Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 10 (1.2.1900)
- Date
- 1900-02-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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187 [tötet" zu nennen? Könnte die Minotität nicht gerade auf Grund jener Stelle biefer Unterteilung entgegentreten und sagen: Wenn die jüdische Toleranz so weit geht, selbst eure Gottesleugnung zu erdulden, wie muß diese Toleranz erst uns zu Gute kommen, die wir Gott wieder eine Stätte in seinem Volk errichten wollen! Das ist ein nrrr :'Lv “xc* ^'r' ein Argument, das alle Frieden triefenden Citatenck ubsuiäum führt. Daß alle diese Argumente kaum diesen Namen verdienen und in der That ja auch nur für die gedankenlose Maste berechnet sind, liegt auf der Hand. Wenn heute Leute zu einer geschäftlichen Verbindung, zu einem Konsortium oder zu welcher Vereinigung sonst zusam mentreten und der Einzelne sieht, daß das Unternehmen nicht reustiert, daß es nicht in den richtigen Händen liegt, daß es rückwärts statt vorwärts geht, und erklärt daher seinen Austritt, so wird ihn Niemand deßhalb einen „Friedensstörer" nennen. Man sollte doch wohl glauben, das, was anderwärts recht ist, sollte bei uns billig sein. In Wahrheit stört ja jemand nicht den Frieden, wenn er aus einem ihm nicht entsprechenden Verbände austritt, sondern er dient dem Frieden und fordert ihn. So lange schneidende, sich gegenseitig ausschließende Gegensätze durch einen und denselben Verband zwangsweise zusammen gehalten werden, so lange stößt sich einer an dem andern, weil die Anschauung und das ganze Thun und Lassen des Einen ein Aergerniß dem Andern bietet.. Was nicht friedlich m i t einander leben kann, kann aber sehr wohl friedlich neben einander leben. Wenn die Ansichten und Gesinnungen innerlich weit auseinandergehen, dann ist in der äußeren, künstlich zur Schau getragenen Einheit kein Segen. Wer diese innere Harmonie opfert, um den Schein eines einheitlichen Zusammenlebens zu retten, dem steht eben der Schein hoher, als das Sein, dem gelten äußere, konventionelle Rücksichten mehr als Zweck und Ziel der jüdischen Gemeinde. Der alleinige Zweck jeder jüdischen Gemeinde ist: „Die Kenntniß der Thora und deren praktische Erfüllung bei ihren Mitgliedern zu fördern." Wird dieser Zweck durch die jüdische Gemeinde nicht erreicht, wird er durch sie gar verkümmert und gefährdet, dann ist es Sünde, diese Verkümmerung und Gefährdung durch seine Mitgliedschaft zu sanctioniren und sie durch seinen Beitrag noch materiell zu fordern. Dann ist es Pflicht, eine solche Gemeinde selbst dann zu verlassen, wo man mit seinen Prineipien auch ganz vereinzelt dasteht. Finden sich aber Gesinnungsgenossen, die derselbe Schmerz über den Verfall ihrer Gemeinde zusammenführt, dann haben sie zu thun, was sie auch thäten, wenn sie sich in einem Orte zusammenfänden, an welchem keine andere Gemeinde bislang bestand. Sie sind dann die Fortträger des Erbgutes der Gemeinde Jacobs, welches die anderen preisgegeben haben, sie sind dann die wahre Gemeinde Gottes, die sich mit der großen jüdischen Gesammtheit eins weiß, wenn sie auch zufällig an ihrem Wohnort nur eine Minorität repräsentirt. Diese Gesinnung zählt nicht die Zahl der Genossen, sie schrecken nicht die Hindernisse und Schwierigkeiten, die sich jeder Verwirklichung einer lauteren Absicht in den Weg stellen. Sie vertraut auf Gott, der mit seinem Segen der Minorität so nah ist, als der imponierenden Majorität. Sie lebt der Ueberzeugung aus die Zukunft, in welcher auch die heute dem jüdischen Heiligthum entfremdeten Brüder sich ihm wieder zuwenden u. gemeinsam dann anstreben und erreichen werden, was heute Sache nur vereinzelter n*rp ist. Darum rufen wir der wackeren Königsberger Adaß-Jsroel-Gemeinde und ihren aus der Reformgemeinde ausgetretenen Mitgliedern aus bewegtem Herzen ein liefempfundenes j*e*i pm zu und kleiden unsere Wünsche u. Hoffnungen in das Psalmwort (Ps. 45, 5.) ."P'c jtxt; -pm p-iar ncx 1:1 bv aan "p-rm „Dein wahrer Schmuck bleibt: Greife durch und übernimm die Leitung für die Sache der Wahrheit und des vertreterlosen Rechtes; dann wird dich Staunenswerthes deine Rechte lehren." Zeitungsnachrichten und Eorrespondenze«. Deutschland. Mainz, im Jan. Im hiesigen Verein „Liwias Chen" hielt vor Kurzem der Lehrer an der hiesigen Unterrichtsanstalt der isr. Religionsgesellschaft, Herr Ludwig Kraus, einen Vortrag über „Uriel Acosta." Redner leitete seinen Vortrag mit einer übersichtlichen Darstellung der spanischen Judenverfolgung ein, besprach die Entstehung des Marannenthums und, indem er die Anhänger desselben denen gegenüber stellte, die ihr Leben für die Emunoh hergegeben, jenen c’p’-rx,, "a tr n rmp bv Dirsj riaotr dh'cri zeigte er, wie wenig berechtigt die überschwengliche Erhebung ist, die die Marannen seitens der Geschichtsschreiber, Jost, Grätz und Genossen, genießen. Angesichts jener Heroen aus dem Scheiterhaufen sinken diese Halbjuden zu Schwächlingen herab. Im Lebensbilde Unels wies Redner darauf hin, daß dessen Eltern von der Regierung in den Adelstand erhoben worden und daß sie, was zweifellos damit Zusammenhänge, gute Katholiken gewesen seien, welche ihren Kindern eine echt katholische Erziehung seitens der Jesuiten angedeihen ließen. Aus diesem im Verein mit derStr'ömung der Zeit, welche in einer Allwisserei in einem überspannten Theologisiren, ewigen Fragen, spitzfindigen Antworten, Orgien feierten und in Rücksicht daraus, daß alle aus anderen Ländern gewiesenen Ketzer in Amsterdam eine Freistatt hatten, erklärt sich die rasche Abfall Uriels vom Judenthume, von dem Judenthume. das er nicht verstand.