Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 11 (5.2.1900)
- Date
- 1900-02-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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219 ordneten Richtern, ihre Hände in meinem Blut zu waschen, so sey es, will darumb nicht dem Hochlöblichen Eollegio die Schuld aufbürden, sondern dem ungerechten, lügenhaften und mit Gold bestochenen Zeugen Josel, welcher sich wider mich Unschuldigen aufgebäumt und allein Ursache ist an meinem Verdammnus, und einen! also schmählichen Tod." Als nun der Tag, welcher zur Exeeution bestimmet, und ein Samstage war, erschienen, ging Pater Joannes Vrandstätter, aus der Brüdersocietät, Prediger in der Teutschen Kirchen, zu dem Kurzhandl und scihö ihn, lviö iv dsn Löib mit schöner wölssen Kleidung gezieret, das Gemüth aber mit Hebungen des Glaubens, der Liebe Gottes, schmertzlicher Reu und Hasses Wider die verübten Laster, erereieren thate. Da fragte ihn der Pater, in was für einem Glauben er sterben wolle? „In demselben Glauben." sagte er. „in welchem gestorben Abraham, Jsaac und Jacob, und gleich wie Abraham seinen Sohn, also werde ich mich Gott opfern." Ter Pater setzte hinzu: „Willst Du auch in jenem Glauben sterben, in welchem Abraham. Jsaac und Jacob heute sterben wollten, wann sie heut mit uns leb ten?" „Also auch ich," hat er geantwortet. „Merke wol." ermahnte der Pater, „wann sie jetzt mit uns lebten, glaubten sie alles, was wir Eatholische glauben, und vor diele wollten sie sterben. Willst Du auch getaufft werden?" „Mein Pater," leget er zurück, „ich bitte, mich mit der Taufs nicht zu beunruhigen, dann ich in selbigem Glauben sterben will, in welchem Gott, der Himmel und Erden erschaffen, will, dafz ick sterbe, und an wel chen: mein ewiges Heil hanget, ich bitte, es fei? mir ferner nicht überlästig. Wim null ich beten und mich zum Tode bereiten." Hierauf fing er an, hebräische Psalmen und zwar ohne Gebrauch des jüdischen Riemens, Tephily ge nannl, obschon es bey den Juden mit diesem nicht um bunden zu seyn, u. doch beten, vor einen Greuel gehalten wird. ) Er, Kurzhandl aber, hat mit solcher Hertzensreu u. bellschallender Stimme, auch seltsamer Leibesbewegung, und mit öffteren beyden gefesselten Händen, starkem Brustklopffen, und Thränen-Ver giessen gebetet, dast er denen Beustehenden ein wunderliches Schauspiel eines Büssenden worden ist. Folglich ward er gantz nüchtern aus dem Kerker gcsühret, auf eine Ochsenhaut gebunden, ohne einiges Zeichen eines Missfallens oder llngeduld, auch in solcher Geduld und mit aufgehobenen Händen Hebräisch beten, durch den Weeg ausser der Stadt, den Gericksts- Plat zugeschlepvet." Die nun folgende Hinrichtung, die uns ganz getreu vom Berichterstatter geschildert wird, zu reprodu- H Der Pater, sowie der Berichterstatter, wußten eben nicht, daß am Samstage die Tephilin (Gebetriemen) nicht angelegt werden. ciren, müssen wir der Grausamkeit wegen unterlassen, hcrvorgehoben werde nur, dass Kurzhandl während dcr ganzen Execution andächtig und Gott ergeben, gleich den Märtyrern in der alten Zeit, betete, nicht schrie und nicht jammerte. Einige Male lieh der gutherzige Pater den Scharfrichter einhalten, um den Büßenden zur Taufe aufzufordern, und dann, als der Arme bereits dem Tode nahe, nur noch leise stöhnen konnte, fragte der Pater nochmals, ob er den Glauben, an welchem die ewige Seligkeit hange, annehmen wollte. Als Antwort hörte dieser nur ein schwaches Stöhnen. Der fromme Pater nahm dieses als Bejahung an. „Teroloegen der Pater ihm alsobald, unter dreymaliger Wasser-Giessung, mit Heller Stimme getaufft, sich dann erhoben und den Psalm Laudate pueri Dominium gebetet!" Zum letzten tödtlichen Streich lieh nun dcr Pater dem Erequenten die Augen verbinden und Kurzhandl war, „als gantz zerschmetterter, neugetauffter Christ, seclig in dem Herrn entschlaffen." „Welcher wunderliche Bekehrungs-Verlaufs, nach dem er dem anwesenden König!. Appellations-Tribunal kund worden, ist von da aus Befehl erfolgt, dass Knrtzhandl, der nach dem Pater, dcr ihn getaufft, Joannis genannt ward, vom Rad gethan, und mit Ver ivilligung des Hochlöbl. Ertz-Bischöfflichen Prager Eonsistorii, den :><). Octobris, am Vorabend aller Ausei wählten Gottes, in St. Pauli-Kirch Christ-gläubig begraben worden. Und ist sich nach allen diesem nicht wenig zu ver ivunderu, dass nach denen also verbrachten sehr seltza men Jnauisstionen viele Juden-Kinder, aus inniglichem Antrieb, zu der heil. Lehre des Ehrist-Eatholi - scheu Glaubens sich sreywillig begeben und die heilige Taufs, in grosser Anzahl, nach und nach empfangen haben, so zweyffelsohne das er odio fidei Ehristianae vergossene Blut des kleinen Knaben Simonis ge Iviircket bat, iveilen, nach Lehre Tertulliani, das Blut der Martprer der ivahre Saamen der Christen ist." Auch Sarah Abeles, deren?lnffenthalt nicht bekannt >var. wurde, obwohl sie an dem „grausamen Morde nicht rbätig milgeivirkt, aber durch stilles Einveständniss, mit verschuldet hatte, in contumaciam vecurtheilt, durch drei Tage, zur Schande, ausgestellt und dann durch die Stadt bis zum Richtplatz gepeitscht um auf immer aus Prag ausgeftossen zu werden." So ivard der fictive Mord des Judenknaben Simon Abeles gesühnt: und für immerwährende Zei ten wird dessen Leiche als heiliger Mätyrer des christlichen Glaubens in der Theintirche zu Prag verehrt. (Schluß folgt.)