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Der Israelit · 1900-02-08 · Heft 12 (8.2.1900) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 12 (8.2.1900)
Date
1900-02-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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330 haben, so hat man wieder keine richtigen Jahre. So haben die Muhamedaner allerdings richtige Monate, aber ihr Jahr hat nur 364 Tage, statt 366. Beginnt ihr Jahr also in diesem Jahre am 1. April, so beginnt es im nächsten am 20. März, im folgenden am 9. März, dann am 26. Februar und so fort, so daß in der Iah resbestimmung der Muhamedaner die größte Unord nung herrscht und ihre Daten sich durchaus nicht an bestimmte Jahreszeiten binden. Das einzig Richtige und Wahre hat der jiidische Kalender. Unsere Monate sind dem Monde analog bcstimmt und unsere Jahre sind Sonnenjahre. Unsere Monate beginnen mit dem Neumond, haben ihre Mitte mit dem Vollmonde erreicht und schließen wieder zur Neumondszeit ab. Unsere Jahre theilen sich regelmäßig mit den Jahreszeiten ein; immer ist's im Tamus Sommer, im Tischri Herbst, im Tebeth Winter und im Nissan Frühling. Dieses Wunder hat der jüdische Kalender dadurch möglich gemacht, daß, wie oben bemerkt, lvähreud eines Mondcyklus von 19 Jahren sieben Schaltjahre sind, in welchen jedesmal ein Monat eingeschaltet wird; dadurch gleichen sich die Mondjahre mit den Sonnen jahren fast vollständig aus. Wieso dieser Ausgleich erfolgt, wird ein Blick in folgende Rechnung lehren, die Jeder leicht wahrnehmen und kontrolliren kann. Die Mondumlaufzeit beträgt 29 Tage, 12 Stund.. 793 Theile; demnach hat das gewöhnliche Jahr von 12 Monaten 364 Tage, 8 Stunden, 876 Theile. Da in einem Mond-Cyclus (von 19 Jahren) 12 gewöhnliche Jahre sind, so enthalten diese 4262 Tage, 9 Stunden. 792 Theile. Das jüdische Schaltjahr hat 13 Monate, mithin 383 Tage, 21 Stunden und 589 Theile. Also enthalten die 7 Schaltjahre des Mond-Cyclus 2687 Tage, 6 Stunden, 883 Theile. Zählen wir die beiden Producte zusammen, so erhalten wir 6939 Tage, 16 Stunden, 696 Theile. — Das Sonnenjahr hat 366 Tage, 6 Stunden, folglich enthalten 19 Sonnenjahre 6939 Tage, 18 Stunden. Es beträgt demnach der Unterschied nur 1 Stunde, 486 Theile.*) Diese kurzen astronomischen Daten dürften genügen, um den jüdischen Kalender als ein von keiner anderen Zeitrechnung erreichtes Ideal zu veranschaulichen, als welcher er in der That von allen Kennern gefeiert wird. Die Worte: c'cyn ODnrr: nanaan rh ornw orwi .rm brrn wn pa:i D=n dj? pn now 0'p‘nn b: n« pjw „Hütet und erfüllt es; „denn das ist eure Weisheit und Einsicht vor den Augen der Völker," die alle diese Gesetze hören und sprechen werden: weise und einsichtsvoll ist nur dieses Volk, diese große Nation." (6. B. M., Cap. 4, V. 6.) beziehen unsere großen Weisen auf die bei uns gepflegten astronomischen Kenntnisse. *) Auch diese Differenz wird durch eine andere Eigenthümlickkeit des jüdischen Kalenderausgeglichen, deren Darstellung aber ein tieferes Eingehen auf den Gegenstand ' erforderte, was an^dtefer^Stelle nicht möglich ist. 2ip',”, m 1218 'in c'Ejn '."pb nj’ai 7I22N iri< .(ny ,ri22>) wbwi n'Cpri Bedarf somit unsere Zeitrechnung keiner anderen Begründung als derjenigen, die sie in sich selber trägt, so hat dieselbe doch noch eine andere, sittlich-ethische Seite. Indem Gottes Scköpfungswort die Himmels körper ninir«b in erster Reihe als Symbole uns t)tn gestellt hat. haben die vom Geiste Gottes erfüllten Män ner seines Volkes sich nicht auf den Planetarischen Lauf derselben bei dem Aufblick zu ihnen beschränkt. Der Ahn des israelitischen Volkes hat ans der Sternen schrift am Nachthimmel hoffen gelernt, sein königlicher Sänger hat die Sprache in Worte gefaßt, in welcher die Himniel die Ehre Gottes erzählen und das ganze Got tesvolk tvurde von seinen Führern, als eben seine Be freiungsstunde schlagen sollte, auf das immer und im mer wieder die Finsterniß überwindende Neulicht des Mondes mit den Worten hingewiesen: B>ipi nw ,22bv> xs:h mn trm „Diese Verjüngung ist euer eigenes Vorbild, ihr bloßer An vlick mahnt zur Selbstheiligung." Wir haben in unserer Erklärung des Schattmo nats gezeigt, tvie wir unsere Jahre thatsächlich nach dein Laufe des Mondes zählen und wie die Schaltmonate nur dazu dienen, diese unsere Mondjahre mit dem Sonnenjahre, nach welchem unsere Umgebung zählt, anszugleicben. Die Sonne, die mit strahlender Macht aussteigt und überall hin ihren alles beherrschenden Einfluß geltend macht, ist das Vorbild der Böller, die nach ihr ihre Jahre zählen. So lange sie in dem Zenith ihrer Machtfülle steht, blendet sie den Blick und übt ihre Herrschaft aus. Ihr Reich beherrscht aber nur die eine Hälfte der Zeitlichkeit; sie tritt zurück, sobald der Mond seine Herrschaft antritt. So sanft und milde sein Licht auch herniederstrahlt, so sehr dasselbe auch dem Wechsel unterworfen, in fortwährendem Steigen und Sinken, Sinken und Steigen begriffen ist, er läßt sich von seiner Bahn nicht verdrängen. Sein still bescheiden leuchtendes Licht kann von der Sonne überstrahlt werden, aber er behauptet seinen Platz neben der majestätisch dahin ziehenden Beherrscherin des Tages und erwartet ihren Niedergang, um dann allein die Erleuchtung dem ganzen Universum zu bringen. Das ist Israel und seine Stellung in der Geschickte der Völker und Staaten. Herrlich drücken unsere Weisen diese Gedanken aus, indem sie den Mond klagend vor Gott hintreten lassen: „Du hast uns beide groß genannt, können zwei Fürsten eine und dieselbe Krone tragen?" „So tritt du bescheiden als der Geringere zurück!" „Soll das der Lohn für meine bessere Einsicht sein?" „Dafür sollst du bei Tag und bei Nacht herrschen." „WaS wird das nützen? Beachtet man das Kerzen licht am hellen Tag?"

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