Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 10 (1.2.1900)
- Date
- 1900-02-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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194 nii ihren Schmerzen und Leiden innigen Antheil zu nehmen, ihnen helfend zur Seite zu stehen und Trost zu spenden. Tiefes lehrt uns das Gebot, „du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." Daher meint Ben Nanis, daß in diesem Bibelverse alle die oben angedeuteten Grundlehren der Thora enthalten sind. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst"! So wie du, wie jeder Mensch Eigenliebe besitzest und alle deine Unternehmungen und Thaten zumeist deinem eigenen physischen Wohle gewidmet zu sein pflegen, so soll deine Liebe auch deinen Nächsten, deinen Glaubensbruder umfasien und sollst du sein körperliches Wohl zu fördern dich bestreben. Um wie viel mehr, daß wenn dein Blick auf etwas Höheres gerichtet, nämlich auf den Olom habo, du auch deinem Nächsten zur Erlangung desselben die Vorbedingung schaffen helfest. Es sind deßhalb, meint Ben Nanis, in dem Gebote der Nächstenliebe viel bester die Grundlehren der Thora ausgedrückt, als im Sch'mabekenntniste, da im vav nur die Aufforderung, das seelische Heil seines Glaubensbruders zu fördern, enthalten, während das -pvz ^yib riznxi das,, seelische und physische Wohl" umfaßt. Nun gibt es aber noch einen Hauptpunkt bei der Beobachtung der Gottesgebote, nämlich die Vollziehung derselben durch die Mehrheit, die Gesammtheit; nj’x rrxo nery c'z'P , mri-z npiy -vt nvm. Es ist nicht zu vergleichen, wenn ein einzelner eine mrcz ausübt, als kvenn diese von Vielen vollzogen wird. Wenn sich Viele zur Ausübung einer Mizwo vereinigen, so ist dies Gott wohlgefälliger, als wenn diese nur von einem Einzelnen ausgeübt wird. Dies gilt besonders beim Gebete, beim Lernen der Thora und bei der Wohlthätigkeit. So ist das Gebet eines Einzelnen nicht mit dem der Gesammtheit der -nz*xz nben zu vergleichen, wie es im Traetate Berachoth heißt: n"zpr pst? p:e fru "Jn skvz me ztdi pyzrxbi tzz brr p x:sr ,c*z*i btpfnbsnz syic bbcm mzi rrorzpcijn bz rrzpn nizx /“izy n',1 czzz o ,*trs; , me*xn pza ':zb: 'b Exz "by *;s nbyis , rz'itf cy worauf Raschi die Bemerkung macht, daß unter Librr» die Thora, welche wb^ genannt wird, und auch rr; die Wohlthätigkeit zu verstehen ist und c'zn auf nziz nbrrn hindeutet. So verhält es sich auch mit der Talmud Thora d'Rabbim und der rp-!L rraro Das Lehren und Lernen der Thora seitens der Mehrheit ist nicht zu vergleichen mit dem Studium der Thora des Einzelnen. Ebenso ist es in Betreffs des Gebotes der Zedokoh. Die von einem Einzelnen gegebene wohlthätige Spende, womit dieser einen Armen unterstützt, hat nicht den hoben Werth, als die von Mehreren gefammeltenSpenden, zu welchen sich Viele vereinigt und Jeder sein Schärflein zu dem wohlthätigen Werke freiwillig nach Kräften beigetragen, da jeder Beitragende einen Antheil an der Mizwoth Zedokoh hat, und dessen Lohn so groß ist, als hätte er allein diese vollzogen. Dieser Gedanke scheint nach der geistvollen Erklärung meines großen Lehrers Rabbi Samuel Wolf Schreiber s. A. am deutlichsten ausgesprochen zu sein in de: von Rabbi Pasi zitirtcn Schriftstelle ttzzn rx 'rr zpzz rryr nrxn. Es muß doch Jedem auffallen, daß diese mit der Mehrzahl beginnt, indem es anfangs heißt "b iz'zpr *^x n?pxn nt während sie mir der Einzahl schließt wie ntryr rnxn trzzn r,x. Nach der Meinung px:n rcnx ist damit die Wichtigkeit der Mizwoh d'Rabbim hervorgehoben, denn so lange noch das Veth Hamikdosch gestanden, hatte doch jeder Jsraelite die Gelegenheit, wenn er irgend eine Sünde begangen, diese durch die Darbringung eines Opfers zu sühnen, ja, er konnte auch freiwillig dem Ewigen durch ein Korban Nedowoh seine Verehrung bezeugen. Trotzdem bevorzugte Gott mit den Worten: „Dieses ist das Feueropfer, das ihr (in der Gesammtheit) dem Ewigen darbringen sollet," das Korban Zibur, welches Alle zusammen dem Ewigen darbringen sollen, welches bei Gott einen solchen Werth hat, als hätte dieses jeder Einzelne allein ihin dargebracht. Darum heißt es zu Ende z: ntpwi -insn c*zzn rx in der Einzahl, womit der hohe Werth einer von der Gesammtheit oollführtw iri’z genügend gekennzeichnet ist. Dieser Gedanke hat daher Simon, Sohn des Pasis, zu dem Ausspruche new? -rx“ ewzn rx “nr bbizn p:ee ~p:zz veranlaßt >a im oben benannten Bibelverse am besten die Grundlehren der Thora zusammengefaßt sind, indem in demselben nicht nur die Wichtigkeit der Vollziehung eines Gottesgebotes von der Mehrheit durch die Andeutung des großen Lohnes, den jeder Einzelne, der sich daran betheiligt, zu erwarten hat, kundgegeben, sondern auch durch die Kennzeichnung des Werthes einer mfö auch die Aufforderung an jeden Jehudi enthält, seine anderen Glaubensbrüder zur Vollziehung der Gebote Gottes zu bestimmen und anzueifern, für deren körperliches Wohl durch die Anregung der Wohlthätigkeit seitens der Gesammtheit, auch für deren geistiges, moralisches Heil durch Verbreitung der Gotteserkenntniß unter seinen Brüdern Sorge zu tragen und zu einer wahren Mizwoh d'Rabbim zu machen. Da wir also aus Vorgehendem den großen Werth der Vollziehung der Gottesgebote durch die Mehrheit ersehen, so begreifen wir erst das Vorgehen des Rabbis, welcher fest und unerschütterlich an der Lehre Rabbi Simon den Pasis hielt und den Ausspruch gethan nzbn ZL pzz. Nach obiger Darlegung wird uns auch die Begründung des Rabbi für sein Festhalten an der Meinung des Ben Pasi mit den Eingangs zitierten Bibelworten "r ptrcn r\:zn rx “irx nxzc \jx zpx bzz :tryn fzi verständlich. Dieses :s?yri \z i soll uns den hohen Werth der cz'n rrxz der auch beim Bau des Mischkans zum Ausdruck kommt, auch für die Zukunft bei anderen mite andeuten. Unsere Sidra beginnt mit den Worten L>'x bz r,xc .nenn 'b inp'i "z: izb Ihr sollet mir eine Hebe aufnehmen, von nnem Jeden, dem es sein Herz eingeben wird, sollet ihr ine Hebe ausnehmen. Nach dem Ausspruch unserer Midraschweisen war es gar nicht nothwendig, von Jedem eine Steuer einzuheben, wie es heißt: