz erheblicher Bedenken gab sie in zweien der vier Punkte nach und verlangte nur, daß die Synagogen-Gemeinde anstatt der von ihr angebotenen Salärirung eines Beamten der Adaß Jsroel mit 2500—3000 Mk., dieser einen jährlichen Beitrag von 4000 Mk. zu ihrer freien Verfügung für Kultuszwecke auszahlen solle. Das waren die Forderungen, „von denen die Adaß Jsroel wissen sollte, daß sie nach Form und Inhalt unannehm^.

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