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Der Israelit · 1900-02-05 · Heft 11 (5.2.1900) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 11 (5.2.1900)
Date
1900-02-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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218 Weil Bernard Jude ist. Besonders der Feldwebel de Solanges soll sich die größten Rohheiten habe zu Schulden kommen lassen und auch die Schuld am Tode des unglücklichen Bernard tragen. Solanges hat nun geklagt, aber die „Aurore" hält ihre Anschuldigungen aufrecht, hat eine Menge Zeugen benannt und erklärt, daß sie dem Proceß, der ain 2. Februar stattsinden wird, mit größter Ruhe entgegensieht. — Bei den letzten Ordensverleihungen haben außer den schon gemeldeten noch zwei Juden die Ehrenlegion erhalten. De Porto Riehe hat das Ossizierkreuz, Andre Wormser, der Eomponist von l'Ensant Prodigue, das Ritterkreuz der Ehrenlegion erhalten. Rumänien. Jastb. Unsere Regierung, die bei der Behandlung jüdischer Angelegenheiten keinen anderen Gesichtspunkt kennt, als die Juden nach Möglichkeit zu chikaniren, sollte, müßte man meinen, sehr froh sein, wenn als Folge ihres Vorgehens die rumänischen Israeliten nun endlich sich zur Auswanderung entschließen. Aber Consequenz ist eben nicht Sache der rumänischen Regierung. Auch die Auswanderung soll nur unter Chicunen möglich sein, so will es der Polizeipräsident von Bukarest, und er verordnet die Ausweisung des Herrn Tratsch, weil dieser zur Auswanderung ausfordert. — Unglaublich geradezu sind die Chicanen gegen die jüdischen Schulen, deren Existenz durchaus unmöglich gemacht werden soll. Die Jnspectoren sollen darüber wachen, daß nicht nur das seitens des Staates vorgeschriebene Pensum gelernt wird, sondern auch, daß es in den Stunden gelernt wird, die die staatlichen oder Gemeindeschulen dafür ansetzen. Run müssen aber die jüdischen Schulen in ihrem Schulplan damit rechnen, daß sie für Hebräisch und jüdische Religion mehr Zeit ansetzen müssen, als in den anderen Schulen für christliche Religion angesetzt wird. Man kann sich leicht denken, welche schöne Gelegenheit zu Chicanen und schließlich zum Trinkgeldernehmen da die Jnspectoren finden. Wie weit indessen diese Herren bisweilen gehen. beweist das Beispiel eines Schulinspectors in der Moldau, der die Schließung der jüdischen Schulen seines Districts beantragt hat, weil die Kinder beim Hebräisch den Hut auf dem Kopf behalten. Auch den Studenten werden alle möglichen Hindernisse beim Studium in den Weg gelegt, so wird jetzt wieder von den jüdischen Studenten, welche an den rumänischen Universitäten Medicin studiren, eine für Ausländer angesetzte Taxe von 320 Francs pro Jahr verlangt, welche die christl. Collegen nicht zu bezahlen brauchen. Z» allen anderen Schwierigkeiten kommt jetzt noch hinzu, daß die Regierung die Propaganda der Judenmissionare eifrig unterstützt. Wenn sich gar ein Jude um ein öffentliches Amt bewirbt, so wird ihm klar gemacht, daß der Taufschein die erste Bedingung für den Erfolg seiner Bewerbung ist. Kürzlich hat der Rector Magnificus der Universität Bukarest in einer großen Rede be: feierlicher Gelegenheit die Massentaufe der Juden als die einzige Lösung der Judenfrage befürwortet u. die Prophezeiung ausgesprochen, daß in 100 Jahren alle Juden zum Chrisienthunie übergegangen sein werden. Nun weiß man ja, auf wen seit der Zerstörung diw Tempels die Gabe der Prophezeiung übergegangen ist- > Personalien, -4- .Halberstadt, im Jan. Am 25. d. Mts. waren es 25 Jahre, daß Herr Salomon K o h n , gegenwärtig Stiftsrabbiner an der Behrend-Lehmann-Synaaoge, seinen Wohnsitz hierher verlegte. Infolgedessen wurden ihm von vielen Seiten mannigfache Ehrungen zu Theil. 9 e tt t U c t o n. Ex odio fidae. Htstorifrhr ErzÄhlrrng ID Von Mathias Kisch, Prag. Die Richter betrachteten deren Aussagen als verstocktes Leugnen, und da selbst der heilige Eid, wie geschlossen wurde, hier zur wahren Aussage nicht bewegen tonnte, wurde mit der gerichtlichen Procedur fortgefahren. Welchen Erfolg diese „Procedur" hatte, ist unschwer zu errathen. Die durch ihre Leiden und stete Ausregungen bereits halb todte Lea endete auf der Folter ihr jammervolles Dasein. Der alte Reb Lipme sagte aus, was von ihm verlangt wurde, und so wurde Löbl Kurzhandl überführt, das ihm schuldgegebene Verbrechen begangen zu haben und soll nun der gerechten Strafe überantwortet werden. Das Todesurtheil wurde ausgesprochen und von der Röin. Kaiserl. Majestät confirmirt: „Daß Kurzhandl, Jude, 20 Jahre alt, aus Mähren gebürtig, des schweren und ärgerlichen Verbrechens wegen, aus der Frohnfeste auf die Richtstatt geschleppt, daselbst Andern zum Abscheu mit dem Rad vor. unten hinauf vom Leben zum Tode hingerichtet und hernachmal darein gepflochten und in die Luft aufgcstecket werden soll." Nachdem ihm das Urtheil verlesen und er nochmals aufgefordert wude, die Wahrheit zu gestehen: ließ er. anders nicht mehr von sich hören als: „Ich bin am Blute dieses Knaben nicht schuldig. GOTT, dem ich meinen Handel befehle, wird mir Unschuldigen beystehen, ist es doch beliebig denen ange-

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