Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 12 (8.2.1900)
- Date
- 1900-02-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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231 „Gehe, Israel wird nach dir seine Tage und Jahre zählen." „Sind sie nicht doch für ihre Zählung auch auf die Sonne angewiesen?" „Gehe immerhin, alle Frommen werden nach deinem Beispiel in ihrer äußeren Bescheidenheit ihre wahre, innere Größe finden und nach dir sich nennen: Jacob der Kleine, Samuel der Kleine, David der Kleine. Volle Befriedigung mit deinem Loose magst du aber aus der Art und Weise schöpfen, mit welcher Israel seine Zurücksetzung nicht nur erträgt, sondern in dieser ihm angewiesenen Stellung seine Lebensaufgabe erblickt uno ihr allmonatlich mit der Feier des Neumonds sein Opfer bringt," (Chullin 60. b.) Es ist Gottes weiser, mächtiger Wille, der den Gegensatz zwischen Sonne und Mond, wie zwischen Israel und den übrigen Völkern bestimmt hat. Er wird nicht ewig dauern, aber so lange sein Bestand von Gottes Willen für gut befunden wird, wäre es Vermessenheit unsererseits, ihn aufheben zu wollen. Wenn daher der Beginn eines jeden Monats Israel zur Sühne mahnt, und es aufs neue zu seinem Ringen nach ewig vollem Lichte spornt, so ist es in noch höherem Grad der Schaltmonat, der uns die Annäherung von Sonne und Mond vergegenwärtigt, ohne daß sie sich ganz erreichen. In diesem Nichterreichen, in diesem Äuseinandergehen der Richtungen, nach welchen die Himmelskörper ihre Bahnen ziehen, liegt die mächtig ergreifende Harmonie, die aus den himmlischen Sphären zu uns spricht. Würden sie zusammen gehen, würde ein Himmelskörper die Bahn des anderen durchqueren oder theilen wollen, es würde den Untergang alles Bestehenden zur Folge haben. Getrennt und auf ihre von Gott ihnen angewiesene Richtung beschränkt, ziehen sie friedlich ihre Bahn und mahnen die zu ihnen emporblickenden Sterblichen zu gleichem Frieden. Er wird nicht immer dadurch gefördert, daß Gegensätze vereint dieselben Wege gehen, sondern er wird dadurch geschaffen und erhalten, daß sie auf „verschiedenen" Bahnen das ihnen gesteckte Ziel erreichen. vbv ’bv t\vt «in vonoa "bv ntsny Wie Gott den Himmelssrieden in seinen Höhen gestaltet, so will er ihn auch bei uns verwirklicht sehen. Wo dieser Gegensatz auszuhören scheint, wie im Schaltmonat, erinnert uns die jüdische Sitte durch Stiftung besonderer Gedenktage (ivn noaieo, daß er in Wirklichkeit noch nicht aufgehört hat. Aber auch dieser Gegensatz wird schwinden, in der Höhe, wie im Kreise der Menschen, wenn sich das Prophetenwort erfüllt haben wird (Jesaja C. 30, V. 26): ii*o DTisotP hvt nenn nxi nenn -1*0 nobn is n'm . xbt> irre;*nei iey natp ns 'n eon aio L'v'.n njot? „Es wird das Licht des Mondes wie das Licht der Sonne und das Licht der Sonne wird siebenfach wie das Licht der sieben Tage, um die Zeit, wann Gott den Bruch seines Volkes verbindet und die Wunde seines Schlages heilen wird." Zettimg-nachrrchte« und Correspoudeuze«. Deutschland. Frankfurt a. M. Am 22. v. Mts. sprach im „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" Herr Rabbiner Dr. Unna aus Mannheim über „Philo von. Alexandrien." Er führte etwa Folgendes aus: Eine der intereffantesten Erscheinungen der Geschickte ist das Zusammentreffen jüdischen und griechischen Geistes; beide streben nach dem Höchsten. Aber während das Ziel der Griechen die Vervollkommnung des äußeren Menschen, ihr Ideal das Schöne ist, bezweckt das Judenthum die Vervollkommnung des inneren Menschen, sein Ideal ist das s i t t - l i ch Gute. Der erste Zusammenstoß der beiden Strömungen fand auf dem Boden Palästinas durch syrische Einflüsse statt, denen selbst Hohepriester erlagen. Jedoch fanden sich Männer, die die Gefahr erkannten, und nach erbittertem Kampfe errang das Judenthum einen glänzenden Sieg über das Griechenthum. Ganz anders gestaltete sich das Zusammentreffen im Mittelpunkte der hellenischen Bildung, in Alexandrien. Den Juden fern von der Heimath fehlte der religiöse Mittelpunkt, sie setzten von Anfang an dem Eindringen griechischen Wesens keinen so starken Widerstand entgegen, zumal es dem Judenthum nicht in feindlicher Weise entgegentrat. Bei ihrem lebhaftem Verkehr mit den Griechen konnten sich die Juden deren Einfluß nicht entziehen, da aber ihre Lehren den Griechen unverständlich blieben, und sie deßhalb dem Spott ausgesetzt waren, so bestrebten sie sich, die griechische Philosophie sich anzueignen, um die Angreifer auf deren eigenem Boden zu bekämpfen. Das Hebräische wurde mehr und mehr zurückgedrängt, auch die Bibel im dritten Jahrhundert in's Griechische übersetzt. Die Gegensätze zwischen ihrer Religion und der griechischen Philosophie suchten die Juden auszugleichen, indem sie einerseits behaupteten, die alten Philosophen hätten die Offenbarung schon gekannt, andererseits vieles allegorisch erklärten, wodurch sie allerdings die jüdische Anschauung entstellten. Der hervorragendste Vertreter der jüdisch-alexandrinischen Bildung war der Philosoph Philo, 30 vor bis 50 nach der gewöhn!. Zeitrechnung. Er gehörte einer der reichsten Familien an und genoß eine gediegene Bildung. In seinem Leben übte er die reinste Sittlichkeit, seine Frau suchte ihm nachzueiferu. Man erzählt von ihr, daß sie keinen Schmuck trug, weil die Tugend des Gatten ein hinlänglicher Schmuck für die Frau sei. Das Emporblühen der jüdischen Gemeinde erregte den Neid der griechischen Bevölkerung, der zwar von den ersten Kaisern niedergehalten wurde, aber unter Kaligula zum Ausbruch kam. Der Anführer bei dieser Judenhetze war Apion, gegen den Philo seine bekannte Schrift veröffentlichte. X