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Der Israelit · 1900-02-05 · Heft 11 (5.2.1900) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 11 (5.2.1900)
Date
1900-02-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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215 fei zur Hand, unbequeme Gegner jederzeit bei Seite zu schaffen und so mundtodt zu machen. Dieser Umstand lähmt vielen Edlen die Zunge; sie misten, welche Gefahr hierzulande damit verbunden ist, der Heuchelei und Unredlichkeit die Maske vom Gesicht zu reißen. Sie müssen für sich und ihre Umgebung vor jedem freien, offenen Wort zittern und halten es deßhalb zurück oder sprechen es nur in vertraulichem Kreise flüsternd von Ohr zu Ohr. Deßhalb hat sich bis jetzt keine öffentliche Stimme gegen den Zionisten-Schwindel erhoben. Und die jüdischen Zeitungen? „Es eristirt in ganz Rußland nicht eine jüdische Zeitschrift, welche die Interessen des alten, überlieferten Judenthums vertritt, wie dasselbe in 271222» mm und Ery2tP min niedergelegt ist, obwohl doch n"2 die bei weitem große Mehrzahl der russischen Judenheit in Theorie und Praxis auf diesem Boden steht." Die verhältnißmäßig kleine, aber rührige Partei der heimlich und offen Äbgefallenen terrorisirt und schreckt die überzeugungstreue, jüdische Mehrheit! Die großen jüdischen Zeitungen geben sich sammt und sonders als unparteiisch, farblos, behaupten vor aller Welt, allen Richtungen ihre Spalten zu öffnen, aber in Wirklichkeit stehen sie ausnahmslos im Dienste der Parteigänger des Abfalles und der Verleugnung des Judenthums. Diese machen sich in den Spalten unserer jüdischen Zeitungen breit, führen das große Wort, überhäufen die Vertreter des rabbinischen Judenthums mit Verdächtigungen und Schmähungen aller Art und lassen dieselben nicht einmal zu Worte kommen, wenn sie sich dieser Angriffe erwehren wollen. Ein wahrhaft jüdisches Organ wäre in Rußland eine Nothwendigkeit, wie nirgends sonst, aber keiner hat bis jetzt den Muth gehabt, mit diesem Unternehmen Ernst zu machen, obwohl seine Nothwendigkeit von allen wirklich Einsichtigen tief empfunden wird. Der russische Rabbinerstand verfügt über eine so reiche Fülle von Intelligenz, von lauterer, selbstloser Hingebung, aber die angedeuteten Rücksichten lasten schwer auf jeder Regung zum Besseren. In dem Augenblick, in dem die wahrhaften Jehudim ein eigenes Organ haben werden, wird der Bann gebrochen sein, der jetzt so Viele schreckt und lähmt. Wir können nun bereits heute die Nachricht bringen. daß ein solches Organ zunächst als Monatsschrift n'2 gesichert ist und voraussichtlich in allernächster Zeit erscheinen wird. Der frivole Uebermuth, mit welcher die Sache des Zionismus hierzulande betrieben wird, hat dem Faß den Boden ausgeschlagen und die Ueberzeugungstreuen zu dem Schritt gedrängt, gegen den sie sich so lange gesträubt hatten. Es hat in Rußland nicht an wackeren Rabbinen gest hlt, welche dem Zionismus an und für sich, d. h. demjenigen, was Wahres und Gesundes an ihm ist, ihre vollen Sympathien entgegengebracht haben. Die Besiedelung des heiligen Landes Pmtr px 21L" mstö zu fördern und den Armen und Unglücklichen zu Haufe damit eine neue Zukunft zu ermöglichen, sind so herrliche, erstrebenswerthe Ziele, daß sich viele wackere, gesinnungstüchtige cmr bereit gefunden hätten, diese Ziele zu fördern, selbst Hand in Hand mit solchen Elementen, mit welchen sie sonst keine Berührungspunkte haben möchten. Sie stellten lediglich die Bedingung, daß der Zionismus sich auf diese Ziele beschränken und alles „Kulturkämpferische" aus seinen Bestrebungen ausscheiden möchte. Wenn aber der Zionismus trotzdem. „Kultur" treiben wolle, so solle ein von anerkannten c\)2i und nxm mm gebildeter Aufsichtsrath geschaffen werden, der alle Schritte nach dieser Seite hin vorher zu prüfen habe. Eine Anzahl von berufenen E'J2i hatte in einer dem Basler Congreß vorangegangenen Versammlung zu Warschau dieses Verlangen motivirt und war nach Basel gereist, um dort diesen Antrag zu vertreten und ihm die Annahme zu sichern. Die Hofbescheide, der Hohn, kurz die ganze schnöde Art der Abweisung, die dieser Antrag erfuhr, haben die Abgewiesenen überzeugt, daß auf diesem Wege kein Heil zu hoffen ist. Eine^ der hier in Rede stehenden L'221. der Rabbiner E. Rabinowitsch von Pultawa, hat seine Erfahrungen bei der Versammlung in Warschau u. auf dem Eongreß in Basel in einer besonderen Schrift niedergclegt, die den Namen cbpcb p’X führt. Der Zurückweisung der Angriffe, welche diese Schrift zur Folge hatte, hat der Verfasser eine zweite Schrift : ibd mpnx '2 rmw gewidmet, die erst vor wenigen Wochen erschienen ist. Diese beiden Schriften enthalten das Trefflichste, Schlagendste und Gehaltsvollste alles dessen, was bis jetzt über und gegen den Zionismus geschrieben wurde. Auch wer, wie die meisten in Deutschland, für den Zionismus wenig Interesse übrig hat, wird nicht ohne lebhafte Befriedigung diese geistsprühenden Schriften lesen. Dieselben zeigen, welche Summe von Intelligenz u. Thatkraft der Zionismus durch seine „Kultursucht" von sich gestoßen und sich zu Gegnern gemacht hat. Herr Rabbiner Rabinowitsch ist mit seinen Genossen übrigens heute noch Zionist, und bekämpft den Zionismus von diesem seinem eigenen Standpunkt aus. Freilich ist er Zionist in dem Sinne, wie wir es alle sind. Er erblickt das Kriterium der Zugehörigkeit zum Zionismus nicht in den Albernheiten äußerer Abzeichen. sondern in der Gesinnung, die sich darin bewährt, daß sie jeden von ihr Durchdrungenen täglich dreimal “jeute nnmni beten läßt. Schon in der Vorrede seiner vor Jahresfrist erschienenen Schrift ebe'B2 p^t hat der Verfasser den Reinertrag derselben zu einem Fond für Herausgabe einer „Monatsschrift" bestimmt. Wie ich von zuverlässiger Seite höre, geht dieses hochwichtige Unternehmen demnächst seiner Verwirklichung entgegen. Wer Herrr Rabbiner Rabinowitsch und seinen glänzenden Styl kennt, weiß, daß derselbe durch sein seltenes, jü-

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